Biathlontrainer

Pichler im tz-Interview: "Ich kam mir vor wie im Krimi"

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Wolfgang Pichler.

Ruhpolding - Im tz-Interview spricht Biathlontrainer Wolfgang Pichler über seinen Gewichtsverlust, seine Erfahrungen als Damentrainer in Russland und erklärt, warum die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio sein neues Ziel sind.

"Ein Interview? Klar, können wir gerne machen“, sagt Wolfgang Pichler der tz beim Treffen in Ruhpolding und erzählt von seinem Gewichtsverlust, seinen Erfahrungen als Damentrainer in Russland und warum die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio sein neues Ziel sind.

Herr Pichler, Sie tragen das Outfit der Schweden.

Pichler: Ich bin Mentor, berate den Verband und suche nach Langläuferinnen, die Potenzial für das Biathlon haben. In Schweden braucht es einen Neuaufbau. Aber mein Vertrag geht über 25 Tage im Jahr, auf das viele Reisen habe ich keine Lust mehr.

Gab es auch Kontakt zum Deutschen Skiverband?

Pichler: Nein, es hat mich gewundert, dass keiner gefragt hat, wie das in Russland war, ich könnte den ein oder anderen Tipp geben. Aber meine Meinung ist scheinbar nicht erwünscht.

Wie sehen Sie rückblickend Ihre Russland-Erfahrung?

Pichler: Die Olympischen Spiele im eigenen Land, das war hart. Da war Druck, richtiger Druck. Das war eine andere Welt. Ich kann die Brasilianer im Fußball verstehen, uns ging es in Sotschi ähnlich.

Meinen Sie politischen Druck?

Pichler: Es hat keiner gesagt, du musst, aber die Angst, dass es nicht funktioniert, war spürbar. 2010 in Vancouver war Russland in der Gesamtwertung 13., in Sotschi war die Top fünf das Ziel, dafür haben die Russen investiert. Als ausländischer Trainer bekommst du zusätzlich Gegenwind. Es mussten Medaillen her. Nach den 33 gewonnenen Medaillen waren alle zufrieden.

Hätten die Russen gerne mit Ihnen verlängert?

Pichler: Nein, das Projekt war auf drei Jahre angelegt, das ganze russische System wurde für die Spiele umgeworfen. Jeder Oligarch bekam eine Sportart zugeteilt, um die er sich kümmern musste. Unser Chef war Michail Prochorow, er ist mit rund 22 Milliarden Euro Vermögen die Nummer zwei in Russland. Mein Kontakt zu ihm war gut, wir haben oft telefoniert. Ich bin ihm offen gegenübergetreten und er mir. Er hat mir vertraut, wir hatten eine gute Chemie.

Sie konnten also nach Ihren Vorstellungen arbeiten?

Pichler: So einfach ist das in Russland nicht, das Ministerium hat alles bestimmt. Aber wir hatten jede Unterstützung.

Vor allem finanziell?

Pichler (schweigt lange und grinst verschmitzt): Es war eine andere Welt.

Eine Welt, die viel Kritik einstecken musste.

Pichler: Ich fand das nicht gerecht, es steht uns nicht zu, über andere Länder zu urteilen. Das große Land Russland hat auch ein Recht auf ein Skigebiet. In Sibieren kannst du keines machen, weil es so kalt ist. Bei uns ist von Ruhpolding bis zu den Pyrenäen an jedem Berg ein Lift, überall führt eine Straße rauf, dagegen verwehren wir uns nicht.

Das russische Sportsystem steht im Dopingfokus.

Pichler: Die Leichtathletik kann ich nicht beurteilen, im Biathlon haben sie sich um Aufklärungsarbeit bemüht. Aber was in diesem riesigen Reich passiert, das hast du nicht unter Kontrolle, systematisches Doping kann ich mir nicht vorstellen. Aber es braucht eine andere Einstellung. Manchmal kam ich mir vor, wie in einem Krimi.

Wie anstrengend war die Zeit in Russland? Sie haben einiges an Gewicht verloren.

Pichler: Ich hatte eine Knieoperation, in diesem Zuge hat meine Lebensgefährtin, die Krankenschwester ist, meinen Leberwert gesehen (Pichler schaut schuldbewusst). Daraufhin habe ich keinen Alkohol getrunken, trainiert wie die Sau und abends keine Kohlenhydrate gegessen. Und um zehn Uhr gab’s immer einen Kefir für die Darmbakterien, das haben ich bei den Russen gelernt. So habe ich in acht Wochen 22 Kilogramm abgenommen.

Und jetzt fühlen Sie sich besser?

Pichler (lacht): Nein, ehrlich gesagt nicht viel. Nur beim Sporteln, ich rudere viel, am 1. Februar starte ich bei der Deutschen Indoor Rudermeisterschaft. Mal abwarten, wo mich mein Weg hinführt. Hoffentlich auf jeden Fall zu den Sommerspielen 2016 in Rio. Ich trainiere die Segelmannschaft Tina Lutz und Susanne Beucke.

Segeln – kennen Sie sich da aus?

Pichler: Na, gar nicht. Ich habe überhaupt keine Ahnung vom Segeln, aber das macht nichts. Ursprünglich komme ich vom Tennis, aber wennst ein guter Trainer bist, kannst dich reindenken. Es geht hauptsächlich um das Konditionstraining.

Sie sind 59, an Ruhestand haben Sie nicht gedacht?

Pichler: Na, gar nichts tun ist ja total langweilig.

Interview: Mathias Müller

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