80. Geburtstag

David Crosby: Ein Byrds-Höhenflug und so mancher Absturz

David Crosby
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Weiter auf Höhenflug: David Crosby wird 80.

Er flog schon früh sehr hoch mit den Byrds, stürzte mehrfach tief ab und gilt längst als einer der wichtigsten Singer-Songwriter der Rock-Geschichte. Jetzt wird David Crosby 80.

Berlin - Es gibt nur wenige Künstler, die gleich zweifach in der Ruhmeshalle der Rockmusik vertreten sind. David Crosby ist einer davon, er wurde für sein bahnbrechendes Werk mit The Byrds (1991) und Crosby, Stills & Nash (1997) in die „Rock And Roll Hall Of Fame“ berufen.

Der Kalifornier mit dem Walrossbart kann auf geniale Songs wie „Eight Miles High“, auf viele Alben mit großartigen Bands oder auch solo, auf zahllose Ehrungen zurückblicken. Als bedeutendsten Erfolg seines 80-jährigen Lebens bezeichnet er aber etwas Privates.

„Der glücklichste Kerl überhaupt“

„Meine Familie“, sagt Crosby der Deutschen Presse-Agentur auf die Frage, was ihm am wichtigsten sei nach einer Weltstar-Karriere, die schon Mitte der 1960er Jahre begann. Dass er etwa mit seinem einst zur Adoption freigegebenen Sohn, dem vielseitigen Rockmusiker James Raymond (59), inzwischen ein menschlich wie künstlerisch sehr enges Verhältnis pflegt, lässt sich auch auf dem jüngsten Album „For Free“ wieder nachhören. „Es ist ein Geschenk, mit einem solchen Sohn gesegnet zu sein“, schwärmt Crosby. Nach einem Leben mit Triumphen und Lebenskrisen sei er jetzt „der glücklichste Kerl überhaupt“.

Dass der 1941 in Los Angeles geborene Crosby seinen 80. Geburtstag am 14. August tatsächlich fit und fröhlich feiern kann, war angesichts seines Lebenswandels nicht unbedingt zu erwarten. Denn nicht nur als Sänger und Songschreiber, sondern auch als Rauschgiftkonsument hatte er zeitweise selbst unter den drogenaffinen Musikerkollegen der Hippie-Ära einen legendären Ruf. Der Besitz von Heroin und Kokain brachte ihn Mitte der 1980er Jahre sogar ins Gefängnis, 1994 erhielt er nach jahrelangem Alkoholmissbrauch eine Spenderleber.

Im dpa-Gespräch betont Crosby heute, er bereue „all die Zeit, die ich mit harten Drogen verschwendet habe. Das war eine saudumme Zeit, und sie hat mich fast umgebracht. Aber ich habe es überstanden, habe es überwunden, was viele andere Leute nicht geschafft haben. Darauf bin ich stolz.“

Stolz sein kann Crosby aber natürlich auch schon auf seine Anfänge als Rockmusiker. Sie führten ihn gleich in höchste Höhen bei den Byrds, die er zusammen mit Roger McGuinn und Gene Clark gegründet hatte, mit denen er von 1964 bis 1967 fünf Schlüsselalben des US-Folkrocks einspielte und mehrere Hits hatte („Mr. Tambourine Man“, „Turn! Turn! Turn!“, „So You Want To Be A Rock 'n' Roll Star“).

Auftritt beim Woodstock-Festival

Streitereien innerhalb der Band führten zu Crosbys Entlassung. Doch er fiel weich und bildete mit Stephen Stills (Buffalo Springfield) und Graham Nash (The Hollies) alsbald die „Supergroup“ Crosby, Stills & Nash (CSN). Zeitweise kam der Kanadier Neil Young als viertes Studio- und Live-Mitglied hinzu, so auch 1969 beim berühmten Woodstock-Festival als CSNY. „Crosby, Stills & Nash waren ein einziger Konkurrenzkampf“, erzählte Crosby kürzlich im Interview von „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“. „Jeder wollte der Größte, der Beste sein. Natürlich ging das nicht gut.“

Anfang der 70er konzentrierte sich der mit einer wunderbar klaren, hellen Stimme gesegnete Musiker auf sein herausragendes Solo-Debüt „If I Could Only Remember My Name...“. Weitere Platten mit den ihm teilweise in Hassliebe verbundenen Kumpels Stills, Nash und Young folgten eher sporadisch.

Beeindruckendes Spätwerk

Häufig kamen Crosby Rauschgift-Eskapaden und sein ausschweifendes Privatleben in die Quere. Mit wirklich bemerkenswerten Alben trat der Amerikaner erst im gehobenen Alter wieder in Erscheinung. Die fünf zuletzt vorgelegten Solowerke zählen zum Schönsten, Berührendsten und Vornehmsten, was David Crosby in seiner langen Laufbahn gemacht hat - von „Croz“ (2014) bis „For Free“ (2021) ein tolles Spätwerk.

Auf der neuesten Platte, die wesentlich vom zeitweise verlorenen Sohn James Raymond mitgeprägt wurde, hat sich Crosby auch vor seiner am meisten verehrten Lebensabschnittsgefährtin verbeugt: Er singt das Lied „For Free“ von Joni Mitchell. Die inzwischen 77-jährige Kanadierin schätzt er sogar noch mehr als Bob Dylan. „Ich denke, sie ist die Beste von uns allen“, so Crosby im dpa-Interview. „Ich liebe einfach ihre Lieder.“ Zu seinen Favoriten zählt er auch die Beatles und Steely Dan - beide Einflüsse kann man seit langem herausspüren.

Sein Ziel als Songwriter definiert David Crosby heute so: „Ich schreibe Lieder, die dich etwas fühlen lassen, dich auf eine kleine Reise mitnehmen, dich mal lachen und mal weinen lassen.“ Das ist ihm sehr oft geglückt. Und seine musikalische Reise soll noch nicht zu Ende sein: Zwei weitere Crosby-Alben seien derzeit in Arbeit, sagt er und winkt zum Abschied aufgeräumt in die Zoom-Kamera - ein sehr alter Mann mit erstaunlich jungen Augen. dpa

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