Das machen Münchens Prominente

Corona: Urlaub nur mit schlechtem Gewissen? Reiter bleibt daheim - Ottfried Fischer nennt es „Mutprobe“

Muenchen, anlaesslich der Eroefnung Sommer in der Stadt auf dem Koenigsplatz: Oberbuergermeister Dieter Reiter.
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Trotz Corona in den Urlaub? Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter erlaubt es sich noch nicht.

Markus Söders Tochter Gloria hat eine Diskussion losgetreten: Kann man trotz Corona einfach in den Urlaub? Wir haben bei Münchens Prominenten nachgefragt.

München - Schulferien plus ein Feiertag unter der Woche: eigentlich ideal zum Verreisen. Wäre nur keine Pandemie*… Als Ministerpräsident Markus Söders Tochter Gloria (22) jetzt Urlaubsfotos von der Côte d’Azur bei Instagram zeigte, war der Ärger bei vielen groß: Gelten die Einschränkungen nicht für alle gleich, schimpften Kritiker. In unserer Zeitung diskutieren prominente Münchner: Geht Urlaub heuer nur mit schlechtem Gewissen? Und sie erzählen, ob sie selbst wegfahren.

Uschi Glas (Schauspielerin): Freiheit mit Disziplin

„Selbstverständlich kann man heuer in Urlaub fahren – wenn man alle erforderlichen Tests macht! Man darf nur nicht blauäugig sein, selbst wenn man schon zweimal geimpft ist. Wir werden auch im Sommer in Spanien sein, nicht im Hotel, sondern in unserem Haus, also praktisch daheim. Man kann ruhig optimistisch nach vorne schauen, wenn man sich einen Urlaub wünscht. Nur eben nicht übermütig werden, Mundschutz tragen und Abstand halten. Ich bin also für Freiheit mit Disziplin.“

Christian Springer (Kabarettist und Orienthelfer): Himmlische Ruhe genießen

„Unbedingt wegfahren! Meine geheimen Reisetipps für Aluhut-Träger und Corona-Leugner: All inclusive im „Land, wo der Pfeffer wächst“ oder protestieren Sie gemütlich in der Altstadt von „Hinterpfuideifi“ oder „Auf zur Merkel-Jagd im Watschnbaamwoid“. Wir anderen genießen Münchens himmlische Ruhe. Und geöffnete Biergärten!“

Julia Schmitt-Thiel (SPD-Stadträtin): Ausspannen auf der Alm

„Ich habe dieses Jahr eine Pacht-Beteiligung auf einer Almhütte. Da fahre ich hin, um ein paar Tage Abstand zu gewinnen und auszuspannen.“

„Ich freue mich für alle, dass wir jetzt wieder auf den Campingplatz, in die Ferienwohnung und auch ins Hotel dürfen. Ein bisschen Abwechslung zum Alltag tut uns Stadtmenschen sicher sehr gut. Egal ob in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Österreich oder Italien.“

Dieter Reiter (Oberbürgermeister von München): Erst im Sommer an die Ostsee

„Wir fahren an Pfingsten nirgendwo hin – machen höchstens mal Tagesausflüge in Oberbayern. Und im Sommerurlaub planen wir an die Ostsee zu fahren, nahe Rostock – wenn die Inzidenz es zulässt. Die Hotels und Gastronomiebetriebe in Deutschland haben umfangreiche Hygienekonzepte*, sodass für uns kein Grund für ein schlechtes Gewissen besteht.“

Michael Käfer (Gastrokönig): Ab an den Tegernsee

„Nach dieser schweren Zeit hat man sich doch einen Urlaub verdient! Klar wäre es schön, wenn man primär in Deutschland seine Ferien verbringt, aber man braucht auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man woanders hinfährt oder -fliegt. Die Menschen freuen sich so, dass die Außengastronomie wieder aufmachen darf, und sie freuen sich auch, wenn sie endlich mal wieder weg können von daheim. Den Englischen Garten kennen doch alle schon auswendig! Ich werde mich mit meiner Familie in unserer Ferienwohnung am Tegernsee erholen, darauf freuen wir uns!“

Katrin Habenschaden (Zweite Bürgermeisterin von München): Schlechtes Gewissen muss niemand haben, der ...

