Der musikalische Überflieger

Andreas Gabalier: Alles über den Volks-Rock‘n‘Roller

Der österreichische Musiker Andreas Gabalier steht während des Auftakts zu seiner Stadiontournee in der Commerzbank-Arena auf der Bühne
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Andreas Gabalier: Volksmusikant, Chartstürmer und begehrter Junggeselle

Andreas Gabalier begeistert mit seinem Mix aus Volksmusik und Rock ein Millionenpublikum. Doch der Sänger und Entertainer ist alles andere als unumstritten. 

  • Andreas Gabalier startete seine Turbokarriere 2009 beim ,Musikantenstadl‘. Mit ,I sing‘ a Liad für di‘ landete er in Deutschland seinen ersten Megahit.
  • Der Volks-Rock’n’Roller hat sechs Nummer-Eins-Alben veröffentlicht und zahlreiche Hits gelandet, sorgt aber mit seinen politischen Aussagen regelmäßig für Kontroversen.
  • Privat ist Andreas Gabalier seit der Trennung von der österreichischen Moderatorin Silvia Schneider offiziell Single.      

Andreas Gabalier ist mit ganzem Herzen Steirer, doch geboren wurde der Volks-Rock’n’Roller am 21. November 1984 in Friesach, Kärnten. Schon sein Start ins Leben war turbulent: Seine Mutter Huberta brachte ihn auf einer Autofahrt auf der B317 zur Welt! Andreas Gabalier wuchs als zweitältestes von vier Kindern in Graz auf. Die Wochenenden verbrachte er bei seinen Großeltern auf dem Land mit Traktor fahren und Kühe melken. Seinen klingenden verdankt der Sänger übrigens einem Vorfahren aus dem 18. Jahrhundert, einem französischen Soldaten, der während des Italienfeldzugs von Napoleon Bonaparte in Österreich seine Zelte aufschlug.  

Schon in seiner Jugend sang und performte Andreas gerne für seine Familie und Freunde. Doch beruflich schlug er erstmal einen konventionelleren Weg ein: Er absolvierte in Graz die Handelsakademie, schrieb sich an der Uni für Rechtswissenschaften ein. Nebenbei arbeitete er in einem Heimstudio an ersten eigenen Songs. 2008 schließlich brachte er zwei davon ins ORF-Studio Steiermark. Der Sender nahm sie in sein Radioprogramm auf, im Dezember desselben Jahres spielte Andreas Gabalier erste öffentliche Konzerte in seinem Heimat-Bundesland.

Andreas Gabalier: Durchbruch mit ,Musikantenstadl‘ und ,I sing‘ a Liad für di‘

Doch der eigentliche Startschuss für seine Turbokarriere fiel im darauffolgenden Jahr: Andreas Gabalier trat 2009 erstmals beim ,Musikantenstadl‘ auf, nahm im gleichen Jahr auch am ,Grand Prix der Volksmusik‘ teil. Sein ungewöhnlicher Mix aus Volksmusik mit Rockerelementen fand schnell sein Publikum. Andreas Gabaliers Debütalbum ,Da komm‘ ich her‘ kletterte bis auf Platz vier der österreichischen Charts und wurde für den Amadeus Music Award nominiert. Insgesamt hielt es sich 260 Wochen in der Hitparade und heimste fünf Mal Platin ein. 

Zwei Jahre später eroberte der Steirer auch Deutschland im Sturm: Nach seinem Auftritt bei Carmen Nebel wurde sein Titel ,I sing a Liad für di‘ so oft heruntergeladen, dass er auf Platz 65 der Charts landete, obwohl er in Deutschland eigentlich gar nicht als Single vorgesehen war. Am 29. Juli 2011 schließlich wurde der Song offiziell veröffentlicht, doch erst die Coverversion von DJ Ötzi und ein Auftritt beim ,Herbstfest der Volksmusik‘ am 16. Oktober 2011 bescherten Gabalier den erhofften Erfolg: Platz 30 in Deutschland und Platz neun in Österreich – in seiner Heimat hielt sich der Titel 132 Wochen in den Charts und ist damit der längst gelistete Song in der Geschichte der Hitparade. 

