Letzter Auftritt bei Löwenbräu

Christian Springer hängt Fonsis Mütze an den Nagel

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AmDonnerstag in einer Woche nimmt der Fonsi nach dem Löwenbräu-Starkbieranstich den Hut.

München - Kabarettist Christian Springer hängt nach 15 Jahren Fonsis Mütze an den Nagel. Warum er die Rolle des grantelnden Kassenwarts aufgibt, verrät Springer im tz-Interview.

Der Fonsi geht in Ruhestand: Seit 15 Jahren ist der Kassenwart von Schloss Neuschwanstein mit seiner blauen Mütze und der Aktentasche als liebenswerter Grantler unterwegs auf den Bühnen der Republik. Nach der Starkbierrede im Löwenbräukeller am 13. März ist allerdings Schluss. Der Fonsi nimmt endgültig seinen Hut. Oben ohne heißt es in der Folge für Kabarettist Christian Springer (49). Und so tauft er auch sein neues Programm, das am 20. März im Schlachthof Premiere hat. In der tz verrät Springer, warum er von Fonsi Abschied nimmt.

Herr Springer, ist Ihr 50. Geburtstag kommenden Silvester so einschneidend, dass Sie sich vom Fonsi trennen?

Christian Springer: Müssen wir jetzt über das Alter reden?

Ist denn das so schlimm?

Springer: (lacht) Nein, natürlich nicht. Denn in Wahrheit fühle ich mich viel älter.

Und zu alt für den Fonsi?

Springer: Jetzt im Ernst: Irgendwann ist in mir tatsächlich die Erfahrung gereift: „Braucht es für das, was Du sagen möchtest, tatsächlich diese Figur? Oder kannst Du das nicht auch als Christian Springer genauso sagen?“

Für viele Kabarettisten sind genau solche Kunstfiguren eine Fassade, in der sie eine Distanz zwischen sich und diejenigen bringen, denen sie den Spiegel vorhalten!

Springer: Das stimmt natürlich. Aber umgekehrt predige ich in meinen Programmen ja auch, dass die Menschen was anderes ausprobieren und sich verändern sollen. Irgendwann gilt das einfach auch einmal für einen selbst.

"Verspüre große Lust, schutzloser auf der Bühne zu stehen"

Sie sprechen die Missstände auch als Fonsi klar und direkt an. Dennoch hat die Figur auch immer etwas Kasperlhaftes!

Christian Springer steht ab dem 20. März „Oben ohne“ mit seinem Soloprogramm auf der Bühne

Springer: Der echte Kasperl war ja ursprünglich für Erwachsene gedacht und ist dann fürs Kindertheater etwas aufgeweicht worden. Und zudem habe ich den Eindruck, dass sich die Atmosphäre im Land geändert hat. Ich merke bei den Leuten das Verlangen nach mehr Ernsthaftigkeit.

Wird Christian Springer ohne den Fonsi noch ernster?

Springer: Ich werde an meiner Art nichts ändern. Aber ich brauche einfach diese Verkleidung, die ja – wie gesagt – auch eine Rüstung sein kann, nicht mehr. Ich verspüre große Lust, schutzloser auf der Bühne zu stehen. Das heißt aber nicht, dass es harmloser wird.

Glauben Sie nicht, dass viele Fans den Fonsi ziemlich vermissen werden?

Springer: Vielleicht ein bisschen. Aber ich glaube, dass die Leute meine Entscheidung verstehen. Der Springer muss nicht automatisch der Fonsi sein, damit die Leute zuhören. Das habe ich festgestellt, wenn ich bei Auftritten in der Pause unter den Zuschauern bin.

"Die Aktentasche werde ich im Löwenbräukeller zum ersten Mal öffnen"

Inwiefern?

Springer: Da werde ich oft von den Leuten mit Fotoapparat angesprochen: „Herr Springer, dürfen wir ein Foto machen, dass ich einmal mit dem Fonsi auf dem Foto bin?“

Im BR-„Schlachthof“, den Sie im Vorjahr zusammen mit Michael Altinger von Otti Fischer übernommen haben, war der Fonsi ja auch schon nicht mehr dabei!

