Er schlief in seiner Schwabinger Wohnung ein

Abi Ofarim (80†) verlor den Kampf - Freitag früh musste seine Kirsten ihn loslassen

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Abi Ofarim und seine Freundin Kirsten Schmidt im Jahr 2015.

Sein Leben – das war Erfolg und Reichtum, Glanz und Glamour: tz blickt zurück auf das Leben von Abi Ofarim, der am Freitag zu Hause auf seiner Lieblingscouch für immer seine Augen schloss.

München - „Mich aufgeben? Niemals! Ich habe meinen Kindern versprochen, zu leben!“ Abi Ofarims kämpferische Worte hat die tz-Kolumnistin noch genau im Ohr – an seinem 80. Geburtstag im Oktober; zu Hause auf seiner Lieblingscouch, erschöpft nach einem zehnmonatigen Martyrium mit Lungenentzündung, Koma und Herzklappen-OP. Seinen tapferen Kampf hat Abi jetzt endgültig verloren – Freitag, in den Morgenstunden, ist er in seiner Schwabinger Wohnung am Bonner Platz erschöpft eingeschlafen. Als seine Seele diese Welt verließ, war er nicht allein: seine Lebensgefährtin Kirsten Schmidt (53) und seine beiden Söhne Gil (35) und Tal (33) waren bei ihm, die Familie, die für Abi das größte Geschenk im Leben waren.

Abi Ofarim mit seinen Söhnen Gil (l) und Tal (r).

Sein Leben – das war Erfolg und Reichtum, Glanz und Glamour – aber auch Niederlagen und Enttäuschungen. Denn nach der Weltkarriere mit seiner ersten Frau ­Esther versuchte Ofarim, der 1937 in Israel geboren wurde, als Solo-Künstler an diese Erfolge anzuknüpfen. Doch das blieb ihm versagt.

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„Du kannst alles schaffen, wenn du wirklich willst“

Nicht aber das Glück in der Liebe – wie mit Schauspielerin Iris Berben: „Wir lebten aus dem Vollen, als würde das Geld nie ausgehen, unsere Liebe nie enden“, erinnerte er sich später in einem Interview. Auch Drogen spielten eine Rolle. Und die wurden ihm 1979 zum Verhängnis: Wegen Drogenbesitzes und Steuerhinterziehung wurde er verurteilt, musste vier Wochen nach Stadelheim. Ein Tiefpunkt in seinem Leben, den er in seinem Buch „Der Preis der wilden Jahre“ thematisierte.

Aber: Er zog einen Schlusstrich, ließ die Finger von Alkohol und Drogen – nur von den verdammten Zigaretten kam er jahrzehntelang nicht los. Erst seine spätere Lebensgefährtin Kirsten hat ihm die Kraft gegeben, auch davon die Finger zu lassen. „Du kannst alles schaffen, wenn du wirklich willst“, war sein Lebensmotto, wie er in seinem letzten tz-Interview gestand.

Abi Ofarim bei bei der Party "Wolfgang Fiereks's Freedom Tours" auf einer Harley-Davidson

Und sie schafften alles – in einer bescheidenen Wohnung in Schwabing, mit Abis Erfolgen als Musikproduzent, mit der Kraft der Liebe. Denn Kirsten Schmidt war immer für Abi da – vor allem, als er vor fünf Jahren die Idee hatte, für einsame Senioren einen Platz in München zu schaffen. Abi sah eine herzergreifende TV-Reportage über Menschen im Alter – und handelte sofort, suchte Räumlichkeiten, sammelte Spenden und scharte Unterstützer um sich – mit unglaublicher Energie. Keinen Moment zweifelte er an Wichtigkeit und Erfolg: „Kinder von Gestern“, wie er seinen Verein und das Café nannte, wurde ein Teil der Stadt – und schließlich zu Abis Vermächtnis.

Die heimtückische Krankheit bremste ihn aus

Erst die heimtückische Krankheit bremste ihn aus. Im Januar 2017 wurde Abi mit einer schweren Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert; steckte sich dort noch mit einer Influenza an. Schließlich drohten die Nieren zu versagen, Wasser bildete sich in der Lunge, die Herzklappen mussten behandelt werden.

