Vier Tage vor Anschlag: Attentäter flog von Düsseldorf nach Manchester

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Arlt, Geisenberger, Hackl, Loch und Wendl in einem Rutsch

Rodel-WM am Königssee: Das große tz-Interview

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Die Trainingsgruppe ­Sonnenschein: Leitner, ­Geisenberger, Hackl, Arlt, Loch und Wendl

Königssee - Am Freitag startet die Rodel-WM am Königssee. Die tz traf die deutschen Hoffnungen Arlt, Geisenberger, Loch, Wendl und Trainer Georg Hackl zum großen Interview.

"Ab und zu drehst du durch mit diesen Affen, die haben immer Spaß beim Training“, sagt Trainer Patrick Leitner (38), als die tz ihn, Felix Loch (26), Natalie Geisenberger (27), Tobias Wendl (28), Tobias Arlt (28) und Georg Hackl (49) am Königssee besucht. Beim Mittagessen im Echostüberl, gleich um die Ecke der Rodelbahn, geht es um die Heim-WM, Schorsch-Hackl-Niederlagen, Hausfrauenqualitäten und Gewitterwolken in der Trainingsgruppe Sonnenschein.

Seit wann kennen Sie sich?

Hackl: Die vier sind miteinander groß geworden, das ist eine verschworene Gemeinschaft. Ich kenne sie als Kinder, wie sie an der Bahn herumgesprungen sind, als ich noch aktiv war. Felix ist reingewachsen, bevor er denken konnte, weil sein Vater Trainer war.

Arlt: Ich habe mit vier angefangen, Tobi mit sechs, wir kennen uns seit über 20 Jahren. Wir sind mit Leitner/Resch groß geworden und haben ihnen nachgeeifert.

Loch: Ich war schon als Furz an der Bahn. Das Erste, an was ich mich noch ein bisschen erinnern kann, ist die WM 1997 in Innsbruck. Und dann,…

Hackl: "Die WM 1999 hab ich selber verbockt"

Loch grinst und schaut nach rechts zu Hackl, der direkt neben ihm sitzt.

…natürlich die Heim-WM 1999, das weiß ich noch sehr genau.

Hackl schnaubt, lehnt sich zurück und schaut nicht gerade amüsiert. Der 49-Jährige gewann bei elf Weltmeisterschaften eine Einzelmedaille. Er habe auf seiner Heimbahn viele Rennen gewonnen, aber ausgerechnet bei der WM verhinderte dies ein Sturz.

Hackl: Der große Schlittenkonstrukteur Hackl hatte sich gnadenlos verbaut. Das hab’ ich damals selbst verbockt, was ich da zusammengebaut hab’, das geht auf keine Kuhhaut.

Arlt: Ich stand im Kreisel.

Wendl: Ich in der Zielkurve.

Geisenberger: Da ist der Schorsch nicht mehr vorbeigekommen.

Wendl: Nein.

Geisenberger: Ich habe Sonja Wiedemann im Ziel als Weltmeisterin erlebt.

Arlt: Leitner/Resch sind auch Weltmeister geworden, das war schon geil.

Das Essen wird serviert, bestellt habe alle das gleiche: einen „Deifi“ – ein Toast, belegt mit einem Schweinefilet, Pepperoni und Teufelssoße, dazu Pommes und Salat. „Sollen wir Pause machen?“, fragt Wendl. Alle verneinen. Leitner lobt die Bedingungen in Königssee und die Einstellung seiner Schützlinge. Sie würden sich Tag für Tag gegenseitig unterstützen.

Gibt es denn nie Gewitterwolken?

Wendl: Kann mich nicht erinnern, dass es eine Einheit gibt, bei der wir nicht lachen. Das ist wie in einer Beziehung, also ich kann da ja nicht mitreden, aber…

Hackl  (lacht laut auf): Der war fantastisch.

Wendl: Es gibt Hochs und Tiefs, ist doch so, oder? Wie bei Gute Zeiten, Schlechte Zeiten.

Hackl: Klar gibt es im Leben Höhen und Tiefen, aber wenn Konflikte im Raum stehen, sind die vier immer in der Lage sie auszuräumen.

Geisenberger: Jeder spinnt mal, aber wir wissen, wie wir damit umgehen müssen.

