Warum nix oft mehra is

Mit Bogner und München 7 auf a Weißwurscht

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Beim Wallner an der Großmarkthalle (v. li.): Regisseur Franz Xaver Bogner, Andreas Giebel, der in München 7 den Xaver Bartl gibt, und Florian Karlheim, der dort der Felix Kandler ist.

Minga - Die tz hat Andreas Giebel, ­Florian Karlheim und Felix Kandler in der Großmarkthalle troffa und mit eana übers Bairisch gratscht.

Als Polizist kummt ma immer z’spät – von Haus aus.

Wia von Haus aus?

Mia kumma immer erst dann, wenn’s scho vorbei is; wenn des wega was mia kemma, scho passiert is.

Ja, deswegen kumma ja. 

Ja – aber eben z’spät. ... Des war jetzt so a genereller Gedanke – allgemein und überhaupts.

Dieser Text stammt aus der tz-Ausgabe vom Freitag, 21.02.2014, die komplett auf Bairisch erscheint. Die Erklärung dazu lesen Sie hier, mehr Texte finden Sie auf dieser Übersichtsseite.

Ja, überhaupts san de zwoa ­Polizistn wahre Philosophen, wenn sie ihre Runden in ihrem Revier München 7 und ihrer Stadt drahn – der Xaver Bartl, der eigentlich der Andreas Giebel (55) is, und der ­Florian Karlheim (37) als Felix Kandler. ­Unter der Regie von Franz Xaver Bogner (65), der eana de Dialoge aa in den Mund legt. Jeds Drehbuach is auf Bairisch gschriebn. Wia scho bei seine Kultserien Irgendwie und Sowieso, Zur Freiheit, Café Meineid oder Der Kaiser von Schexing. Der Bogner is der Spezialist für Bairisch im Fernsehen. Und seine Figuren san ausm echtn Lebn wia de Gschichtn.

In München 7 redn der Giebel und der Karlheim wie eaner der Schnabel gwachsn is – in Laim und im Westend. Der oane redt mehra, der andere weniger. Wobei mit der Zeit die philosophischen Denkpausen der Polizisten immer länger wordn san.

De zwoa wern aa net unbedingt redseliger, wia ma se mitm Bogner zamm auf a paar Weißwürscht beim Wallner in der Großmarkthalle treffan. Da, wo in der Serie ­München 7 amoi der wilde Süden war und wo es jetz – für die tz – um das Wesen des Bairischen geht.

Denn da Giebel und da Karlheim beherrschen die doppelte Verneinung um des Nachdrucks willen („Gar neamad net“) perfekt, und se san Meister des bairischen Konjunktivs („I warad soweid“), der nicht nur a Nachricht, sondern gleichzeitig aa die Aufforderung enthält, endlich des z’doa, was o’gsagt war. Unschlagbar aber san de zwoa im Nix-Sogn, maulfaul wia se san, und weil so a Pause halt oft vui mehra sogt als vui Wörter.

Alles erdacht von eanam Erfinder, der überhaupt no gor nia was in Schriftdeutsch inszeniert hat. Warum eigentlich ned?

„Eigentlich“, antwortet der Bogner überraschenderweis auf ziemlich Schriftdeutsch, „war ich nach der Hochschule für Film und Fernsehen immer der felsenfesten Überzeugung, dass, wenn ich was mach, ich es nicht im Dialekt mach, weil des Bairische in der damaligen Zeit – Herrn Dietl ausgenommen – relativ hauruck- und trachtenmäßig besetzt war.“

Es beruht oiso mehr oder weniger auf am Zufall, dass der Bogner dann doch nia dialektfrei Fernseh gmacht hat: Er is nämlich bei der bairischen Mini-Serie Familie ­Meier vier Tag vor Drehbeginn für an andern Regisseur eingsprunga. „Und dieser Zufall dauert an bis heute“, sagt der Bogner. „Es ist das Bairische für mich a Sprache des Gefühls, und wenn Filme nicht was mit am Gefühl zu tun haben, dann kann ma sowieso an Roman stattdessen schreibm. Kurz gesagt: Ich fühl mich mit der baierischen Sprache in Filmen sehr wohl, so dass ich überhaupt nicht daran denk, dies zu ändern. Aus.“

Aber was lasst se denn im Bairischen anders und besser als im Schriftdeutschen sogn? „Eigentlich oiss. Des is einfach a Sprach, mit der ma aufgwachsen is. Es ham scho zig Leit immer wieder versuacht, des sogenannt typisch Bairische zu beschreiben. Des gelingt mir nicht, des versuch ich erst gar nicht und deshalb schreib ich’s, anstatt dass ich’s beschreib.“

Eine Wesenserklärung des Bairischen hält auch der Giebel für unmöglich: „Die Unterschiedlichkeit der Sprache, wenn ma de erklären wui, dann gehts scho wieder net, weil des scho wieda a Sprache is.“ Und wenn ma den Giebel und den Karlheim nach bairische Lieblingswörter fragt – kummt erst a mal a Pause. „Des is aa schwieirg, weil ja jeds Wort sei Berechtigung im richtigen Moment hat. Des kummt, weil’s da is.“

Pause. Brezn. No a Weißwurscht.

