Jubiläumskonzert als "Randprogramm" deklariert

BR spart - und streicht Spider Murphy Gang aus dem Programm

München - Der Bayerische Rundfunk wird das Jubiläumskonzert der Spider Murphy Gang weder live ausstrahlen, noch aufzeichnen. Es wurde in einer internen Besprechung sogar als "Randprogramm" bezeichnet.

Jedesmal, wenn Günther Sigl (69) vom Jubiläumskonzert seiner Spider Murphy Gang erzählt, grinst er schelmisch. „Das wird eine Supergaudi. Versprochen“, schwärmt der Sänger dann. Am 28. Oktober 2017 steigt die Fete zum 40. Band-Geburtstag in der Olympiahalle. Mit zig Gästen von Peter Schilling (60) bis zur Münchener Freiheit. Eigentlich dachten alle, dass das Bayerische Fernsehen das Konzert wie immer aufzeichnet und dann auch seinen Zuschauern ins Wohnzimmer bringt. Logisch, jeder mag doch die Spiders, oder? Naja – der BR anscheindend nicht mehr. Denn wie die tz erfuhr, will der Sender das Konzert nicht haben. Sparmaßnahmen!

Die Spider-Streichung: Am Mittwochabend gab es eine interne Besprechung bei dem Sender, wo das Konzert als „Randprogramm“ bezeichnet wurde. Heißt: Man kann es nicht um 20.15 Uhr senden. Zudem sei es zu teuer. Es ist kein Geheimnis, dass die Kassen beim BR leer sind. Allein seit 2010 hat der Sender mehr als 101 Millionen Euro Defizit angehäuft, wie aus dem Prüfbericht des Bayerischen Obersten Rechnungshofes hervorgeht. Dementsprechend gab Indendant Ulrich Wilhelm (54) in einem Interview Anfang März auch zu: „Am Programm wird auch gespart werden müssen.“ Daran führe kein Weg vorbei, nachdem schon bei der Technik und Verwaltung Kürzungen vorgenommen werden mussten.

Aber das Jubiläumskonzert der Spiders streichen? Die Band gehört mit ihren Hits wie Schickeria und Skandal im Sperrbezirk zum bayrischen Kulturgut. Jeder Bayer über dreißig wuchs mit den Liedern der Rocker auf. Dementsprechend war Sänger Günther Sigl auch wenig begeistert, als er von der Nachricht erfuhr. „Ich bin sehr enttäuscht und kann das nicht ganz nachvollziehen“, sagte der 69-Jährige der tz. Und auch der Manager der Band, Jürgen Thürnau, kann nur den Kopf schütteln. „Das ist nun das erste Mal, dass wir abgelehnt werden. Sehr traurig, denn hier geht es uns ja nicht ums Geld, sondern nur darum, dass dieses Jubiläumskonzert so viele Leute wie möglich sehen können.“ Der BR hätte der Band nämlich keine Gage oder Ähnliches für die Aufzeichnung zahlen müssen. „Gar nichts“, erklärt Thürnau. „Es ist nur üblich, dass wir die Rechte an der DVD haben. Wie immer.“