Andreas Gabaliers Charterfolge: Sechs Nummer Eins-Alben und zahlreiche Hits

Während Deutschland noch Gabaliers Debütalbum hörte, erreichte in Österreich am 2. September 2011 bereits der Nachfolger ,Herzwerk‘ die Spitze der Charts – 64 Wochen nach seiner ersten Listung. Im gleichen Jahr platzierte Andreas Gabalier mit ,Da kom‘ ich her‘, ,Herzwerk‘ und seinem dritten Werk ,Volks-Rock’n’Roller‘, mit dem er seinen Spitznamen kreierte, drei Alben gleichzeitig in den Top 10. In den österreichischen Jahrescharts erreichten die Alben Platz eins, drei und vier.

Auch die nächsten Jahre waren von Charterfolgen geprägt: Andreas Gabaliers viertes Album ,Home Sweet Home‘ (2013) landete in Österreich erneut an der Chartspitze, in der Schweiz auf Platz zwei und in Deutschland auf vier. Mit ,Mountain Man‘ (2015) und ,Vergiss mein nicht‘ (2018) schließlich schoss der österreichische Überflieger in allen drei Ländern auf Platz eins der Albumcharts. Seine größten Hits wie ,Sweet Little Rehlein‘, ,Amoi seg‘ ma uns wieder‘ und ,Volks-Rock’n’Roller‘ sind mittlerweile moderne volkstümliche Evergreens. 2020 veröffentlichte der Steirer sein erstes Weihnachtsalbum ,A Volks-Rock’n’Roll Christmas‘ (Platz eins in Österreich, drei in Deutschland) und präsentierte eine eigene Weihnachtsshow im ORF. Andreas Gabaliers Musik machte das volkstümliche Genre für die Jugend wieder populär. Sein Publikum ist deutlich jünger als jenes etwa des ,Musikantenstadl’ und großteils weiblich. Viele zappten bald nur dank ihm zu den einschlägigen TV-Shows.

Preise und Auszeichnungen: Vier Echos, ein Bambi und sieben Amadeus Awards

Auf die Charterfolge folgten zahlreiche Preise: Am 22. März 2012 gewann Andreas Gabalier mit dem Echo seinen ersten deutschen Musikpreis. Und es sollten noch viele Auszeichnungen mehr werden. Bis dato hat der Volks-Rock’n’Roller vier Echos eingeheimst, dazu kamen ein Bambi, sieben Amadeus Awards in Österreich, ein Deutscher Fernsehpreis (für seine Teilnahme an ,Sing meinen Song – Das Tauschkonzert‘ 2014) und zwei Auszeichnungen in ,Die Eins der Besten‘. Xavier Naidoo coverte Gabaliers Hit ,I sing‘ a Liad für di’ und holte damit Platz 18 der deutschen Charts, 2015 durfte Andreas Gablier als erster österreichischer Künstler bei ,MTV Unplugged‘ auftreten. 2019 veröffentlichte er mit Arnold Schwarzenegger den Titel ,Pump it Up‘.

Ebenfalls 2019 feierte der Sänger sein zehnjähriges Bühnenjubiläum mit einer ausverkauften Stadiontour durch Österreich und Deutschland. Highlight war das Abschlusskonzert im der bis zum letzten Platz besetzten Wiener Ernst-Happel-Stadion am 31. August 2019. 

Kontroversen: Andreas Gabaliers stetiger Flirt mit dem Rechtspopulismus

So erfolgreich Andreas Gabalier als Volks-Rock’n’Roller auch ist, ist der Sänger keineswegs unumstritten. Immer wieder werden seine politischen Ansichten und sein wenig fortschrittliches Rollendenken angeprangert. So sang er etwa am 22. Juni 2014 beim ,Großen Preis von Österreich‘ in Spielberg die österreichische Bundeshymne ohne die seit 2012 gesetzlich festgelegte geschlechterneutrale Zeile „Heimat großer Töchter und Söhne“– und forderte eine Rückkehr zum Ursprungstext („Heimat bist du großer Söhne“). Nach wochenlanger Diskussion meinte er in einem Interview: „Ich bin sehr für Frauenrechte. Aber dieser Gender-Wahnsinn muss wieder aufhören.“ Bei der Verleihung des Amadeus 2015 wiederum heimste er mit seinem homophoben Sager „Es ist nicht leicht auf dieser Welt, wenn man als Manderl heute noch auf ein Weiberl steht“ viel Kritik ein. Beifall kam hingegen von All-Springer Felix Baumgartner und der FPÖ

