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Es gibt viele Parallelen zu Tommy und mir

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Cornelia Corba © Heinz Weißfuß

München - Cornelia Corba spielt im Johnny-Cash-Musical in der Komödie im Bayerischen Hof. Mit der tz sprach sie über die Erinnerung an ihren Tommy Fuchsberger, die immer wiederkommt.

Die Rolle scheint auf Cornelia Corba gewartet zu haben. Mit ihren langen, roten Locken und dem hellen Teint sieht sie June Carter schon ziemlich ähnlich – doch sie singt, performt und spielt auch Gitarre wie die Country­sängerin aus Nashville. ­Cornelia Corba ist ab Dienstag June Carter: die Musik­legende, die ­Country-Ikone Johnny Cash zu Weltruhm verhalf. Johnny Cash – The Man in Black heißt das musikalische Porträt, das am 25. Januar in der Kleinen Komödie im Bayerischen Hof München-Premiere hat.

Überschwängliche Kritiken hat das Gesangsduo (in der Rolle des Johnny Cash ist Nils-Holger Bock zu sehen) auf seiner Tournee durch Österreich, die Schweiz und Norddeutschland bereits eingeheimst. „Stimmgewaltig, überzeugend, eindrucksvoll“, sind die Adjektive, die Corba für ihre Bühnenleistung erntete. Kein Wunder: Bereits als Zwölfjährige wurde sie als jüngstes Mitglied im Richard-Strauss-Konservatorium aufgenommen – eine absolute Ausnahme. Später förderte sie ­August Everding, sorgte dafür, dass sie bei internationalen Spitzenkräften Musical-Unterricht erhielt. Seit 25 Jahren macht Cornelia Corba bereits Musik, schauspielert, moderiert. Doch vor ihren München-Auftritten hat sie besonders Angst. Kein Lampenfieber ist es, was sie quält, es sind Erinnerungen an gemeinsame Momente mit ihrer großen Liebe: ­Tommy Fuchsberger.

„Alles, alles hier erinnert mich an ihn. Wir waren in der Komödie oft zu Gast. Und im Nightclub sind wir zusammen aufgetreten“, erzählt ­Cornelia Corba im tz-Interview im Bayerischen Hof. „Für die Premiere hatte Tommy schon so ­vielen Freunden Bescheid gesagt.“

Corba muss schlucken, ihren Tränen will sie jetzt nicht freien Lauf lassen. Zu viel hat sie geweint, seitdem Tommy in der Nacht zum 15. Oktober 2010 ertrunken ist. Fuchsberger war Diabetiker, geriet in Unterzucker.

Die Arbeit war es, die Cornelia ­Corba half, nicht selbst am Schmerz zu zerbrechen. „Es war wichtig für mich, eine Aufgabe zu haben, vor allem eine Aufgabe, mit der ich anderen Menschen etwas geben kann. Und mit diesem Stück machen wir ­viele Leute glücklich.“

Es ist die Lebens- und Liebesgeschichte von Johnny Cash und June Carter (Ring of Fire, Jackson): einer starken Frau und eines sensiblen Künstlers, der immer wieder Opfer seiner Drogensucht wurde. Doch June Carter schaffte es, ihn immer wieder rauszuholen, mit ihr an seiner Seite war er stark.

„Es war die große, intensive Beziehung zweier Künstler“, erklärt Corba. „Und es ist fast schon unheimlich, wie viele Parallelen es zu unserer Beziehung gibt. So war auch Johnny Cash Diabetiker.“

Corba hat die Rolle der June Carter immer weiterent­wickelt, sie sei nach dem Tod ihres Tommy sogar noch intensiver geworden. „June und Johnny haben zusammengehalten, sie haben einen Glauben gehabt. Den habe ich und den hatte auch Tommy.“ Ihr gemeinsamer Glaube sollte Cornelia und Tommy im Frühjahr sogar nach Rom ­führen. „Wir planten einen Papstbesuch, zusammen mit einem Kloster in Münster.“ Der Tod hat nun alles verändert. Nur eines wird er ­Cornelia Corba nicht nehmen können: die Erinnerung an ihren Tommy.