Ohrwurm oder Trash: Lieblings-Hits der 80er-Jahre

David Hasselhoff mit "Looking for Freedom" (1989): "Ich war als Kind ein absoluter Knight-Rider-Fan. Außerdem hab ich - dank Alpennähe - hauptsächlich ORF gesehen. So kommt's, dass die Serie und dieses Lied zu meinen Kindheitserinnerungen gehören. Man konnte damals übrigens bei "Wurlitzer" anrufen und sich ein Lied wünschen. Klein-Kathi hat das versucht und wollte sich "Looking for Freedom" wünschen - was zu hohen Telefonkosten und einer Menge Ärger geführt hat…" (kb) © dpa
"Axel F." von Harold Faltermeyer (1984): "Mein Lieblingshit hat nicht einmal Text, aber ein paar Töne genügen und man begibt sich auf eine Zeitreise in die 80er. Die Rede ist vom Titelsong der "Beverly Hills Cop"-Reihe. Das Lied "Axel F." ist nach der von Spaßvogel Eddie Murphy gespielten Hauptfigur Axel Foly benannt. Was viele vielleicht nicht wissen: Der Song wurde von einem Deutschen komponiert: Harold Faltermeyer. 2005 wurde der Song als "Crazy Frog" erfolgreich gecovert." (vh) © dapd
DÖF mit "Codo (Ich düse, düse im Sauseschritt)": Der Song lief immer an den Heimatabenden im ehemaligen Kunstpark am Ostbahnhof. In Kombination mit -zugegeben- reichlich alkoholischen Getränken war das jedes Mal ein kultiger Klassiker zum Mitgröhlen. Besonders markant und witzig ist dabei der Sprechteil ("Hässlich, ich bin so hässlich, ich bin der Hass") im Kontrast zum melodischen Refrain ("Und ich düse, düse, düse, düse im Sauseschritt")." ()Anm. d. Redaktion: Bei dem Quartett Deutsch-Österreichisches Feingefühl (DÖF) haben übrigens auch die beiden Schwestern Annette und Inga Humpe mitgemacht. © dapd
Modern Talking mit "You're my Heart, You're my Soul": "Das war jetzt nicht unbedingt mein Lieblingsong. Allerdings gab es damals auf ORF 1 am Samstagnachmittag die tolle Sendung "Wurlitzer", wo Leute anrufen und sich ihr Lieblingsmusikvideo wünschen konnten. Da es damals weder MTV noch VIVA gab, war "Wurlitzer" die einzige Quelle, wo man Muiskclips sehen konnte. Ich habe daher Samstags immer begeistert diese Sendung geguckt und da Modern Talking zu der Zeit ständig in den Charts waren und häufig von den Zuschauern gewünscht wurde, liefen die entsprechenden Clips sehr oft bei "Wurlitzer". Und irgendwann habe ich die Lieder dann nicht mehr aus den Ohren bekommen." (cnk) © dpa
Spliff mit "Carbonara" (1982): "Der Song hat gerockt, viel Spaß und Appetit gemacht auf Carbonara und anderes Zeug." (js) © dapd
Peter Schilling mit "Major Tom" (1983): "Ich war mir sicher, aus dem wird was. Tja, wurde halt doch nur ein One-Hit-Wonder." (hn) © dpa
Nicki mit "Wenn i mit dir tanz" (1986): "Als Kind war ich bei Konzerten und trug einen Fan-Pullover in der Schule. Man schert sich ja als Achtjähriger so wenig um Coolness." (al) © dpa
Tears for Fears mit "Shout": "Ich erinnere mich, wie ich mit meinem besten Kumpel zusammen versucht habe, den Text nachzusingen, obwohl wir gar kein Englisch konnten. Jahre später kam dann die Erleuchtung, was genau wir damals eigentlich zu singen versucht haben." (dh) © dapd
Sandra mit "Maria Magdalena" (1985): "Am liebsten hätte ich damals auch so lange Haare wie Sandra gehabt, doch ich musste als Kind immer eine praktische Kurzhaarfrisur tragen. Sieben Jahre alt war ich, als „Maria Magdalena“ von Sandra Ohrwurm wurde. Wenn ich mittags aus dem Kindergarten nach Hause kam, schaltete ich das Radio ein und hoffte auf mein Lieblingslied. Bis auf die Worte „Maria Magdalena“ konnte ich vom Text nichts mitsingen und auch meine Haare flogen beim Tanzen nicht hin und her. Egal, ich hatte trotzdem meinen Spaß." (lot) © dpa
Umberto Tozzi mit "Ti Amo": "Es war auf dem ersten Schulfasching und dann passierte es. Der Schwarm aller Mädchen meines Jahrgangs hatte mich zum Tanzen aufgefordert und zwar zum Schieber! Eng umschlungen wankten der Cowboy und ich als kleiner Muck verkleidet im Klassenraum. Über vier Minuten knatterte aus einem Kassettenrekorder "Ti Amo". Und vier Minuten können verdammt lang sein. Alle anderen glotzten und tuschelten darüber, ob das auch eng genug war." (ml) © dapd
Mixed Emotions mit "You want love": "Lief 1987 im Autoradio auf dem Weg zum Abschiedsspiel von Udo Lattek beim FC Bayern in Münchner Olympiastadion. Damals hatte Bayern das „Double“ aus Meisterschaft und Pokal geholt. Udo Lattek feierte im Stadion in Unterwäsche auf dem Rasen. Im Stadion lief übrigens "Resi, I hol di mit mei'm Traktor ab" von Wolfgang Fierek." (fro) © dpa

Der Sender bestätigte der tz die Streich-Aktion: „Der BR hat sich aus planerischen und finanziellen Überlegungen in diesem Jahr dagegen entschieden, das Jubiläumskonzert 40 Jahre Spider Murphy Gang programmlich zu berücksichtigen“, heißt es. Warum? Wegen der Rundfunkgebühr! „Die immer wieder gern zitierten Mehreinnahmen aus den Rundfunkbeiträgen stehen den Rundfunkanstalten nicht zur Verfügung, sondern müssen nach KEF-Vorgaben auf einem Sonderkonto zurückgelegt werden. Neben der Sperrung von Beitragsmehreinnahmen wurde zudem der Rundfunkbeitrag nach sechs Jahren ohne Beitragserhöhung im April 2015 auf 17,50 Euro gesenkt.“

Die Sparmaßnahmen seien eine direkte Folge. Heißt: Wir alle zahlen zu wenig, um gutes Programm zu verdienen. Der Sender betont: „Auch andere liebgewordene Formate wird der BR in Zukunft auf den Prüfstand stellen müssen.“ Was muss als nächstes dran glauben …?

Rubriklistenbild: © Hermsdorf

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