Als der Chef des Wiener Konzerthauses, Matthias Naske, 2017 in ,Die Presse‘ Gabaliers Nähe zur rechten Ecke andeutete, reichte dieser eine Klage wegen Ehrenbeleidigung ein, die jedoch abgewiesen wurde. Die ,Bild‘-Zeitung entfachte 2019 einen „Hakenkreuz-Streit um Gabalier“ und bezog sich auf das Cover von ,Volks-Rock’n’Roller‘, das nach Ansicht von Kritikern an das NS-Symbol erinnerte. Auch der geschäftsführende Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik in Freiburg, Michael Fischer, ortete in Gabaliers Texten im ,Spiegel‘ Anlehnungen an den Rechtspopulismus. Andreas Gabalier selbst bestreitet bis heute die Nähe zum rechten Rand.

Andreas Gabalier privat: Familiäre Schicksalsschläge und eine zerbrochene Liebe

Im Privatleben hatte Andreas Gabalier mehrere schwere Schicksalsschläge wegzustecken: 2006 beging sein Vater Wilhelm mit 53 Jahren Selbstmord. Als der Volks-Rock’n’Roller gerade einmal 21 Jahre alt war, übergoss er sich vor dem Haus der Familie mit Benzin und zündete sich selbst an. Wilhelm Gabalier starb an seinen schweren Verletzungen, Abschiedsbrief gab es keinen. Zwei Jahre später wiederholte sich das Drama – Andreas Gabaliers Schwester Elisabeth beging mit 19 Jahren auf dieselbe Weise Suizid. Die Ereignisse verarbeitete der Sänger in einem seiner größten Hits, ,Amoig seg‘ ma uns wieder‘. Dazu widmete er seiner Schwester den Bambi. Auch Gabaliers Mutter Hertha haderte jahrelang mit dem Doppelsuizid, ist jedoch seit 2016 mit dem Textil-Manager Gert Rücker, einem langjährigen Freund der Familie, wieder glücklich verheiratet. Andis Bruder Willi Gabalier wiederum machte als Profitänzer bei ,Let’s Dance‘ und ,Dancing Stars‘ Karriere.

Andreas Gabalier selbst, der in seiner Freizeit auf Bergstehen und schnelle Motorräder steht, galt jahrelang als unzähmbarer Junggeselle, bis ihm 2013 die österreichische Fernsehmoderatorin Silvia Schneider den Kopf verdrehte. Kennengelernt hatte sich das Powerpaar bei einem Interview. Obwohl beide beruflich voll im Leben standen und deshalb oft wochenlang getrennt waren, hielt die Liebe sechs Jahre lang stand. Gabalier und seine Freundin Silvia wohnten gemeinsam in einem Haus in der Steiermark, träumten öffentlich von Hochzeit und Kindern. Beide bezeichneten sich als absolute Familienmenschen. Gabalier-Mutter Huberta stellte Schneider bereits als ihre Schwiegertochter vor. Doch 2019 kam es zur Trennung. Laut Silvia Schneider sei die Beziehung an „unterschiedlichen Lebensentwürfen“ gescheitert. „Ich habe neben all meinen unglaublichen Erfolgen das Wichtigste im Leben vergessen. Es bricht mir das Herz!“, meinte Andreas Gabalier selbst in der ,Bild‘-Zeitung. Seit dem Liebesaus mit Silvia Schneider ist der Volks-Rock’n’Roller offiziell Single. Auch seine Ex geht erstmal solo durchs Leben.

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