tz-Interview mit dem Kabarettisten

Bruno Jonas wird 60: "Ich finde es lustig"

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Bruno Jonas wird 60 Jahre alt

München - Bruno Jonas, Kabarettist, Autor und Schauspieler, wird 60 Jahre jung. Im großen tz-Interview spricht der Passauer über das Altern und erklärt, was er daran lustig findet.

"Fahr zua!", ist Bruno Jonas’ Schlachtruf als deutlich hektischer Autofahrer im Radio Bayern 3. Da steckt schon eine Menge drin des unglaublich umtriebigen und blitzgescheiten Niederbayern. An diesem Montag wird Bruno Jonas, Kabarettist, Autor und Schauspieler, 60 Jahre jung. "Schei­ben­wischer"-Autor, Bruder Barnabas auf dem Nockherberg – dem klassischen politischen Kabarett ist Jonas immer treu geblieben. Sein erstes Programm kam 1975 in seiner Geburtsstadt Passau heraus. Jonas übers Altern, Humor, weniger Bühne und mehr Bücher:

Herr Jonas, Sie werden 60. Finden Sie das lustig?

Bruno Jonas: Ich finde es lustig, wie damit umgegangen wird. Die Fragen, die einem gestellt werden, erstaunen mich. So in der Richtung, ob man noch Ziele hat im Leben, da hast du manchmal den Eindruck, da wird jetzt schon der erste Nachruf auf dich fabriziert. Als ob man jetzt eine Ziellinie überschreitet und noch schnell irgendwelche Weisheiten von sich geben müsste.

Sie wurden schon zu Ihrem 50. gefragt, wie es sich anfühle, alt zu werden. Sie sagten darauf, es sei ein Sch… gefühl.

Jonas: Was die Fragen angeht, war der 50. schon ein kleines Training für jetzt. Vermutlich herrscht in unserer Gesellschaft eine große Unsicherheit, was es bedeutet, ein gewisses Alter zu erreichen. Der amerikanische Schriftsteller Philipp Roth hat einmal gesagt: „Das Alter ist ein Massaker.“

Bleibt nur zu klären, wann das Alter beginnt.

Jonas: Ich denke, am Tag der Geburt. Wenn nicht schon vorher, beim Verschmelzen von Ei und Samenzelle.

Ist Humor eine Frage des Alters?

Jonas: Der Humor ist grundsätzlich zeitlos. Ein Fundament, von dem man aus die Welt betrachten kann. Eine Grundstimmung, die man schon in sehr jungen Jahren aktivieren kann. Die aber noch mehr aktiviert wird, wenn im zunehmenden Alter die Gelassenheit dazukommt, sich nicht mehr über alles aufzuregen.

Bei Ihrem ersten Programm „Die Himmelskonferenz“ 1975 in Passau war die Aufregung groß, weil darin die Muttergottes zum zweiten Mal schwanger war. Würden Sie heute in Ihrem Alter auch noch Witze über Religion machen?

Jonas: Grundsätzlich Ja. Religion ist eine Möglichkeit, auf die Welt humorvoll zu reagieren. Allein das Alte Testament ist sehr humorvoll. Nehmen Sie die Sache mit der Arche. Das Schiff ist fertig, alle Tiere sind drauf, Noah hat schon geschlossen, da geht der liebe Gott noch einmal ums Schiff und schaut, dass alles dicht ist. Auch im Judentum gehört der Humor zur Religion. Der Punkt ist nur, wenn ich als Künstler Religion thematisiere, muss ich immer vorher wissen: Verstehen die Leute, was ich meine? Können Sie angemessen damit umgehen?

Da sind wir schnell bei den Mohammed-Karikaturen.

Jonas: Richtig. Wenn von vornherein darauf spekuliert wird, dass in der muslimischen Welt Empörung entsteht, ist das nicht komisch. Kennen Sie "Das Leben des Brian"?

Natürlich. Die Monty-Python-Satire um den Doppelgänger von Jesus.

Jonas: Der Film war von 1979. Ich habe neulich ein Interview mit Eric Idle von den Pythons gelesen. Er sagte, heute würden sie den Film nicht mehr machen. Aus Sorge, dass er in der jetzigen Zeit bei den Christen nicht so verstanden wird, wie er beabsichtigt ist. Und das aus dem Munde eines Engländers, wo der englische Humor hat ja noch eine ganz andere Tradition hat als der deutsche!

Finden Sie den deutschen Humor lustig?

Jonas: Wir Deutschen kommen uns zumindest wahnsinnig komisch vor. Letzten Sonntag habe ich den "Tatort" aus Münster gesehen. "Tatort" war mal ein Krimi. Jetzt muss der auch noch komisch sein. Wie alles. Ständig wird überall noch ein Ausrufezeichen gesetzt, Achtung, wir sind auch noch witzig. Da sag ich: Ja, geht’s noch? Kann man nicht einmal wieder ganz ernsthaft einen Sachverhalt präsentiert bekommen? Ich habe das Gefühl, es gibt eine komplette Ironisierung der Öffentlichkeit.

