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„Contra“ im Kino: Schauspielerin Nilam Farooq verrät ihren großen Traum

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Von: Katja Kraft

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Im neuen Kinofilm „Contra“ spielen „Stromberg“-Star Christoph Maria Herbst und Nilam Farooq die Hauptrollen. Jetzt verrät die Darstellerin, wovon sie immer geträumt hat.

Auf solch eine Rolle hat Nilam Farooq gewartet. Die 32-Jährige spielt in dem neuen Kinofilm „Contra“ zwar wieder eine junge Frau mit arabischem Namen. Aber in diesem Fall sehr gern. „Eigentlich würde ich mich freuen, mal nicht die Aische spielen zu müssen, sondern auch mal Anna heißen zu dürfen. Doch in ,Contra‘ geht es ja genau darum, wie Sprache Vorurteile weiterträgt“, erklärt Farooq.

„Contra“ im Kino: Schauspielerin Nilam Farooq schwärmt von „Stromberg“-Star Christoph Maria Herbst

Sönke Wortmanns wortgewaltige Komödie basiert auf der französischen Vorlage „Le Brio“. Nilam Farooq spielt die Jurastudentin Naima Hamid, die von ihrem Professor Richard Pohl (Christoph Maria Herbst) vor versammeltem Hörsaal rassistisch beleidigt wird. Als ein Video, das ein Kommilitone von der Situation gedreht hat, im Netz tausendfach geteilt wird, setzt der Universitätspräsident den Professor unter Druck: Pohl solle Naima fit machen für einen bundesweiten Debattier-Wettbewerb, das könne seine Chancen vor dem Disziplinarausschuss verbessern. Und los geht der amüsante Schlagabtausch zwischen dem rückwärtsgewandten, äußerst eloquenten Lehrer und seiner immer selbstbewusster werdenden Schülerin.

„Immer habe ich von solch einer Rolle, von solch einem Umfeld geträumt“, schwärmt Farooq, die man unter anderem als Kriminalkommissarin Fareedi aus der ZDF-Serie „Soko Leipzig“ kennt, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Christoph Maria Herbst ist der Kollege meines Lebens. Er ist ein geistig so schneller, schlagfertiger Mann mit einem unheimlichen Gespür für Komik und Timing. Er als Kollege, Sönke Wortmann als Regisseur und dann noch das wunderbare Drehbuch: Mir war sofort klar, dass ich den Film machen muss.“ Und weil sie ihn so gut gemacht hat, wurde Nilam Farooq 2020 beim Bayerischen Filmpreis mit der Auszeichnung für die beste Darstellerin geehrt.

„Contra“-Darstellerin Nilam Farooq erlebt Alltagsrassismus

In „Contra“ wird versteckter und unverblümter Rassismus auf humorvolle Weise offengelegt. Für Farooq genau die richtige Art, viele Menschen für das Thema zu sensibilisieren. „Humor ist das einfachste Mittel, um an jemanden emotional heranzukommen. Dieser Film ist ja für die breite Masse gemacht. Weil Rassismus allgegenwärtig ist.“ Nilam Farooq, selbst ist Tochter eines Pakistani und einer Polin, wurde in Berlin geboren und ist in Deutschland aufgewachsen. „Zum Glück habe ich selbst noch nie eine Rassismus-Attacke erlebt, aber ständigen Alltagsrassismus, an den man sich nicht gewöhnen darf.“ Auch in der Branche.

Das fängt schon bei der Frage nach ihrem Namen an. „Natürlich kann man mich fragen, woher er kommt oder welche Bedeutung er hat, das zeigt ja echtes Interesse“, betont sie. Der Ton mache den Unterschied. Oder die Art und Weise, wie die Frage formuliert werde. „Da höre ich dann gern den Satz: ,Ihr habt immer so schöne Namen‘ – das ist ein vergiftetes Kompliment. Das ist ausgrenzend.“ Sie hat sich angewöhnt, in solchen Situationen freundlich nachzuhaken: „Wen meinst du denn mit ,ihr‘?“ Um bei ihrem Gegenüber etwas gedanklich in Gang zu setzen. „Ich glaube, wir brauchen gerade diese Übersensibilisierung, um dann irgendwann in ein ganz normales Fahrwasser zu kommen, wo Herkunft keine so große Rolle mehr spielt.“ Sie freut sich, ihren Teil im Privaten und im Beruflichen dazu beizutragen.

Als Nächstes ist sie wieder in einem Sönke-Wortmann-Projekt zu sehen: „Eingeschlossene Gesellschaft“ kommt voraussichtlich am 10. März in die Kinos. Anschließend sieht man sie in Doris Dörries „Freibad“ (geplanter Kinostart: 1. September 2022). Sie ist also gut im Geschäft. Und das, obwohl die einstige YouTube-Bloggerin Farooq, die ihr Handwerk bei privatem Schauspielunterricht gelernt hat, früher gern Sängerin geworden wäre. Lieder seien wie kurze Filme im Kopf. „In dreieinhalb Minuten lassen gute Musikstücke eine ganze Welt vor dem inneren Auge entstehen. Das ist wunderschön. Meine Talente lagen allerdings doch woanders“, meint sie lachend. „So bin ich Schauspielerin geworden.“ Welch ein Glück.

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