„Wenn er sich falsch verstanden fühlte, rastete er aus“

Daniel Küblböck: Münchner Kumpel „weinte ganzen Tag“ - Doch ein Detail kann er sich nicht erklären

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Peter Panzer (l.) und Daniel Küblböck.  „Leider war die Nachricht keine Überraschung für mich und dennoch schmerzt es unheimlich und macht mich fassungslos. Wie gerne wäre ich auch diesmal zur Stelle gewesen.“, schreibt Panzer auf Instagram.

Die Suche nach Daniel Küblböck wurde eingestellt. Sein enger Freund Peter Panzer kann die Tragödie immer noch nicht fassen. Ein Detail macht ihn aber stutzig.

Daniel Küblböck: Aufnahmen der Durchsage des Kapitäns auf der AIDA

Update vom 11. September 2018: Unserer Redaktion liegen exklusive Aufnahmen einer Durchsage auf der AIDA vor. Zu hören ist, wie der Kapitän des Kreuzfahrtschiffs die Passagiere darüber informiert, dass eine Person vermisst wird.

Daniel Küblböck: Münchner Kumpel „weinte den ganzen Tag“ - Ein Detail macht ihn stutzig

München/Neufundland - Was ihm wohl durch den Kopf gegangen sein mag in den letzten Momenten dort oben an Bord des Kreuzfahrtschiffes Aida Luna, 15 Meter hoch über dem Nordatlantik vor Neufundland? Wem galten seine letzten Gedanken? Und was geschah am Sonntag gegen 6 Uhr auf Deck 5? War es wirklich Selbstmord? Oder doch ein Unfall? So viele Fragen, so wenige Antworten für all die Fans und speziell die Menschen, die dem noch immer vermissten Daniel Kübl­böck (33) nahe standen.

Zu ihnen gehört auch der Münchner Peter Panzer (34) – einer seiner engsten Freunde, dazu Medienprofi, Herausgeber des Lifestyle-Magazin voisz.com und Szenemacher in der schwul-lesbischen Community. Er kennt Daniel seit der ersten RTL-Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ im Winter 2002/03. Daniel wurde Dritter, war erst 17 Jahre alt und lernte schnell, das man in dieser Glitzer-Branche nicht viele echte Freunde hat.

„Ich weinte den ganzen Tag“

Am Sonntag Mittag klingelte bei Peter Panzer das Telefon: „Ein Freund sagte, dass Daniel auf hoher See vermisst wird. Ich weinte den ganzen Tag.“

Peter war damals selbst erst 18 Jahre alt, schrieb in Köln für die Schüler-Seite des Kölner Stadtanzeiger und begleitete Daniels Karriere von Anfang an. Er sah, welch warmherziger, empfindsamer, und auch ehrgeiziger Mensch hinter der Fassade des schrillen Nervenbündels mit den vielen Talenten steckte. Er erlebte, wie der Bub zum Mann wurde, Höhenflüge feierte, Tiefpunkte durchlitt und sich zuweilen selbst verlor, so oft hin- und hergerissen – auch in seiner sexuellen Selbstfindung.

Wann immer Küblböck in München oder seiner niederbayerischen Heimat war, meldete er sich bei Peter: „Er übernachtete nur im Bayerischen Hof oder bei mir. Und dann sind wir losgezogen durch die Münchner Szene.“ Discos, Schwulen-Clubs und Schlager-Bars wie New York, Pascha, Rendezvous oder Prosecco . Es waren wilde Nächte, in denen der meist strahlende Daniel zuweilen auch ein anderes Gesicht zeigte: „Er trank immer Champagner, manchmal drei Flaschen und noch ein paar Drinks. Dann konnte er schwierig, laut und aggressiv werden. Wenn er sich falsch verstanden fühlte, rastete er aus. Er war eben immer schon ein sehr emotionaler Mensch, der polarisierte.“

Daniel Küblböck stieg aufs winterliche Hotel-Dach: „Ihn reizte der Kick“

Nach einer dieser durchzechten Nächte stieg er vor drei Jahren im Bayerischen Hof mitten mitten im Winter aufs rutschige Dach: „Er wollte natürlich nicht springen. Ihn reizte nur der Kick, es tun zu können. Ich bin fast gestorben vor Angst.“ Panzer hält es für möglich, dass dieser Dämon der Grenzüberschreitung Daniel Küblböck auch auf dem Schiff geritten haben könnte. 

