tz-Interview mit den Rock-Legenden

AC/DC: Angus Young über Pläne, Üben und Malcolm

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Sänger Brian Johnson und Angus Young beim Konzert. Nächstes Jahr geht’s auf Welt-Tournee, auch München könnte mit dabei sein. Die Tournee gibt’s auf jeden Fall, auch wenn Phil Rudd nicht trommeln sollte. Der Verdacht, er habe einen Doppelmord in Auftrag gegeben, war immerhin nicht haltbar.

München - Angus Young (59), einer der E-Gitarrengötter seit den 70ern, und Bassist Cliff Williams (64) - auch schon wieder seit 37 Jahren mit von der Partie - stehen der tz Rede und Antwort.

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Beim tz-Interviewtermin in Düsseldorf: Bassist Cliff Williams (l.) und Gitarren-Legende Angus Young.

immer weiter. So in etwa das Motto von AC/DC, auch wenn dieser November-Tag des Interviews in Düsseldorf einer der schwärzesten in der Geschichte der australischen Hard-Rocker war, die seit 41 Jahren kein bisschen leise sind - und es schaffen, selbst im vorgerückten Alter nicht peinlich zu werden. Auch auf dem neuen Album Rock Or Bust nicht. Warum ein rabenschwarzer Tag? Zum einen, weil Rock Or Bust das erste Album ist, das ohne den Rhythmus-Gitarristen Malcolm Young (61) eingespielt wurde, der nach einem Schlaganfall an Demenz leidet. Und zum anderen, weil just am Tag des Interviews publik wurde, dass Drummer Phil Rudd (60) von der Polizei verhaftet wurde. Der Verdacht, einen Doppelmord in Auftrag gegeben zu haben, erwies sich mittlerweile als nicht haltbar. Dennoch: AC/DC hätten auch ohne Rudd die Welttournee 2015 gemacht, sagt die Band. Angus Young (59), einer der E-Gitarrengötter seit den 70ern, und Bassist Cliff Williams (64) - auch schon wieder seit 37 Jahren mit von der Partie - standen der tz Rede und Antwort.

Was ist stressiger: hintereinander 20-mal „You Shook Me All Night Long“ spielen oder 20 Interviews geben?

Angus Young: Eindeutig 20 Interviews! Wir sind schließlich Musiker, und das können wir am besten. Dafür sind wir da.

Wie schafft man das, dass Ihnen die Finger nie davonlaufen, obwohl Sie die Stücke auf Tournee permanent spielen?

Cliff Williams: Aber nur einmal am Abend …

Angus Young: Man darf sie einfach nicht lassen.

Und wie geht das?

Angus Young: Tief durchatmen, entspannen. Klar, manchmal ist man schon mal müde, aber dann muss man sich halt noch mehr konzentrieren.

Ein Klassik-Kollege hat Sie im Konzert gesehen und war baff: Das ist wie Kammermusik, sagt er – präzise wie ein gutes Streichquartett. Wie lange hat das gedauert, bis die AC/DC-Maschine richtig rundlief?

Cliff Williams: Das ist ein Prozess und ging über Jahre. Man wird immer besser.

Angus Young: Wir spielen halt immer. Wir gehören zusammen. Und wir wollen immer das Beste geben, das wir draufhaben. Das Zauberwort: üben, üben, üben. Einfach machen.

Bei Ihnen stand ja früh fest, was Sie wollen: E-Gitarre.

Angus Young: Ich habe ja mit der Akustischen angefangen, so ein altes, billiges Ding. Und dann schnell gemerkt: Es klappt (lacht).

Obwohl Ihr Bruder Malcolm nicht mehr mitspielen kann, gibt’s ein neues Album. Eine schwierige Entscheidung?

Angus Young: Wir wussten am Anfang tatsächlich nicht, wie es weitergeht. Aber dann entschieden wir uns: Es geht weiter. Wir fragten Stevie, der ja früher schon eingesprungen war, und er sagte ja. Er spielt den typischen Malcolm-Sound. Malcolm hatte noch einige Ideen für die Riffs, wir hatten genug Material angesammelt und auch noch viele weitere Ideen.

Man hat das Gefühl, dass die Rhythmus-Gitarre auf „Rock Or Bust“ besonders prominent ist, so nach dem Motto: Jetzt erst recht! Täuscht das?

Angus Young: Das können Sie schon so sehen. Wie gesagt: Stevie hat diesen Stil einfach drauf, ist hochkonzentriert.

Sänger Brian Johnson klingt nicht mehr so kraftvoll und überwältigend. Falls auch er mal aussteigen sollte: Würde es trotzdem weitergehen?

Angus Young: Das weiß niemand. Aber Brian will weitermachen und Teil der Band sein. Wenn er sich gut fühlt und er das genießt, was er tut – dann gibt es keinen Grund, sich darüber Gedanken zu machen.

Mr. Young: Wenn Sie auf der Bühne herumlaufen, schwitzend und ekstatisch, hat man nie das Gefühl, dass das nur leeres Gepose ist. Es scheint, Sie würden immer um Leben und Tod spielen …

Angus Young: So ist es auch. Ich will so spielen. Dass da auch komische Sachen rumkommen, ist klar. Die Gitarre, die Musik lassen mich so bewegen. Künstlerischer gesagt: Die Gitarre spielt dich selbst, du verschmilzt mit ihr. Das bringt dir Energie, manchmal kommen da echt bizarre Sachen raus. Malcolm hat mich gelehrt: Der Fokus muss immer die Gitarre sein. Darum geht’s. Konzentrier dich ganz auf sie. Und wenn man sich dann so bewegt, dass es gut aussieht, umso besser.

Die Band muss besonders diszipliniert sein, wenn Sie, Mr. Young, wieder mal … tja …

Angus Young: Wenn ich wieder mal den Planeten verlasse bei einem Solo? Ja, aber das haben wir alle im Blut und verinnerlicht.

Wie geht es Ihrem Bruder Malcolm?

Angus Young: Ich sehe ihn ab und zu, aber im Zentrum steht jetzt natürlich seine Familie, die ihn unterstützt. Es ist eine harte Zeit, aber er ist glücklich – so gut er es sein kann.

Und er bleibt der große Bruder, auch wenn Sie der Platzhirsch sind?

Angus Young: Ja. Ich habe viel von ihm gelernt. Während die älteren Brüder gesagt haben: „Halt’s Maul, Kleiner!“, hatte er immer ein offenes Ohr für mich. Wir waren immer glücklich mit unserer Musik.

Und er ist stolz auf seinen kleinen Bruder?

Angus Young: Ist er. Und das ist er auch immer gewesen.

Interview: Matthias Bieber

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