Neureuthers historischer Triumph

Wörndl & Wasi: "Felix, das ist der Gipfel"

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Olympiasieger Markus Wasmeier (l) und Weltmeister Frank Wörndl freuen sich mit Felix Neureuther.

München - Der Triumph von Felix Neureuther im Riesenslalom von Adelboden war ein historischer. Die Ski-Legenden Frank Wörndl und Markus Wasmeier haben mitgefiebert - das tz-Interview:

Frank Wörndl (54) war 1987 der letzte deutsche Slalom-Weltmeister. Markus Wasmeier (50) gewann 1994 in Lillehammer Gold im Riesenslalom. Den historischen Triumph von Felix Neureuther haben sie zusammen verfolgt – auf dem Piz Corvatsch, 3300 Meter über dem Meeresspiegel.

Herr Wörndl, Herr Wasmeier, Sie haben den Sieg in einer speziellen Atmosphäre genossen.

Wörndl: Wir haben einen Film für Bogner gedreht, es uns aber so gelegt, dass wir den zweiten Durchgang sehen können.

Wasmeier: Es hat sich ja abgezeichnet, Felix hätte es auch schon vergangenes Jahr schaffen können. Allerdings war Stefan Luitz mit seinen beiden zweiten Plätzen auch nah dran.

Sie kamen also rechtzeitig?

Wörndl (lacht): Es war knapp. Wir sind auf 3300 Metern mit einem Puls von 160 zum Panoramarestaurant gejoggt, damit wir ja nichts verpassen. Wenn man am Gipfel ankommt, fährt man erst mit den Ski bergab, dann muss man aber rund 250 bergauf laufen. Nach jeweils 50 Metern mussten wir immer wieder anhalten und durchatmen.

Lief der Fernseher schon?

Wörndl: Nein, im Gegenteil, er war aus. Wir mussten den Wirt erst überreden anzuschalten. Er war der Meinung, die Übertragung würde stören. Letztendlich hat er angemacht, aber ohne Ton. Bei den ersten beiden Fahrern waren wir noch fair, danach ist der Patriotismus durchgeschlagen. Wir haben uns nach jedem, der hinter Felix ins Ziel gekommen ist, abgeklatscht und gejubelt. Zum Schluss hat das ganze Restaurant das Rennen mitgeschaut.

Wasmeier: Wir haben uns für diesen historischen Moment eben ein besonderes Ambiente ausgesucht.

Ist Felix an seinem Karrierehöhepunkt angekommen?

Wörndl: Im Moment steht er sicher auf dem Gipfel. Er fährt super und mehr als gewinnen kann er nicht. Aber sollte Felix mal verletzungsfrei sein, dann geht’s erst richtig ab.

Eine Olympiamedaille in Sotschi ist also drin?

Wörndl: Das Können hat er, aber Olympia ist das Nonplusultra, das ist nicht ein Rennen wie jedes andere, der Druck dort ist enorm. Das kennt Felix, aber durch die Siege wird er mit großen eigenen Erwartungen anreisen.

Wasmeier: Es wird darauf ankommen, wie er bis dahin mit sich selbst und den ständigen Olympia-Fragen, speziell der Medien, umgeht. Wenn man den Fokus verliert, können die Nerven am Ende blank liegen.

Haben Sie so etwas selbst auch erlebt?

Wasmeier: Ich habe zwei Olympische Spiele versemmelt. In Calgary 1988 war ich übermotiviert und in Albertville 1992 war ich nervös und bin deshalb nur Vierter geworden. Zum Glück hat’s in Lillehammer noch geklappt.

Felix könnte Sie als letzten deutschen Olympiasieger ablösen.

Wasmeier: Ich würde mich narrisch freuen, wenn Felix es schafft und ich nicht mehr so alleine dastehe. Es wäre das Beste, was unserem Sport passieren könnte. Er hat derzeit eine innere Ruhe und eine super Form, möglich ist es.

Herr Wörndl, Sie waren der letzte Slalom-Weltmeister.

Wörndl (lacht): Tja, das könnte im nächsten Jahr folgen. Aber das wäre vollkommen in Ordnung. Zum Glück haben wir nun auf jeden Fall einen neuen Weltcupsieger im Riesenslalom, das wurde auch Zeit. Felix hat diese peinliche Scharte nun endlich ausgewetzt.

Interview: Mathias Müller

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