„Du und Ich“ statt heile Welt

Nach langer Corona-Pause: Schlagerstar Kerstin Ott mit Tour und neuem Album zurück

Die Sängerin Kerstin Ott blickt in die Kamera.
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Kerstin Ott stürmt seit 2016 die Charts von Deutschland und Österreich.

Nicht immer war für Schlager-Star Kerstin Ott alles heile Welt. Im Interview erzählt sie von schwierigen Momenten und wie sie sich auf ihre neue Tour vorbereitet.

München - Mit ihrer Debütsingle „Die immer lacht“ katapultierte sich Kerstin Ott 2016 aus dem Nichts in die Bestenlisten des Landes. Über eineinhalb Millionen verkaufte Einheiten bescherten der Berlinerin eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Singles überhaupt. Nun stürmt die 39-Jährige mit ihrem vierten Studioalbum „Nachts sind alle Katzen grau“ (Universal) erneut die Charts. Im Herbst geht sie auf Tour – und kommt am 26. und 27. November auch in die Kleine Olympiahalle in München. Ein Gespräch mit Ott über die heile Schlagerwelt und fiese Kommentare.

Frau Ott, Sie gelten als Schlagerstar, musikalisch verschwimmen die Grenzen zum Deutsch-Pop aber auch in der Branche immer mehr. Inwieweit spielen solche Einordnungen für Sie eine Rolle?
Ott: Ich finde es schön, dass sich nicht mehr alles in Schubladen packen lässt. Vor zehn Jahren war es noch so, dass sich kaum einer mit Schlager identifiziert hat. Deutsche Musik zu hören, ist wieder angesagt. Der Schlager ist moderner geworden und so verschwimmt das alles miteinander.
Sehen Sie sich selbst auch als Schlagerstar?
Ott: Auf jeden Fall! Ich ­fühle mich in dem Genre wohl.
Viele Schlagerstars verkörpern Glamour, Sie hingegen die Bodenständigkeit. Lässt sich Ihr Erfolg auch damit erklären, dass sich der durchschnittliche Fan gut mit Ihnen identifizieren kann?
Ott: Ja, das glaube ich schon. Ich glaube sowieso, dass es da noch Luft nach oben gibt und mehr Künstler machen sollten, was sie wirklich machen ­wollen. Die Menschen können so etwas fühlen und dadurch leichter eine Verbindung, so eine „Du und Ich“-Beziehung, herstellen. Das ist mir wichtig. Das Verstellen würde sich für mich falsch anfühlen und zu nichts führen: Man würde es mir nicht abkaufen.
Nach außen präsentiert sich die Schlagerszene allerdings doch stark als heile Welt...
Ott: Diese Heile-Welt-Geschichte ist ein Überbleibsel aus den Zeiten, in denen man wirklich noch von grünen Wiesen und hohen Bergen gesungen hat. Ich glaube, dass sich der Schlager da sehr verändert hat. So wie auch ich mal einen schlechten Tag habe, geht es anderen Künstlern natürlich ähnlich. Da unterhält man sich schon auch drüber.

Keine Heile Welt im Schlager: Hass und negative Kommentare - so geht Kerstin Ott damit um

Früher hat es mich auf eine andere Weise getroffen hat. Da habe ich das sehr persönlich genommen und auch für ein, zwei Tage mit mir rumgeschleppt.

Kerstin Ott
Erlebt man in der Branche auch Dinge, auf die man lieber verzichtet hätte?
Ott: Ja, bei mir geschieht das aber meist in den sozialen Medien. Manche Leute haben viel zu erzählen und das sind dann nicht nur positive Kommentare. Mit denen kann ich allerdings gut umgehen. Aber es gibt auch viele unterirdische Kommentare, auf die jeder gut verzichten könnte.
Treffen Sie solche Anfeindungen noch?
Ott: Früher hat es mich auf eine andere Weise getroffen hat. Da habe ich das sehr persönlich genommen und auch für ein, zwei Tage mit mir rumgeschleppt. Heute ist es von meiner Tagesform abhängig: Manchmal erwischt es mich schon auch noch, wenn es ein richtig fieser Kommentar ist, aber es ist nicht mehr so, dass ich da ewig drüber nachdenke. Für den Moment ist es unangenehm, doch inzwischen kann ich das gut wegstecken.
Bald geht es für Sie auf Tour – wie bereiten Sie sich nach einer so langen Pause darauf vor?
Ott: Ich hatte inzwischen wieder kleinere Auftritte, auf die ich mich sehr gut vorbereiten musste. Ich habe eineinhalb Jahre nicht in die Texte geschaut, musste die Lieder erst wieder üben und auch Gesangsunterricht nehmen, weil ich einfach auf Nummer sicher gehen wollte. Das hat sich gelohnt.
Auch im TV erlebt Schlager einen Boom. Könnten Sie sich vorstellen, eine eigene Schlagershow zu moderieren?
Ott: Ja, warum nicht? Man muss schauen, was die Zeit bringt, aber ausgeschlossen ist nichts.

(Interview: Jonas Erbas)

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