Carolin Kebekus im Interview

„Ich mag mir gar nicht ausmalen, was das mit Mädchen und Frauen macht“

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Carolin Kebekus spricht über ihre Anfänge und ihre Kritiker. Aufgewachsen ist sie in einem Viertel mit einem hohen Migrantenanteil.

Die Komikerin und Kabarettistin spricht im Interview über ihren umstrittenen Stil, den Schönheitswahn, ihre Anfänge sowie politisches Kabarett und dessen Auswirkungen.

München - Schon als Jugendliche war sie mit ihren Witzen der Mittelpunkt bei Partys, doch auf eine Bühne hätte sie sich damit nie getraut, hätte es nicht „Leute gegeben, die mich ziehen und schubsen“, wie sie es formuliert. Längst gehört Carolin Kebekus zu den ganz Großen der deutschen Comedy- und Kabarettszene, füllt mit ihren Soloprogrammen wie zuletzt „Alpha Pussy“ die Hallen, hat ihre eigene Fernsehshow im Ersten und gehört zum Ensemble der „heute show“ im ZDF. Auch bei RTL ist die 38-Jährige gefragt. Dort moderiert sie regelmäßig die Verleihung des  Deutschen Comedypreises.

Sie sind bereits fünf Mal in Folge zur besten Komikerin gewählt worden. Wie fühlen Sie sich als witzigste Frau Deutschlands?

Carolin Kebekus: Gut! Aber ich muss Sie korrigieren! Die Kategorien männlich und weiblich sind ja zusammengelegt worden, und vergangenes Jahr habe ich den Preis auch gegen die Männer gewonnen. Ich bin also nicht nur die witzigste Frau, sondern der witzigste Mensch Deutschlands. (Lacht.) Im Ernst – natürlich fühlt man sich geschmeichelt, aber das Attribut „Witzigste Frau“ klingt für mich immer ein bisschen nach: Gibt halt gerade keine andere. Der männliche Humor hat ja bekanntlich ganz viele Facetten, der weibliche nur eine, nämlich weiblich zu sein.

Dafür ist die Zahl erfolgreicher Komikerinnen und Kabarettistinnen in den vergangenen Jahren aber stark gestiegen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Kebekus: Ich glaube, das ist eine Entwicklung, die sich verselbstständigt hat. Junge Frauen brauchen Verbündete, Vorbilder, die sie mitnehmen oder ihnen vorleben, wie es sein kann, auf der Bühne zu stehen. Und je mehr erfolgreiche Frauen es in der Branche gibt, desto mehr motiviert das andere, es ihnen nachzumachen. Wenn ich nicht Anke Engelke gesehen hätte oder Gaby Köster, dann wäre ich nie darauf gekommen, dass man das, was die machen, auch beruflich machen kann.

Sie kennen auf der Bühne keine Tabus. Es geht um Sexualität, um körperliche Unzulänglichkeiten – wen haben Sie dabei mehr im Blick, die Männer oder die Frauen?

Kebekus: Beide. Aber ich betrachte die Dinge natürlich aus weiblicher Sicht. Es geht um den Druck, den man aushalten muss als Frau, um die Jagd nach dem perfekten Körper. Es scheint ja nur noch darum zu gehen, wie viele Likes man bekommt für seine Fotos auf Instagram, wie gut man aussieht. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was das mit Mädchen und Frauen macht, die dem allgemeinen Schönheitsideal nicht entsprechen.

Ist Ihre Kunst dann auch ein Appell an die Frauen, selbstbewusster zu werden?

Kebekus: Ja, auf jeden Fall. Frauen dürfen ganz generell nicht immer klein beigeben, sie müssen auch mal etwas einfordern. Wir neigen dazu, zu warten, bis uns etwas angeboten wird. Aber da können wir lange warten, wir müssen uns die Dinge schon selbst nehmen. Und dann immer diese Frage: Kind oder Karriere? Wieso soll für Frauen immer nur eins von beiden möglich sein? Es ist doch total legitim zu sagen: Ich hätte gerne alles vom Leben!

