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80. Geburtstag: Alfred Biolek zieht Bilanz

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­Alfred Biolek
„Ich hatte wunderbare Zeiten im Fernsehen“, sagt ­Alfred Biolek, der am Donnerstag seinen 80. Geburtstag feiert © dpa

München - Am Donnerstag feiert TV-Moderator Alfred Biolek seinen 80. Geburtstag. In der tz blickt der Kochshow-Pionier, der heute nur noch Zwiebeln schnippelt, auf eine bewegte Zeit zurück:

Ein Unfall vor vier Jahren hat sein Leben verändert: Nach einem Essen bei Freunden stürzte Alfred Biolek auf der Treppe, schlug mit dem Kopf auf und fiel ins Koma. Familienmitglieder und Freunde kümmerten sich liebevoll um ihn und halfen dem Fernsehstar durch diese schwere Zeit. Am Donnerstag feiert Bio, der als einfühlsamer Talker TV-Geschichte schrieb, seinen 80. Geburtstag. In der tz blickt der Kochshow-Pionier, der heute nur noch Zwiebeln schnippelt, auf eine bewegte Zeit zurück:

Herr Biolek, wie werden Sie Ihren ­Geburtstag am Donnerstag feiern?

Alfred Biolek: Ich habe gute Freunde zu einem Fest in ein Kölner Lokal eingeladen.

Am selben Abend sendet das WDR-Fernsehen von 22 Uhr an „Die große Alfred Biolek Nacht“. Werden Sie zusehen?

Biolek: Ich stelle mir das am ehesten so vor: Wir wollen gute Gespräche führen und gut essen, und Die große Biolek-Nacht läuft dann als Untermalung nebenher. (lächelt)

Ist das Alter tatsächlich nichts für Feiglinge, wie es Joachim Fuchsberger sagt?

Biolek: Ist das ­Alter nichts für Feiglinge? Ich bin kein Feigling! Für mich persönlich ist das ­Alter völlig okay, solange ich nicht kaputt bin, sondern noch einigermaßen fit, noch einiger­maßen in der Lage, etwas Gutes daraus zu machen. Ich habe nichts gegen das Alter!

Im Laufe der Jahre haben Sie nahezu alles an nationaler und internationaler Prominenz in Ihren Sendungen zu Gast gehabt. Gibt es eine Person, die Sie nie bekommen haben?

Biolek: Ich war immer ein sehr großer Fan des Dirigenten und Komponisten Leonard Bernstein – ihn wollte ich wahnsinnig gerne einmal in einer meiner Sendungen ­begrüßen. Nach einem seiner Konzerte in Wien habe ich ihm erzählt, dass ich eine Talkshow im deutschen Fernsehen mache. Und dann habe ich mich getraut, ihn zu fragen, ob er denn nicht mal als Gast zu mir in die Sendung kommen würde. Bernstein hat gesagt, er würde gerne kommen, aber nicht, wenn er dafür irgendwo hinfahren müsse. Leider konnte ich den Sender aber nicht davon überzeugen, für so eine Sendung mit Team und Technik nach Wien zu reisen. Heute kann ich sagen, Bernstein ist der einzige Prominente, bei dem ich es versucht habe und es nicht geklappt hat. Alle anderen, die ich wollte, habe ich auch ­bekommen.

Wie ist Ihnen das gelungen? Verraten Sie uns Ihr Geheinis.

Biolek: Kein Geheimnis! Wir haben sie einfach gefragt, und mein Image war eben so, dass die Leute wussten, wenn sie bei mir zusagen, dann werden sie nicht attackiert. Ich habe keine Interviews gemacht, sondern Gespräche geführt. Das ist ein sehr großer Unterschied.

Sie haben sechs Jahre lang „Mensch, Meier“ präsentiert, zwölf Jahre lang „Boulevard Bio“ und genauso lange Ihre Kochshow „alfredissimo“. Vermissen Sie in Sachen Fernsehen heute nichts?

Biolek: Nein. Da gibt es einfach so einen Punkt, an dem man das Gefühl hat, jetzt ist Schluss – und dann macht man auch wirklich Schluss.

Wie sieht ein gelungener Tag in Ihrem Leben aus?

Biolek: Ich schlafe bis halb neun, mache mir mein Frühstück und lese bis mittags die Zeitungen. Dann kaufe ich ein, koche und treffe mich mit Freunden und wir reden. Ich genieße das Leben mit meinen Freunden, in meiner Stadt Köln und gebe mich gern und mit Vorliebe jeder Art von Genuss hin.

Wenn Sie auf Ihr Leben schauen, mit Kindheit und Vertreibung aus der ­Tschechoslowakei– erfüllt Sie die Vergangenheit dann manchmal mit Wehmut?

Biolek: Ach, ich habe ein so interessantes Leben hier in Deutschland geführt, seit ich hier bin, früher als Schüler, auch als Student. Und dann die ganzen Sendungen, die ich im Fernsehen machen durfte. All das hat für mich einen gewissen Frieden zu meiner Kindheit geschaffen, das hat mich versöhnt. Ich bin deshalb weder bedrückt, noch denke ich, oh Gott, was war damals? Ich denke einfach an die schöne Zeit, die ich hier erlebt habe.

Sie waren nicht nur Moderator, sondern auch Produzent vieler Fernsehsendungen – wenn Sie heute auf die TV-Landschaft schauen, was fehlt Ihnen da?

Biolek: Ich werde oft gefragt, was ich vom Fernsehen heute halte. Dann sage ich immer nur: Es ist anders! Ich sage niemals, dass es schlechter ist, nur völlig anders. Und es ist überhaupt nicht mehr nach meinem Geschmack. Wenn ich heute jung wäre, ich würde ins Kino gehen oder ins Theater, aber ich würde mich sicherlich nicht mehr fürs Fernsehen entscheiden.

Wolfgang Wittenburg

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