Und damit auch eine immer größere Oberflächlichkeit, in der die Comedy das alte politische Kabarett verdrängt?

Jonas: Im Kabarett muss ich bei den Zuschauern eine gewisse Sprachfertigkeit voraussetzen, damit sie auch verstehen, was gemeint ist. Ich habe jedoch das Gefühl, dass diese Sprachfähigkeiten immer mehr verloren gehen.

Wer ist denn für Sie ein guter Kabarettist?

Jonas: Gerhard Polt. Frank Markus Barwasser. Dieter Nuhr.

Haben Sie Ottfried Fischers letzten „Schlachthof“ gesehen?

Jonas: Leider nicht. Da war ich selber gerade auf der Bühne. Der Ottfried ist eine sehr starke Persönlichkeit. Ein hochintelligenter Mensch, der sich vielleicht wegen seiner Schauspiel-Karriere als "Bulle von Tölz" zu wenig Zeit für das Kabarett genommen hat. Ich finde es bewundernswert, wie er seine Krankheit trägt, ich kann ihm nur alle mögliche Kraft und Energie wünschen.

Angenommen, das Bayerische Fernsehen würde bei Ihnen anfragen: Würden Sie „Brunos Schlachthof“ machen?

Jonas: Nein.

Weil?

Jonas: Weil das nach dem Ottfried eh kein anderer mehr machen kann. Und weil ich anderes vorhabe. Ich habe ein Buch geschrieben mit Erzählungen, das hat mir großen Spaß gemacht. Ich werde weiter meine Glossen für den Bayerischen Rundfunk haben als Claus E. Rosstäuscher, dazu ein Drehbuch schreiben.

Das klingt, als würden Sie Ihre Bühnenpräsenz reduzieren?

Jonas: Zumindest möchte ich mehr Zeit als Autor verbringen. Vor die Kamera mag ich nicht mehr so viel. Ich habe das Gefühl, wenn ich schreibe, ist das gescheiter.

Was wünschen Sie sich zum 60., welchen Traum würden Sie sich gern erfüllen?

Jonas: Eine schöne Reise. Zu den Niagarafällen. Da war ich noch nie. Oder zum Südpol. Ich mag die Kälteregionen. Wir waren schon sehr oft in Italien, ich liebe das Land, aber im Sommer ist es mir immer viel zu heiß. Da steh ich lieber auf einem Berg. Ganz oben im Wind. Ich bin gern da, wo’s pfeift.

Interview: Florian Kinast

Kollegen gratulieren in der tz

Schön war’s!

Ich wünsche Dir ein gesundes und gutes Weiterleben. Ansonsten kann ich nicht viel sagen, weil unsere Verbindung nicht mehr so eng ist, wie sie einmal war – und erinnere mich gerne an unsere guten Tage.

Dieter Hildebrandt

Nütz die Zeit!

Lieber Bruno! Weil wir beide wissen, dass Älterwerden die einzige Möglichkeit ist, länger zu leben, werden wir sie so gut es geht nutzen und uns hoffentlich bald mal wieder über den Weg laufen! Herzlichen Glückwunsch!

Andreas Giebel

Nicht tragisch

Lieber Bruno! Nimm’s nicht so tragisch. Auch wenn die Prostata langsam größer wird wie das Ego – auch dieser Umstand ist zu bewältigen. Vor allen Dingen bei einem Mann mit so viel Humor und Hirn. Und wenn’s wirklich nicht besser wird: Häng dich horizontal einfach mal wieder richtig rein. Das hilft in allen Lebenslagen. Ich wünsche Dir nur das Beste!

Eisi Gulp

Tipps

Lieber Bruno, ich hatte vor ein paar Tagen Geburtstag – ich weiß also, wie sich das anfühlt. Meine Tipps vom 56-Jährigen: heute einfach im Bett liegenbleiben und sich mit jeder Menge Alkohol betäuben.

Günter Grünwald

Kleine Stiche

Lieber Bruno, Du bist schon ein junggebliebener 60er! Ist das eine Strafe, wenn man noch 30 Jahre Erfolg und Kreativität wünscht? Behalte Deine lausbübische Art, diese so gut vorbereiteten, kleinen Stiche. Alles Gute zum Geburtstag!

Michael Lerchenberg

Alles Gute!

Ich wünsche Dir alles Gute zum 60., 60 weitere erfolgreiche Jahre – und dass Du mit Deinen „Klugscheißern“ möglichst bald in die ARD kommst. Dann hätten wir im BR wieder mehr Platz …

Helmut Schleich

Umfrage: Matthias Bieber

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