Kebekus: Eigentlich habe ich dafür schon immer Kritik bekommen

Sie haben am Anfang Ihrer Karriere die Sprache der Straße karikiert – weil das beim großen Publikum besser ankommt als ein etwas intellektuellerer Jargon?

Kebekus: Nö, ich bin so aufgewachsen. Natürlich war das damals, als ich angefangen habe, auch ein Humortrend, ich erinnere an „Was guckst du?!“, aber so etwas kann man erfolgreich nur machen, wenn man authentisch ist. Wenn das Publikum einem das abnimmt. Ich komme halt aus Köln-Ostheim – wobei ich sagen muss, dass ich nicht im Hochhaus, sondern im Einfamilienhaus aufgewachsen bin. Mein Vater ist Banker, meine Mutter Sozialpädagogin, mir hat es an nichts gefehlt. Aber wir haben an einem kulturenreichen Ort gelebt, in einem Stadtteil mit hohem Migrantenanteil.

Sie machen auf der Bühne und im Fernsehen auch politisches Kabarett – braucht es für solche Auftritte heutzutage mehr Mut als noch vor ein paar Jahren?

Kebekus: Naja, eigentlich habe ich dafür schon immer Kritik bekommen und negative Kommentare. Der Unterschied zu früher ist, dass es den Menschen, die einen so wahnsinnig beschimpfen im Netz, inzwischen scheißegal ist, ob man ihren Namen kennt oder nicht. Früher haben die Leute Pseudonyme benutzt, heute schreiben sie Mails, die mit „Heil Hitler!“ enden, von ihrer normalen Adresse aus. Andererseits sieht man am Erfolg der „heute show“ und der „Anstalt“, dass es ein Millionenpublikum gibt, das genau solche Sendungen sehen will.

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Was war das Schlimmste, was Sie sich haben anhören – oder lesen – müssen?

Kebekus: Naja, ich werde meistens sexuell beschimpft, so nach dem Motto: „Dich kleine, linksversiffte Drecksnutte bumsen wir in Grund und…“ – so was halt. Rechtes Gedankengut und Frauenhass liegen sehr nah beieinander. Aber das berührt mich nicht wirklich, schlimm finde ich berechtigte Kritik. Wenn ich irgendwo eine Vorpremiere hatte und die richtig schlecht war, und dann schreibt einer: „Das war ja richtig schlecht!“ – so etwas vergisst man nicht so schnell.

Das Kabarett – und nicht nur das Kabarett – arbeitet sich an der AfD ab, trotzdem steigen die Umfragewerte. Beunruhigt Sie das?

Kebekus: Ja, total. Mich beunruhigt auch, dass so viele auf diesen Zug aufspringen. Wenn Horst Seehofer sagt, Migration sei die Mutter aller Probleme, dann ist das ein so krasser Sprachgebrauch, dass man sofort noch aktiver werden will, um die Menschen, die das glauben, umzustimmen. Leider ist es sehr schwierig, diese Menschen zu erreichen.

Was wünschen Sie sich für Deutschland?

Kebekus: Ich wünsche mir, dass wir uns als Deutsche unserer Verantwortung bewusst sind, die wir durch unsere Vergangenheit haben. Es geht nicht mehr ums Aufarbeiten, sondern darum, Vorbild zu sein für andere Staaten: Schaut mal, dass ist damals bei uns passiert, deswegen sind wir heute schlauer und machen es anders. Dass das in den Köpfen ist und vor allem drin bleibt, das würde ich mir wünschen.

Für ihre große Klappe ist Carolin Kebekus bekannt. Kürzlich schoss die Komikerin gegen Helene Fischer. Kebekus fallen da gleich einige originelle Seitenhiebe ein.

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