Springer: Das stimmt. Da war der Entschluss schon gefasst, mit dieser Figur aufzuhören. Und schließlich ist es ja tatsächlich so: Das, was der Fonsi sagt, meint auch der Springer so!

Beim Löwenbräu-Starkbierfest schäumen Sie nächste Woche zum vierten Mal in Folge aus einem überdimensionalen Masskrug. Die Veranstaltung ist sehr beliebt. Wie geht es hier weiter?

Springer: Das macht Spaß. Da gibt es mich auch im Jahr 2015, nur eben als Springer.

Was passiert eigentlich mit Ihren Requisiten nach dem letzten Auftritt?

Springer: Der Anzug kommt in die Dauerreinigung und die Aktentasche werde ich im Löwenbräukeller zum ersten Mal öffnen . . .

"Also werde ich aus der Tasche den nächsten OB herauszaubern"

Was ist da drin?

Springer: Wer weiß? Vielleicht kommen ja wie bei Cornelius Gurlitt noch mal 1500 Gemälde zum Vorschein.

Nein, unmöglich: Ein rechtschaffender Neuschwansteiner Kassenwart versteckt keine Raubkunst!

Springer: Stimmt. Also werde ich aus der Tasche den nächsten OB herauszaubern. Und mir wäre’s schon recht, wenn die Münchner diesen dann drei Tage später tatsächlich wählen!

Josef Schmid (CSU), Dieter Reiter (SPD) und Sabine Nallinger (Grüne) gelten als Favoriten: Jetzt verraten Sie bitte, wer bei Ihnen aus der Tasche erscheint wie Aladin aus der Wunderlampe!

Springer: (denkt lange nach) Hm. Tja, einer wird’s schon sein müssen. Das Problem ist ja, dass wir keinen anderen haben.

Stefan Dorner

Fonsis Mütze für tz-Leser

Fonsis Mütze können Sie ersteigern

Christian Springer hängt den Fonsi an den Nagel – und Sie, liebe tz-Leser, können die originale und signierte Mütze ersteigern, mit der er seit 15 Jahren auf der Bühne unterwegs ist. Der Erlös kommt einem guten Zweck zugute: Seit Dezember 2011 reist Christian Springer und sein Freiwilligenteam immer wieder in den Libanon, um syrischen Flüchtlingen zu helfen. „Ich bin im Schnitt einmal pro Monat dort, und es ist immer noch schockierend, welche Zustände dort herrschen“, schildert Springer. „Jetzt im Winter haben wir eine Frau festgefroren vorgefunden. Es fehlt eigentlich an allem!“ Deswegen hat Springer den Verein Orienthelfer gegründet, um die Not dort ein bisschen zu lindern. „Wenn die Mütze vielleicht einem Fan eine Freude bereitet und dann auch noch einem guten Zweck zugute kommt, dann ist das doch eine wunderbare Sache.“ Übergeben wird sie an den Wohltäter übrigens bei Springers Oben ohne-Zusatztermin im Schlachthof am Samstag, 22. März, zu dem der Gewinner mit Begleitung eingeladen ist. Mitmachen ist ganz einfach: Schicken Sie eine E-Mail mit dem Betreff Fonsis Mütze und Ihren Kontaktdaten an lokales@tz.de – oder senden Sie eine Postkarte an tz München, Betreff: Fonsis Mütze, Paul-Heyse-Straße 2-4, 80336 München. Wichtig: Geben Sie an, wo Ihr Maximal-Gebot liegt. Der Einstiegspreis für die Mütze und die beiden Tickets liegt bei 100 Euro.

Und für alle, die die Orienthelfer so unterstützen wollen, das Spendenkonto: Postbank, Empfänger: Orienthelfer, Kontonummer: 46572805, Bankleitzahl: 70010080, IBAN: DE16 7001 0080 0046 5728 05, BIC: PBNKDEFF

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