„Ob er wie damals auf dem Dach nun an der Reling herumgeklettert ist? Man schaut in keinen Menschen hinein. Aber ich kenne keine aktuellen Sorgen, die Daniel in den Selbstmord getrieben haben könnten. Finanziell ging es ihm gut, er hatte Pläne, er hatte Zukunft und Menschen um sich, die ihn liebten.“ Zu seinen Eltern und seiner Stiefmutter hatte Küblböck zeitweise ein belastetes Verhältnis. Familiäre Wärme suchte und fand er bei der Mallorquiner Immobilien-Millionärin Kerstin Elisabeth Kaiser (75), die er liebevoll „Omi“ nannte. Sie adoptierte ihn 2012 als Alleinerben. „Diese beiden haben sich auf den ersten Blick gefunden. Sie war für ihn ein ganz wichtiger Mensch.“ Die 75-Jährige lebt seit zwei Monaten wieder in Deutschland. Zur Adoption hatte sie sich nie öffentlich geäußert.

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Mangelnde Konfliktfähigkeit könnte auch Auslöser für Mobbing-Gerüchte sein, die zuletzt kursierten. Küblböck studierte am Europäischen Schauspiel Institut (ETI) in seiner Wahlheimat Berlin, sollte bald seine Abschlussprüfung ablegen. Am 3. August postete er auf Facebook ein wütendes Pamphlet, in dem er sich beschwerte, Ziel von bösartigen Mobbing-Attacken zu sein – angeblich mit Billigung der Dozentin. Panzer: „Ich könnte mir vorstellen, dass er sich da in etwas hineingesteigert hat. Jede Art von Kritik konnte er als persönliche Kränkung empfinden. Das war seine schwache Stelle.“ Das ETI sieht sich seit Küblböcks Verschwinden einem Shitstorm der Fans ausgesetzt und wies am Montag alle Vorwürfe zurück.

Panzer über Aida-Fotos: „Das verstehe ich nicht“

Wie so viele hofft Peter Panzer, dass Daniels Körper gefunden und es ein Grab geben wird, an dem man zu ihm gehen kann. Manche Kommentare im Netz haben ihn zutiefst empört. Da schrieb einer: „Jetzt taucht er nach Seegurken“ und ein anderer ätzte: „Bin im Starnberger See geschwommen, hab ihn nicht gefunden“. Diesen unverschämten Zeitgenossen hat Peter Panzer unter Tränen geschrieben: „Hinter Daniel stehen Menschen, die ihn liebten und die diese Respektlosigkeit verletzt.“

Peter sah Daniel zum letzten Mal im Januar: „Da war er sehr zufrieden und schwärmte von Berlin, wo er sich eine Wohnung gekauft hatte.“ Ein einziger Punkt macht den Freund im Nachhinein stutzig: „Daniel hat in den letzten Jahren einen totalen Image-Wandel zu einem nachdenklichen, gereiften und erfolgreichen Unternehmer vollzogen. Auf den letzten Fotos vom Schiff jedoch sehe ich ihn stark geschminkt in Highheels, Wickelkleid und Frauenschmuck. Da hat er ganz bewusst in aller Öffentlichkeit etwas ausprobiert. Aber warum? Das verstehe ich nicht.“

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Tatsächlich hat Daniel Küblböck in den letzten Tagen ein neues Fotobuch im Netz angelegt. Es erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich im falschen Köper gefangen fühlt und seine weibliche Seite leben will. Da ist sie wieder – die zerrissene, zuweilen tieftraurige Seele des Daniel Kübl­böck, der wahrscheinlich allzu oft verleugnen musste, wer er wirklich war. Das Drama vieler Transsexueller. Und so ging er ganz allein auf die große Reise. Ohne Wiederkehr.

Alle Entwicklungen zu Daniel Küblböck lesen Sie hier.

Dorita Plange

Hinweis der Redaktion

Generell berichten wir nicht über den Verdacht auf Selbstmord-Absichten, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de.

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