Was sagt der Anwalt dazu?

ARD-Star gefeuert - weil sie sich nicht impfen lässt

23 7 2016 Eva Herzig Jedermann Premierenfeier Stieglkeller Salzburg.
+
Eva Herzig verliert ihrer Rolle bei den „Steirerkrimis“: Am Set darf die Schauspielerin ohne Corona-Impfung nicht arbeiten - wenn es nach der Produktionsfirma geht.

ARD-Schauspielerin Eva Herzig fliegt aus dem „Steirerkrimi“. Sie will sich nicht impfen lassen. Für die Arbeit am Set ein No-Go, sagt der Sender.

Wien - Für Eva Herzig ist beim „Steirerkrimi“ Schluss. Die ARD schmeißt die Schauspielerin raus, weil sie sich nicht gegen Corona impfen lassen will. Heikle Fragen tuen sich auf - auch rechtlich.

„Diese Impfung ist mir noch zu unerforscht“, hatte Herzig der Bild am Sonntag erklärt, „ich habe zu viele Berichte gelesen über Impfschäden. Die Langzeitfolgen einer Impfung sind auch noch nicht klar.“ Führende Mediziner und Experten sind sich ob der Datenlage eigentlich einig. Impfschäden sind zwar nicht völlig ausgeschlossen, aber sehr, sehr unwahrscheinlich.

Langzeit-Folgen sind bei Impfstoffen generell nicht bekannt. Die Corona-Impfstoffe wurden unter Hochdruck entwickelt und schnell auf den Markt gebracht, die drei klinischen, ausführlichen Testphasen haben die Vakzine aber natürlich trotzdem durchlaufen.

Angst vor der Corona-Impfung: Eva Herzig gerät wegen Pandemie-Aussagen massiv in die Kritik

Eva Herzigs vorsichtige Haltung gegenüber der Corona-Impfung ist dennoch verständlich und komplett in Ordnung. Natürlich steht es jedem frei, selbst darüber zu entscheiden. Ihre Einstellung teilen viele Menschen.

Sehr viele verurteilen die 48-Jährige aber auch für ihre Statements. Die Impf-Thematik ist dabei allerdings nicht der größte Kritikpunkt. Eva Herzig hatte zuvor ein Massensterben in der Pandemie öffentlich angezweifelt, verweist auf angeblich einwandfreie Behandlungsmöglichkeit. Und spricht davon, dass Masken Kindern den Sauerstoff nehmen.

Das Echo für diese Corona-Aussagen war laut. „Ich werde in die rechte Ecke gestellt und als Corona-Leugnerin abgestempelt“, beklagt sie nun und beteuert: „Beides ist so heftig wie falsch.“ In sozialen Netzwerken positioniert sie sich deutlich gegen rechte Hetze.

ARD: Eva Herzig entscheidet sich gegen Corona-Impfung - und damit auch gegen ihre TV-Rolle

Ihre Überzeugung lässt ich Eva Herzig von der Kritik aber nicht nehmen. Auch die TV-Rolle in ARD und ORF ist futsch - das nimmt sie in Kauf. Sollte sie wegen der Nicht-Impfung vielleicht gar keine Rollen mehr bekommen, würde sie sich sogar einen anderen Job suchen.

„Die Entscheidung fiel mir nicht leicht“, sagt sie der Bild, „denn dadurch entgeht mir ein Einkommen, das ich fest eingeplant habe. Ich bin alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die ich natürlich versorgen muss. Doch kann und will mich nicht verbiegen. Daher lasse ich mich auch nicht impfen, egal, was mir angedroht wird.“

Die Produktionsfirma ist ebenfalls hart geblieben. Eva Herzig ist nicht mehr Teil des „Steirerkrimis“.

Keine Corona-Impfung: Eva Herzig fliegt beim „Steirerkrimi“ raus - Produzent will Angestellte schützen

Der Sender verweist auf die Sorgfaltspflicht bei den Dreharbeiten. Etwa 50 Personen seien über die ganze Zeit am Set, als Produktionsfirma habe man die Verantwortung für alle, erklärt der Geschäftsführer von Allegro Film: „Dazu zählt vordringlich und ohne Zweifel, dass alles zu vermeiden ist, was die Gesundheit von Mitarbeitern gefährden könnte.“ Eva Herzigs Einstellung wird weder be- noch verurteilt. Zum Schutz aller anderen Beteiligten geht die Firma aber eben den Schritt.

Dem Bundesverband Schauspiel sei ein Fall wie der von Eva Herzig bisher auch nicht bekannt. Gegenüber der Bild äußerte sich Vorstandsmitglied Hans-Werner Meyer. Sie vertrauen auf die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, die zum Impfen aufruft. Das gebe der deutsche Verband so auch an die Schauspielerinnen und Schauspieler weiter.

Kündigung, weil sie sich nicht gegen Corona impfen lassen will - Ist die Entlassung überhaupt erlaubt?

Doch wäre die Kündigung in Deutschland überhaupt möglich? Rechtsanwalt Arndt Kempgens versucht das der Bild zu beantworten. Eine Entlassung könne nur mit beharrlichen Verstößen gegen Pflichten aus dem Arbeitsvertrag gerechtfertigt werden. „Die entscheidende Frage ist also: Kann eine Nicht-Impfung Verstoß gegen Pflichten aus dem Arbeitsvertag sein?“, holt er aus, „außer in speziellen Bereichen, wie etwa manchen medizinischen Berufen ist in so gut wie keinem Vertrag eine Impfung vereinbart. Deshalb kann Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auch nicht gekündigt werden, wenn sie sich nicht impfen lassen.“

Die meisten Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, müssen sich also keine Sorgen um ihren Job machen. Ob eine entsprechende Klausel aber im Vertrag von Eva Herzig verankert war, wissen wir nicht.

Auch interessant

Kommentare