Porträt des „Boss“

Bruce Springsteen feiert 70. Geburtstag: Ein gefürchteter Sturschädel

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Bruce Springsteen ist berühmt für seine epischen Konzerte.

Bruce Springsteen feiert heute seinen 70. Geburtstag – und bleibt hoffentlich, wie er ist: Ein gefürchteter Sturschädel.

Der 26. Mai 2013 in München ist grauenhaft. Es schüttet ununterbrochen wie aus Kübeln bei sehr frischen vier Grad. Als Bruce Springsteen an diesem Abend nach seinem Auftritt aus dem Olympiastadion gebracht wird, lehnt er sich kurz vor dem Ausgang noch einmal bis zu den Hüften aus dem fahrenden Auto, dass man es mit der Angst bekommen kann. Wild grinsend winkt er den berauschten Massen zu. Es ist leicht zu erkennen, wie genugtuend es für Springsteen ist, die Menschen trotz widriger Umstände wieder einmal begeistert zu hinterlassen.

Bruce Springsteen wird 70: Eine Art Lautsprecher für seine Anhänger

Diese kurze Sequenz erzählt viel über den Mann, den man seit Jahrzehnten nur den „Boss“ nennt. Dass er genauso lange die Stadien dieses Planeten füllt mit seinen sagenumwobenen epischen Konzerten und auch in Deutschland nach wie vor unangefochten der erfolgreichste englischsprachige Solokünstler ist, der seine neuen Platten immer ganz oben in den Hitlisten platziert, – all das hat mit dem Grund zu tun, aus dem sich Springsteen damals zu der halsbrecherischen Aktion im Olympiastadion hat hinreißen lassen: Der Mann brennt für das, was er tut. Und er kann nur leuchten, wenn er von der Energie seiner Fans gespeist wird.

Diese aufrichtige Hingabe an die Musik und das Publikum kann man eine Weile simulieren, aber wer das seit Jahrzehnten lebt und zwar Abend für Abend auf schier endlosen Tourneen, der meint es auch so. Und das spüren die Menschen. Springsteen ist für seine Anhänger nicht einfach ein Rockstar, er ist der Lautsprecher ihrer Befindlichkeiten, ihres Schmerzes, der Hoffnung und der Verzweiflung. Springsteens Talent, diese Emotionen musikalisch und textlich so in Form zu gießen, dass die Songs Menschen weltweit ansprechen und elektrisieren, macht seine große Qualität aus. Und es erklärt den Ausnahmestatus, den er genießt – auch und gerade unter Kollegen.

"Western Stars" (OV): Trailer zur Bruce-Springsteen-Dokumentation

Bruce Springsteen

selbst, singender Held der Arbeiterklasse, weiß aber auch, dass er seinen Traum nur leben kann, weil es Menschen gibt, die seine Platten und Konzerttickets kaufen. Allein von „Born in the USA“ hat er seit 1984 mehr als 20 Millionen Exemplare verkauft. Deswegen wackelt er auch schon mal spätnachts nach einem aufreibenden Konzert – ohne Bodyguards – aus seinem Hotel, um einer Handvoll standhafter Fans vor der Tür die Hand zu schütteln. Der „Boss“ ist so besonders, gerade weil er es nicht sein will. Und weil er dankbar ist.

Der Rock’n’Roll ist seine Fahrkarte aus der Tristesse der grauen Vorstadt. In New Jersey als Sohn eines irischstämmigen, also schlecht gelaunten Gelegenheitsarbeiters und einer italienischen Frohnatur aufgewachsen, ist Rockmusik für den Burschen eine Offenbarung: Es gibt ein Leben außerhalb von Fabrikhallen und Besäufnissen in Provinzbars. Es gibt eine Möglichkeit, sich auszudrücken und in Kontakt zu treten mit der Welt da draußen.

Zuhause kommt diese Begeisterung für die Musik beim Vater ganz mies an, aber zwischen dem Senior und dem Erstgeborenen rumpelt es ohnehin oft gewaltig – man weiß das, weil Springsteen es in unzähligen Liedern immer wieder aufgearbeitet hat. „Man erweist seinen Eltern die größte Ehre, wenn man ihre guten Eigenschaften weiterträgt und den Rest vergisst. Denn der Rest ist das, was sie ein Leben lang runtergezogen hat“, sagt Springsteen einmal. Was beweist, dass er oft und viel über seine Eltern, seine Herkunft und sich selbst nachdenkt. Seit Anfang der Achtzigerjahre auch mit professioneller Hilfe. Springsteen neigt, wie er in seiner Autobiografie einräumt, zu Depressionen.

Bruce Springsteen feiert 70. Geburtstag: Der „Boss“ ist ein gefürchteter Sturschädel

Gleichzeitig ist er ein überdrehter Teenager geblieben, der sich nicht vereinnahmen lassen will vom Geschäft. Werbung macht er nicht, und er gibt seine Musik auch nicht dafür her. Sein Manager Jon Landau, seit über 40 Jahren duldsam an seiner Seite, fischt immer mal wieder Lieder, die dem „Boss“ zu hitparadenverdächtig klingen, aus dem Papierkorb und veröffentlicht sie. Das gibt regelmäßig Krach – und nicht immer setzt sich der Manager durch.

Springsteen on Broadway On Netflix

Springsteen ist ein gefürchteter Sturkopf, der manchmal tagelang immer wieder denselben Song einspielen lässt, bis er zufrieden ist. Seine ergebene Begleitgruppe, die E-Street Band, kennt das Spiel. Der „Boss“ macht es sich und anderen nicht leicht, weil er es – trotz des Willens zum Entertainment – sehr ernst meint. Er will seine Zuhörer erreichen, er will Musik machen, zu der er stehen kann. Zu unserem Glück.

Heute wird Springsteen, Erfinder unsterblicher Hymnen und Verfasser manchmal verstörender, manchmal berauschender, aber immer zeitloser Zeilen 70 Jahre alt. Und er bleibt der „Boss“. Das ist auch sehr gut so, denn: Wir brauchen ihn.

Zoran Gojic

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