„Was i immer gern ghört hab, den Unterschied, ob ma des Wort fei in an Satz eibaut oder net. Fei is in am Satz a Unterstreichung: ,Des mog i net‘ hat a völlig andere Bedeutung als ,Des mog i fei net‘“, sagt der Giebel, und der Karlheim nickt.De zwoa verstenga se blind. Und se san froh, dass auf Bairisch spuin derfa.

Pause. Brezn. Schweigen.

Selbst de Türken aus Neuperlach redn in München 7 Bairisch. Der Ahmed – Ercan Karacayli – und der Nicht-Ahmed – Mikail ­Tufan. „A ganze Menge von jungen Türken spricht heut Bairisch“, weiß der Bogner. „Die ham des Schriftdeutsch einfach übersprungen und ham sich gleich der Gefühlssprache zugewandt.“ Des Bairisch-Türkisch in der Serie gfallt bsonders dem Karlheim: „I find des einfach ehrlich, wenn ma die Leut so sprechen lasst, wia ma behauptet, wo sie herkommen oder wie sie sind. Und der Franz Bogner behauptet nie was anderes.“

Vor allem mags der Bogner, wenn ihm de Schauspieler mit Texttreue entgegenkumma. „Und die höchste Form von Texttreue von uns Dreien ist eben, noch mehr wegzulassen als was ma sowieso scho weglassen ham. Des fördert des Spiel ungeheuer und die zwoa Figuren san mittlerweile so sehr mitanand vertraut, dass du deuten kannst, wo’s langgeht ohne dass des sagn muaßt.“

Womit ma wieder bei der Pause wären. Brezn. Weißwurscht. An Schluck Apfelsaftschorle. Weil der Bogner trinkt nix.

Der Giebel erzählt vom Viktualienmarkt, wo er mit zwoa andere beim Raucha gstandn is– alle drei im nicht-ausgsprochanan Entschluss, nicht miteinand reden zu wollen – höchste Ausprägung des Münchner Gefühls.

Und damit samma beim Mingara Grant, der sich liebevoll durch den Alltag zieht, erst recht an Feier- oder Faschingstagen. „Für mich is typisch müncherisch, dass es sehr, sehr lange gedauert hat, bis ma sich entschieden hat, den großen Faschingszug abzuschaffen, weil ja jeder gewusst hat, dass es eigentlich a Trauerzug ist. Die Münchner san mit versteinerter Miene dagstanden – und erst Stunden später, dahoam beim Kaffee, hams gfragt, ,Hast des gsegn?‘“

Doch da Mingara Grant – der funktioniert eigentlich nur an Ort und Stelle, wo er verstanden wird. Bayerische Gmiatlichkeit dagegen – aa in Shanghai. S’Hofbräuhaus, s’Bier, s‘Oktoberfest – oiss Exportschlager. In Übersee steht das Bayerische sogar fürs ganze Land, da is Bayern Deutschland und Deutschland Bayern. „Oiss andere hams ja in etwa so ähnlich aa. An Hafen hams aa irgendwo“, erklärt der Giebel das Globalisierungsphänomen des Bairischen, das so schwer zu erklären ist. „Wennsd des umfassend erklären wuist, iss in jedem Fall falsch!“ Der Bogner: „Es is halt immer irgendwo an der Grenze zum Surrealen und des lasst ma dann glei bleibn.“ Giebel: „Wobei die Liebe zum Surrealen ja aa Bairisch ist.“

Darauf einen Witz vom Giebel, der den bayerischen Hang zum Wunder erklärt. „Hockan a paar Bayern in der Wirtschaft, kummt a norddeutscher Tourist und sagt: ,Ja, das ist ja schön, da setz ich mich auch mal her, und bringens mir auch so a Moaß und so an Schwoansbraten.‘ Und er hert nimmer auf zum redn, und de zwoa andern hocka bloß da und sagn gar nix. Da kummt oaner von der Heilsarmee und bittet um eine milde Gabe. Der Preiß: ,Zehn Euro ist mir das wert.‘ Darauf de zwoa Bayern zum Sammler: ,Mia kehrn zamm!‘“

Pause. Brezn. No an Schluck. De Weißwürscht san weg, und immer no offen die Frage, was typisch Bairisch ist. „I woaß net“, sagt der Bogner. „Oiss was mir da ei’fallt, is z’wenig. Aber wenn etwas authentisch bairisch gmacht ist, ist es ein berauschendes Gefühl – auch für Nicht-Bayern. I find des angenehm, dass einem bei dem Versuch, zu beschreiben, was ma is, so wahnsinnig wenig ei’fallt. Des is a hohe Form von Anständigkeit.“ Pause. „Und es is halt vui einfacher, daß ma in der eigenen Heimatsprach echt und ehrlich ist.“

München 7 wird von zwei Münchnern gspuit – und des war Beginn der ganzen Gschicht. Der eine von der Mitte und der andere von der Peripherie, beide Lebenskünstler mit einer eigenen Sprach. Und wenn’s a ewigs Schweigen is ...

Ulrike Schmidt

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