Maria Zsolnay

Trauer um Thomas Fuchsberger

Ich kann Tommys Eltern nicht verstehen

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2006 beim GQ-Award war die Familie noch zusammen: Joachim Fuchsberger, Cornelia Corba, Gundel und Tommy Fuchsberger © Heinz Weißfuß

Auf kleinen, weißen Perlen stehen die beiden Namen, die für immer unzertrennlich bleiben sollen: Tommy und ­Cornelia. Freunde der Sängerin schenkten ihr die beiden hübschen Armbänder, genauso wie das Marien-Medaillon um ihren Hals. Immer wieder umfasst ­Cornelia Corba mit ganzer Hand ihren Schmuck, hält sich daran fest: „Diese ­Stücke geben mir Kraft, sie tun mir gut.“

Überhaupt die Freunde. Sie sind es, die der 41-Jährigen nach dem plötzlichen Tod ihres geliebten Tommy Fuchsberger († 53) durch ein Tal der Tränen geholfen haben. Die da waren, als sie den Verlust nicht begreifen konnte. Die sie trösteten, wenn sie sich Vorwürfe gemacht hat, warum sie an diesem Oktober­abend nicht an seiner Seite war.

Dabei hatte Cornelia ­Corba ihrem Tommy immer wieder geraten, doch eine Pflegekraft zu beauftragen, wenn sie selbst auf Tournee war. Um zu verhindern, dass er in Unterzucker kommt, unzurechnungsfähig wird oder gar ins Koma fällt.

Doch an jenem Freitagabend des 14. Oktober 2010 kam es schlimmer: Thomas Fuchsberger, der auf Einladung der Akademie für Neue Medien in Kulmbach zu Gast war, geriet nach einem Lokalbesuch in Unterzucker, verlor die Orientierung, stürzte und ertrank in einem zwei Meter ­tiefen Bach.

Ein schwerer Schicksalsschlag für die Eltern Gundel und Blacky Fuchsberger und auch eine Tragödie für Tommys große Liebe, ­Cornelia Corba.

In solchen schicksalhaften Momenten rückt man normalerweise enger zusammen. Stützt sich gegenseitig, hilft sich, spendet Trost. Doch Cornelia musste noch eine weitere schmerzliche Erfahrung machen: Die Eltern ihres geliebten Tommy zogen sich bereits bei der Trauerfeier von ihr zurück – Cornelia blieb mit ihrem Schmerz ­allein. „Das macht mich sprachlos. Ihr Verhalten hat mich zutiefst getroffen.“

Nur zaghaft deutet sie an, was wenige Tage nach dem Tod passiert ist: Da standen einfach Cornelias persönliche Sachen aus der Grünwalder Wohnung ihres Lebensgefährten in Plastiktüten verpackt vor der Tür. Erinnerungen an eine zehnjährige Liebe – zum Abholen bereit: Fotos von gemeinsamen Reisen, auf denen sich Cornelia und Tommy ewige Liebe geschworen haben, Liebesbriefe, Kleidung, CDs. Auch die Plakate von gemeinsamen Auftritten der beiden waren aus dem Arbeitszimmer verschwunden – heruntergerissen.

Erschüttert und vor den Kopf gestoßen, hat sie bis heute keine Erklärung für dieses Verhalten. Sie will auch keine öffentliche Auseinandersetzung provozieren, versucht nur, zu ver­stehen.

Cornelia Corba und Thomas Fuchsberger haben nie geheiratet. „Wir hatten nie das Gefühl, dass wir das brauchen. Wir waren auch ohne Trauschein glücklich.“ Auch Kinder waren kein Thema mehr. Cornelia erzieht den Sohn (Benjamin, 14) ihrer verstorbenen Schwester, Tommy hatte aus erster Ehe zwei Kinder, ­Jennifer (25) und Julien (22), zu denen er erst wieder 2009 Kontakt hatte. Nur ein einziges Mal konnte die Patchwork-Familie in dieser Konstellation Weihnachten feiern. Das Schicksal wollte Thomas Fuchsberger nicht mehr Zeit schenken.

„Tommy ist immer noch da, bei mir. So sehe ich das, zumindest in Momenten, in denen es mir seelisch besser geht. Doch eigentlich kämpfe ich jede Sekunde gegen die Tränen.“

Maria Zsolnay

Abschied von Tommy Fuchsberger

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