tz-Interview mit der Film-Legende

Alain Delon: Letzte Ruhe bei seinen Tieren

Alain Delon
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Alain Delon zieht die Tiere den Menschen vor.

Salzburg - Um Alain Delon (79) ist es ruhig geworden. Im tz-Interview spricht die französische Filmlegende über seine Liebe zu Tieren und warum er sie den Menschen vorzieht.

Galant mit Handkuss begrüßt Alain Delon (79) tz-Kolumnistin Ulrike Schmidt zum Interview und lässt seine eisblauen Augen blitzen. Die Augen, die Romy Schneider verführt haben und zahllose andere Frauen. Die Augen des eiskalten Engels, der nicht nur auf der Leinwand schaudern ließ. Der liebte, der verzehrte, der raubte, der killte, einer, der nichts im Leben ausließ – nichts Dunkles, nichts Glanzvolles und der dabei immer ein schöner Mann blieb. Eine Film-Ikone. Ein Liebling der Klatschpresse. Doch die eisblauen Augen sind etwas müde geworden. Das Alter. Die Menschen. Das Leben, das vor allem nur noch Legende ist. Er war mal Metzgergeselle in der Schweineschlachterei seines Stiefvaters; er war im Indochina-Krieg – und hat für Frankreich das Töten gelernt. Und er war und ist einer der größten Filmstars der Welt.

Delon hat sich weitgehend zurückgezogen. Auf sein Landgut in Douchy im Department Loiret, 130 Kilometer von Paris entfernt. Und jetzt blinzelt er très charmant die Journalistin an, holt ein Medaillon aus der Hosentasche und deutet auf das kleine Bild: Nein, keine neue Liebe, natürlich nicht. Eine rabenschwarze Katze. „Sie hat nur noch drei Beine.“ Delon hat sie gerettet – sie lag halbtot auf einem Parkplatz, sie wurde operiert und er hat sie aufgepäppelt.

Ob so viel Liebe je eine seiner Frauen abbekommen hat? Die gedachte Frage erübrigt sich, Monsieur Delon nimmt die Antwort vorweg: „Ich liebe die Tiere, aber nicht den Menschen.“

Warum? Weil sie treuer, wahrhaftiger sind…?

Alain Delon: Sie haben von allem mehr. Sie lieben Dich – egal, wer du bist. Sie denken nicht darüber nach. Das Traurige ist nur, dass sie viel zu schnell sterben. Ein Hund wird nur zwölf bis 15 Jahre alt.

Ich nehme an, dass sie kein Tier je vergessen haben…?

Delon: Nein. Deshalb – das ist jetzt nicht lustig, aber das ist mein Leben, habe ich auf meinem Anwesen einen Friedhof, auf dem 55 Hunde und Katzen ihre Gräber haben. In der Mitte habe ich eine Kirche gebaut, und dort soll meine Asche beigesetzt werden – auf meinem Landsitz, auf meinem Zuhause.

Ich hoffe, das hat noch Zeit…

Delon: Ach, das macht mir nichts aus, mit meinen toten Tieren zu sein. Mehr und mehr verachte ich die Menschen.

Wie viele Tiere leben denn jetzt noch mit Ihnen?

Delon: Sechs Hunde – zwei davon sind sehr krank; der eine hat Diabetes und ist blind; und dann noch die Katze, die ist auch blind. Mehr nicht, damit sie sich nicht gegenseitig stören; sie stehen am Ende ihres Lebens.

Traurig.

Delon: Das ist okay, das ist mein Leben – sie stehen über allem.

Es heißt, sie retten oft Tiere…

Delon: Ja, auch Pferde. Ich habe ein sehr großes Anwesen und sehr viel Platz. Manchmal rufen mich einfach Leute an und fragen, ob sie ein Tier bei mir unterbringen können, das getötet werden soll oder eines, das am Ende seines Lebens steht. Gerade erst bekam ich einen Anruf, morgen sollte eine Hündin getötet werden, wenn ich sie nicht nehmen würde. Aber das ist nichts Besonderes, es ist mein Leben.

Dann müssen Sie ja doch ein großes Herz haben…

Delon: Ich habe viel Platz.

Schnell noch was anderes: Heute ist ja die Eröffnung des Weihnachtsmarktes auf Gut Aiderbichl. Wie feiern Sie denn Weihnachten?

Delon: Gar nicht. Das existiert nur für meine Kinder. Vielleicht noch für die Tiere, wenn Sie so wollen, aber nicht für mich. Für mich ist es zu spät.

Und was ist mit Film?

Delon: Ach, darüber will ich gar nicht reden. Nur noch über Tiere… Ich bin selbst eines!

Und dann lacht er frei heraus. So düster Delons Gedanken, sein Charme und Witz blitzen im Laufe des Abends noch oft auf, und das Flirten hat er auch nicht aufgegeben…

Ulrike Schmidt

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