Kirsten Schmidt war Tag und Nacht an seiner Seite, verhandelte mit den Ärzten, die ihr nicht nur einmal zu verstehen gaben, dass sie aufgeben wollten. Doch Abi kämpfte, ging in Reha, um im Herbst 2017 endlich wieder zu Hause zu sein. Schwach, aber mit einem unbändigen Lebenswillen. Und voller Dankbarkeit. Sein jüdischer Glaube half ihm. „Ich bete jeden Tag vor dem Schlafengehen.“ Am Freitag ist er nicht mehr aufgewacht.

Das israelische Gesangsduo Esther und Abi Ofarim in einer undatierten Aufnahme.

Mit Esther wurde er zum Weltstar

Mit zwölf besuchte er eine Ballettschule, mit 15 hatte er seinen ersten Bühnenauftritt, mit 18 sein eigenes Tanzstudio: Abraham Reichstadt, der Balletttänzer mit der Gitarre in der Hand war umtriebig, wollte hoch hinaus. Und das gelang ihm auch. Mit Esther Zaid an seiner Hand. Beide liebten die Musik, traten oft zusammen auf.

Ende der 1950er-Jahre kam der Durchbruch! Unter dem Künstlernamen Ofarim, dem hebräischen Wort für Rehkitz, ging die Karriere des Paares in Israel so richtig los. 1961 gewannen sie das Song-Festival in Tel Aviv – und heirateten im selben Jahr. Nach ihrem Erfolg beim Eurovision Song Contest 1963 in Großbritannien, bei dem Esther für die Schweiz mit dem Titel T’en Va Pas den zweiten Platz belegte, wurde das Paar auch international bekannt.

Abi arrangierte die Songs und begleitete Esther auf der Gitarre. Beide nahmen Schallplatten in mehreren Sprachen auf, wurden zu einem der erfolgreichsten Gesangsduos der 1960er-Jahre.

Ihren ersten Hit in Deutschland hatten sie 1966 mit Noch einen Tanz. Ein Jahr später folgte Morning of my Life. 1968 gelang der Durchbruch zur internationalen Spitze mit Cinderella Rockefella. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, 1969, trennt sich das Paar. Beide machen danach solo weiter.

Kinder von gestern: So lebt der Verein weiter 

Christian Ude

Er habe bereits vor Monaten „das Schlimmste befürchtet“, gesteht Christian Ude. Der Ex-Oberbürgermeister wusste um den fragilen Gesundheitszustand der Musiklegende gut Bescheid. Denn Abi Ofarim konnte Christian Ude schon vor Jahren für sein Herzensprojekt gewinnen, für seinen Verein Kinder von Gestern. In dem Tages­café an der Schleißheimer Straße 53 treffen sich täglich Senioren, um der Einsamkeit im Alter zu entfliehen. Spiele, Vorträge, Musik, Lesungen und praktische Lebenshilfe – mit den Kindern von Gestern hat Abi eine wichtige Lücke in München geschlossen. Kein Tag vergeht – selbst die Feiertage nicht – an denen das Café nicht rappelvoll ist. Doch der Verein braucht Geld und Personal. Als der ehemalige Schirmherr Erich Kaub 2016 aussteigt, übernimmt Ude den Posten: „Schirmherr heißt ja auch, dass man rechtzeitig einen Schirm aufspannt“, erklärt Ude im Gespräch mit der tz. Deshalb habe er sich – im Absprache mit Kirsten Schmidt – um öffentliche Gelder bemüht und ehrenamtliche Mitarbeiter angeworben. „Der Laden läuft“, versichtert Ude. Finanziell sei die Zukunft der Einrichtung gesichert. „Doch es fehlen das Herz und die gute Seele des Vereins“. Abi war in den letzten Monaten nicht einmal als „flüchtiger Gast anwesend“, so Ude. Und Freundin Kirsten Schmidt war voll und ganz mit Abis Pflege beschäftigt.

Kinder von Gestern brauche wieder Führungsköpfe, so Ude. „Ich kann mir eine Lösung vorstellen, indem man ein oder zwei Leute fest ins Team holt, die die Geschicke und Geschäfte des Vereins lenken. Dass auch ohne Abis kräftiges Zutun der Verein auf der sicheren Seite steht.“

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