„Es ist das erste Mal seit Beginn der Pandemie, dass wir ins Ausland in den Urlaub fahren. Ursprünglich wollten wir an die Nordsee, doch da Italien wieder Einreisen erlaubt und ich eine große Sehnsucht nach dem Mittelmeer habe, werden wir am Freitag mit dem Nachtzug nach Bologna fahren und dann einige Tage in der Toskana verbringen. Vorher mache ich einen Corona-Test. Ein schlechtes Gewissen muss niemand haben, wenn man sich an die Regeln hält und sich verantwortungsvoll verhält.“

Nikolaus Gradl (SPD-Stadtrat): Entscheidend sind die Tests

„Ich fühle mich nicht schlecht, man muss auch die Tourismusindustrie in Deutschland unterstützen. Ich werde hier jeden Morgen getestet. Und wo man hingeht, wird der Test inklusive Personalausweis überprüft. Schleswig-Holstein ist eine Modellregion für Tourismus, die Inzidenz liegt schon lange unter 50, aktuell bei 24, die Tests sind sehr streng und die Kontaktverfolgung detailliert.“

Alexandra Gaßmann (CSU-Stadträtin) und Kinder: Wir entspannen in Italien

„Wir verbringen als Familie einige Tage in Lignano in Italien. Ein schlechtes Gewissen haben wir nicht, wir genießen den Tapetenwechsel sehr. Wir hatten mit Corona schwer zu kämpfen, waren alle erkrankt. Nacheinander waren wir über Monate häuslich isoliert, mit den gesundheitlichen Folgen kämpfen wir teilweise immer noch. Umso mehr freuen wir uns, dass wir endlich wieder eine unbeschwerte Zeit gemeinsam verbringen können. Bei der Einreise mussten wir einen Test vorweisen. Es ist hier vor Ort alles sehr gut organisiert.“

Ottfried Fischer (Kabarettist): Heuer ist‘s eine Mutprobe

„Es ist schon eine gewisse Überlegung, wenn man heuer in Urlaub fährt angesichts der vielen Mutanten, die es mittlerweile gibt. Es steht natürlich jedem frei, aber ich sehe es heuer eher als Mutprobe. Wenn man zum Beispiel nach Brasilien fliegen möchte, könnte das schon der letzte Urlaub sein. Aber da würde mich meine Frau sowieso nicht hinlassen. Wenn es irgendwann geht, fahren wir vielleicht nach Österreich oder Italien.“

Susanne Breit-Kessler (Ex-Kirchenräten der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern): Wir üben uns in Geduld

„Wenn wir Urlaub machen, wollen wir es ohne schlechtes Gewissen und mit Verstand tun – so erholt man sich am besten. Deshalb haben wir einen Blick auf die Listen des Auswärtigen Amtes geworfen, um zu sehen, welche Ziele man besser nicht ansteuern sollte. Die Länder, in die wir möchten, sind leider alle Risiko- oder Hochinzidenzgebiete. Wir üben uns also noch in Geduld und Hoffnung. Wer es anders macht, muss mit den Folgen leben.“

Michaele May (Schauspielerin): Es ist noch zu früh

„Ich kann verstehen, dass die Leute jetzt in den Urlaub reisen wollen – aber ich finde den Zeitpunkt dafür zu früh. Erst müssen die Zahlen weiter sinken, da man sonst die Gefahr der Pandemie übersieht. Das Schwierigste ist für mich der Flieger. Dort sitzen die Menschen eng aneinander. Derzeit sollten die Leute besser in Bayern bleiben, hier gibt es so schöne Seen und Berge. Vielleicht ist der Urlaub im Sommer ja unbedenklich. Falls möglich, würde ich mich dann in Griechenland erholen.“

Chris Kolonko (Travestie-Star): Sicher auf Gran Canaria

„Man kann durchaus in den Urlaub! Die Infektionszahlen sinken und jeder, der in ein Flugzeug steigt, muss einen negativen PCR-Test vorlegen. Ich wohne teils auf Gran Canaria, bin oft im Flieger nach München* unterwegs. In Maspalomas hatten wir eine Inzidenz von 7 Anfang des Jahres. Alle Geschäfte und Lokale sind offen, jeder trägt Maske, hält sich an die Regeln. Verglichen mit dem Gedränge, das in einem Münchner Supermarkt herrschen kann, habe ich dort das Gefühl, in Sicherheit zu sein.“ *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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