Vor Auftritten im Herkulessaal

Batiashvili im tz-Interview: Nicht ohne Familie

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Lisa Batiashvili ist eine Ausnahme-Geigerin in jeder Hinsicht. Sie sagt: „Das Wichtigste ist, dass meine Kinder normal aufwachsen“.

München - Lisa Batiashvili tritt am Freitag und Samstag im Münchner Herkulessaal auf. Die tz sprach mit der Ausnahmeerscheinung im Klassikzirkus.

Batiashvili im Gespräch mit tz-Kulturredakteur Matthias Bieber.

Sie ist eine Ausnahme im Klassikzirkus. Weil Lisa Batiashvili, Jahrgang ’79, bei allem Können den Zirkus nicht mitmacht – sondern weil die Wahlmünchnerin klare Prioritäten setzt: Die Familie geht vor. Am Freitag und Samstag tritt die gebürtige Georgierin mit den BR-Symphonikern im Herkulessaal auf (s. unten). Das Interview:

Frau Batiashvili, Sie sind nach drei Jahren mit Ihrer Familie aus Frankreich nach München zurückgekehrt. Glücklich?

Lisa Batiashvili: Ja. Ich konnte es kaum erwarten, zurückzukommen. François (Leleux, Solo-Oboist der BR-Symphoniker und ihr Ehemann, d. Red.) hat eine große Familie und wollte mal in seiner Heimat leben. Er ist ja schon als Teenie weggegangen. Ich bin mit elf aus Georgien gekommen – und für uns beide ist München die Wahlheimat. Das Leben in Frankreich war schwieriger als hier.

Warum?

Batiashvili: Weil Talente nicht genug geschätzt und gefördert werden – es fehlt an Fachkräften im täglichen Leben. Die Betreuung für unsere beiden Kinder (heute 9 und 5, d. Red.) war gut, aber einen Arzt zu finden … Trotzdem: Es war eine gute Erfahrung, auch für unsere Kinder. Mit ihnen fahre ich auch jedes Jahr nach Georgien, oft für Wochen. Sie lernen Kulturen und Sprachen kennen, das finde ich heutzutage besonders wichtig.

Wichtiger als früher?

Batiashvili: Ja. Vielseitigkeit ist wichtiger denn je. Wir müssen uns mehr und mehr öffnen, die nächste Generation wird noch mehr Weltbürger, wird noch weniger an einen Ort gebunden sein. Ich finde es die wichtigste und schwierigste Aufgabe, meinen Kindern beizubringen, dass sie sich andererseits bewusst werden: Hier komme ich her.

Gehört zu diesen Wurzeln auch die Musik?

Batiashvili: Klar wachsen sie mit Musik auf, François und ich üben viel zu Hause. Aber ich habe nix dagegen, wenn sie später mal was ganz anderes machen. Mein höchstes Lebensziel ist, den Kindern einen möglichst normalen Alltag mit ihren Eltern zu ermöglichen, was bei Musikern sehr schwer ist. Aber wenn man es unbedingt erreichen will, dann geht das auch.

Haben Sie denn Ruhe zum Üben?

Batiashvili: Mein Problem war lange Jahre eher ein anderes: Ich mochte es nie, wenn mir Nachbarn zuhören. Musizieren ist etwas sehr Intimes. Ich bin früher immer in die Musikschule gegangen – da hatte ich das Gefühl, dass jeder dasselbe tut. Aber ich konnte das in den vergangenen Jahren überwinden …

Und wie ging das?

Batiashvili: Gute Frage. Keine Ahnung. Eines Tages hat es einfach klick gemacht. Vielleicht ist ein Grund, dass man nur durch die Erfahrung lernt, besser mit dem Beruf umzugehen: heute Konzert, Samstag und Sonntag Aufnahme: Das ist wie in einem Laboratorium, wie ein Chemiker, der alles zusammenmischt. Man darf nie vergessen, was man alles investiert hat, um diesen Beruf ausüben zu können. Musikerin werden war ein sehr langer Weg für mich. Es gibt Kollegen, die permanent auf Achse sind, überall Konzerte spielen – das wäre nix für mich. Das würde zur Routine. Mein künstlerisches Ideal werde ich nie erreichen, aber ich komme immer näher ran.

Da hilft es, mit einem Kollegen verheiratet zu sein, oder?

Batiashvili: Auf jeden Fall. François ist mein Mentor, wir sagen uns unsere Meinungen. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, nicht mit einem Musiker verheiratet zu sein.

M. Bieber

CDs und Konzerttickets

Auf Lisa Batiashvilis letzter CD hat sie unter Christian Thielemann und der Dresdner Staatskapelle u. a. Brahms’ Violinkonzert eingespielt (DG). Ab morgen steht sie im Aufnahmestudio fürs nächste Projekt, Werke von Bach (E-Dur-Violinkonzert, Doppelkonzert etc., erscheint im September).

Am Freitag und Samstag spielt sie im Herkulessaal (20 Uhr, Tel. 54 81 81 81) mit den BR-Symphonikern unter David Zinman Prokofjews 1. Violinkonzert, dazu erklingen Balakirew und Tschaikowskys Vierte.

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