Loch: "Natalie kann ziemlich gut nähen"

Gibt es eine Rollenverteilung innerhalb der Gruppe?

Leitner: Felix ist der Leader, er ist strukturiert.

Loch  (lacht): Das versuche ich vorzutäuschen, funktioniert wohl…

Leitner: Tobi Wendl sorgt für positive Stimmung, spätestens wenn er in den Kraftraum kommt, lachen alle. Und Arlti steht als Familienpapa fest im Leben, der passt auf alle auf.

Und Natalie bringt sicher wichtige weibliche Eigenschaften ein?

Loch: Ja, ja, doch, da fällt mir was ein. Sie kann ziemlich gut nähen, wir müssen ab und zu die Startnummern abnähen, das kann sie perfekt.

Noch nie daran gedacht, das selbst zu erlernen?

Wendl: Sie sagt immer: „Gib her, du kannst es eh nicht.“

Geisenberger: Es geht schon damit los, dass sie kein Nähzeug dabei haben. Bevor ich ihnen meins leihe und dann eine Woche hinterherlaufe, mache ich es lieber selbst.

Gibt es Rituale in Ihrer Gruppe?

Loch: Komm Schorsch, bring deinen Spruch, ich find’ den so gut. „Rituale geben Handlungssicherheit…“ und wie geht’s weiter?

Hackl: Rituale geben Handlungssicherheit, aber ein Abweichen vom Ritual muss jederzeit möglich sein. Es gibt Sportler, die neigen dazu, sich abhängig von Ritualen zu machen und denken, wenn irgendwas schiefgeht, dann klappt alles nicht mehr. Das kann bis zu einer gewissen Weise pathogen werden.

Geisenberger: "Frauenunterstützung? Das passt schon"

Und Aufnahmerituale? Bräuchten Sie, Natalie, nicht noch Frauenunterstützung?

Arlt: Nein, die gibt es nicht, so leicht kommt man bei uns aber nicht rein, das ist nicht geplant.

Geisenberger: Ich komme ganz gut zurecht in der Männerwelt, das passt schon.

Wendl: Wenn ich mit drei Mädels trainieren würde, das stelle ich mir paradiesisch vor.

Geisenberger: Ja, so herum schon.

Wendl: Warum, für dich ist das nicht anders. Wir sind drei Männer und du die Frau. Und dann auch noch drei so gut aussehende Männer.

Wie gut würde ich aussehen, wenn ich versuchen würde, die Bahn herunterzufahren. Wie weit komme ich?

Leitner: Bis ins Krankenhaus.

Wendl: Bis in die dritte Kurve.

Loch: Du würdest quer fahren, nicht schnell werden und herunterschlittern.

Hackl: Das kommt drauf an, wenn wir deine Füße vorne an den Hörnchen festtapen, damit du nicht bremsen kannst, dann liegst zu 100 Prozent auf der Waffel. Die meisten, die es versuchen, bremsen mit den Füßen, dann geht’s. Wobei, am Königssee von ganz oben, ich glaub’, da zerreißt’s di, da fliegst, da hast du keine Chance.

Loch: Weil du nicht weißt, wie und wann du lenken musst.

Hackl: Du würdest immer an der falschen Stelle lenken. Dann wird’s bitter.

"Bei der WM ist alles drin"

Und wie geht es Ihnen auf der Bahn, wie sind die WM-Aussichten?

Geisenberger: Wir sind hier aufgewachsen, zur Bahn habe ich eine besondere Bindung, ich fahre sehr gerne hier, bei der WM ist alles drin.

Loch: Man braucht ein paar Jahre, bist man die Tricks raushat, aber ich hoffe, dass uns das mittlerweile gelungen ist.

Preisfrage zum Abschluss, weiß jemand, wie viele WM-Einzelmedaillen Georg Hackl gewonnen hat?

Hackl: Oooh, da müsste ich selbst überlegen.

Loch: WM-Medaillen hat er viele, viele Zweite.

Erinnern Sie sich noch an Hackls Blick zu Beginn des Gesprächs? Da ist er wieder. Der Gedanke an seine elf WM-Einzelmedaillen dürfte ihn aber trösten.

Mathias Müller

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