Neues Werk der "Blues Pills" draußen

Schweden-Rocker im tz-Interview: "Arbeit am Album ist wie Achterbahn"

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Zwei von vier Blue Pills: Elin Larsson und Dorian Sorriaux beim Interview-Termin.

München - Die Band "Blue Pills" veröffentlicht ein neues Album. Vorher stellen sich Sängerin Elin Larsson und Gitarrist Dorian Sorriaux zum Interview.

Die "Blues Pills" legen nach. Das erste Album der schwedischen Band kam auf Platz vier der hiesigen Charts. Am Freitag erscheint die zweite Platte, "Lady in Gold" mit der gleichnamigen Single. Das Erfolgsrezept ist geblieben: Bluesrock à la Seventies und darüber Elin Larssons einprägsame Stimme zwischen Janis Joplin und der deutschen Sängerin Inga Rumpf, die in den legendären Formationen Frumpy und Atlantis sang und die Frau Larsson auch als Inspirationsquelle nennt. Wir unterhielten uns mit der Sängerin und dem "Blues-Pills"-Gitarristen Dorian Sorriaux.

Wie kommt eine junge Schwedin zur Band Frumpy?

Elin Larsson: Ich war auf einer Musikschule, da begegnet man Freaks, die einen auf Bands bringen. Ein Studienkollege stellte mir die Band vor. Ebenso die Band Focus.

Dorian Sorriaux: Witzigerweise schrieb mir ein Verstärkerbauer aus Schweden, dass ihn unsere Musik an eine seiner Lieblingsbands erinnern würden, an Frumpy.

Die Band war in den 70ern recht erfolgreich.

Sorriaux: Ja, aber Inga Rumpf tritt noch heute auf.

Larsson: Ich habe ihr geschrieben. Ich wollte sie zu einer Show einladen. Aber ich habe leider keine Antwort bekommen.

Und wie kommt ein junger Franzose zu Bluesrock aus den Siebzigern?

Sorriaux: Ich stand schon auf alten Bluesrock, als ich vier Jahre alt war (lacht). Ich liebte ZZ Top.

Eure Band ist ein bunter Haufen aus Schweden, Franzosen und US-Amerikanern. Die Plattenfirma sitzt in Deutschland. Angefangen hat es aber bei einem Urlaub in den Staaten, oder?

Larsson: Ich wollte schon immer nach Kalifornien, und wie es der Zufall wollte, habe ich genau im richtigen Moment meinen Job verloren. Ich wurde gefeuert, und die Firma musste mir eine ziemliche Abfindung zahlen. Also hatte ich plötzlich genügend Geld. Ich habe meine Wohnung untervermietet, ein Flugticket gekauft und bin los.

Haben Sie sich beim alten Arbeitgeber bedankt, dass er Sie rausgeworfen hat?

Larsson: Nein, noch nicht (lacht). In Kalifornien habe ich dann irgendwo am Strand Zack Anderson und Cory Berry getroffen. Wir haben zusammen ein paar Lieder geschrieben. Zurück in Schweden haben wir dann Demos aufgenommen. Und Dorian schickte uns Gitarrensolos aus Frankreich.

Wie kommen Sie jetzt ins Bild?

Die Blues Pills beim Interview-Termin.

Sorriaux: Ich traf Zack und Cory 2011. Sie tourten mit einer anderen Band durch Europa, und meine damalige Band spielte im Vorprogramm. Wir blieben in Kontakt, und irgendwann einmal hörte ich die ersten Blues-Pills-Demos. Dann haben sie mich nach Schweden eingeladen.

Larsson: Dorian war da noch sehr jung, sechzehn. Wir mussten also auch seiner Mutter schreiben.

Sorriaux: Klar, ich war ja noch in der Schule, aber meine Eltern haben mich sehr unterstützt, und ich konnte die Schule von Schweden aus abschließen. Ich musste für die Prüfungen halt immer zurück nach Frankreich fliegen.

Schweden haben ein gutes Händchen für Melodien. Stammen die alle von Ihnen?

Larsson: Ja, das bin ich. Aber wir haben einen guten Produzenten, der mir durchaus sagt, wenn es Mist ist.

Eure "Lady in Gold" ist der Tod. Aber er wirkt als verführerische Frau wenig beängstigend …

Larsson: Das Lied geht ja auch darum, seine Ängste weiterziehen zu lassen und das zu tun, was man tun will.

Habt ihr einen großen Druck verspürt, weil das erste Album so erfolgreich war?

Larsson: Ja, wir hatten großen Druck. Deshalb hat es auch ein wenig länger gedauert. Es gab einen Moment, da konnte ich gar nichts schreiben. Eine totale Blockade. Mir gefiel nichts, ich war überkritisch. Die Arbeit am Album war ein wenig wie eine Achterbahn.

Bei so vielen Nationalitäten und Einflüssen: Wie läuft die Kommunikation innerhalb der Band, auf Englisch?

Larsson: Im Wesentlichen ja. Unsere Plattenfirma ist zwar in Deutschland, aber mein Deutsch ist noch nicht so gut.

Franzosen sind ja nicht unbedingt bekannt dafür, dass sie gerne in fremden Sprachen sprechen ...

Sorriaux: Allerdings. Und wenn Franzosen versuchen, auf Englisch zu singen, ist es immer so "Oh mein Gott!". Wir nennen das Joghurt, ein erfundenes Englisch (singt unverständlichen französisch klingenden englischen Text).

Und jetzt lernen Sie auch noch Deutsch?

Sorriaux: Halt! Ich bin noch dabei, Schwedisch zu lernen. Vielleicht ist dann Deutsch dran.

Interview: Antonio Seidemann

Bluesrock àla 70er

Ladys im alten Bluesrock gibt es einige - die in "Black" von Uriah Heep, und die in Led Zeppelins "Stairway To Heaven", die daran glaubt, dass alles, was glänzt, Gold ist. Mit beiden hat die "Lady In Gold" der Blues Pills nichts gemein, zumindest inhaltlich, musikalisch allerdings schon. Die Blues Pills sind tief verwurzelt im Sound der End-Sechziger und Siebziger. Im zweiten Album erweitern die schwedischen Retrorocker allerdings ihr Instrumentarium und auch die musikalische Bandbreite um psychedelische Klänge. Der Sound geht immer wieder in Richtung alte Fleetwood Mac (Dorian Sorriaux' Gitarre erinnert oft an Peter Green), Free und tatsächlich Frumpy, jene legendäre Hamburger Rockband, in der Inga Rumpf sang mit Jean-Jacques Kravetz am Keyboard, Carsten Bohn am Schlagzeug und Thomas Kretschmer an der Gitarre. Wer auf energiereichen Bluesrock à la Siebziger steht, ist hier richtig.

"Lady In Gold" erscheint bei Nuclear Blast.

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