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Der „Live Aid“-Macher Bob Geldof wird 70

Bob Geldof
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Der irische Rockmusiker Bob Geldof wird 70 Jahre alt.

Er wollte mit der Musik etwas bewegen. Durch die von ihm initiierten „Live Aid“-Konzerte wurde Bob Geldof zu einem gefeierten Wohltäter. Doch dem irischen Sänger gefiel diese Rolle gar nicht.

London - Sein größter Erfolg hatte für Bob Geldof unangenehme Nebenwirkungen. Die von ihm ins Leben gerufenen „Live Aid“-Konzerte und sein Einsatz für wohltätige Zwecke wirkten sich negativ auf seine Musikerkarriere und sein Privatleben aus.

„Es hat mich vermutlich meine Ehe gekostet“, sagte Geldof zum 35-jährigen Jubiläum des Events im vergangenen Jahr. „Ich durfte auch meinen Job nicht mehr machen. Ich bin ein Popsänger.“ Heute konzentriert sich der Ire, der am 5. Oktober 70 Jahre alt wird, längst wieder voll auf die Musik.

Ab September geht Geldof mit seinen Boomtown Rats auf Tournee. Im vergangenen Jahr veröffentlichte die Band erstmals seit 36 Jahren wieder ein Studioalbum. „Wir haben ja nie wirklich eine Trennung oder ein Comeback angekündigt“, sagte er der „Welt am Sonntag“. „Wir habenuns lediglich nach einer langen Pause regruppiert.“ Die Boomtown Rats wurden ursprünglich 1975 in Dublin gegründet. Damals war Geldof gerade 24 und hatte eine eher unglückliche Kindheit hinter sich.

1951 kommt er als Robert Frederick Zenon Geldof in Dún Laoghaire zur Welt. Seine Mutter stirbt, als er sieben ist. Sein Vater ist laut Geldof von Montag bis Freitag beruflich unterwegs, so dass der kleine Robert allein mit zwei älteren Schwestern aufwächst. Er geht auf ein katholisches Internat und verbringt ansonsten viel Zeit allein zuhause, die er sich mit Büchern und Radiohören vertreibt.

Er interessiert sich für Politik und gesellschaftliche Missstände und organisiert schon als Jugendlicher Demos. Dann kommt die Musik. Mit den Boomtown Rats hofft er etwas bewegen zu können. „Darum ging es mir immer beim Rock'n'Roll“, sagt er im Interview des US-Senders CBC. „Es geht immer um die Möglichkeit, etwas zu verändern.“

Ende der 70er Jahre, inmitten von Punk und New Wave, wird die Gruppe mit Songs wie „Like Clockwork“, „Rat Trap“ oder „Banana Republic“ bekannt. Ihr berühmtester Hit ist bis heute „I Don't Like Mondays“ über ein Attentat an einer Grundschule in San Diego 1979, bei dem zwei Menschen erschossen und mehrere verletzt wurden.

Berichte über eine Hungersnot in Äthiopien veranlassen Geldof 1984 dazu, gemeinsam mit Ultravox-Frontmann Midge Ure die Charity-Single „Do They Know It's Christmas?“ zu schreiben und unter dem Namen Band Aid zahlreiche Popstars für den guten Zweck singen zu lassen. Das Weihnachtslied ist lange Zeit die am schnellsten und am meisten verkaufte britische Single und führt dazu, dass die Macher ihr Engagement für den guten Zweck ausweiten.

Am 13. Juli 1985 findet „Live Aid“ in London und Philadelphia statt. Die beiden Konzerte der Superlative, bei denen unter anderen Queen, Madonna, David Bowie, Elton John, Tina Turner, U2 und Led Zeppelin auftreten, generieren damals mehr als 127 Millionen Dollar für die Opfer der Hungersnot in Afrika. Angeblich zwei Milliarden Menschen verfolgen das Musikereignis weltweit an den Fernsehbildschirmen.

Bob Geldof, der mit seinen Boomtown Rats selbst dort auftritt, gilt als das Gesicht von „Live Aid“. Seine Karriere gerät darüber plötzlich in den Hintergrund. „Man nannte mich den heiligen Bob“, erzählt der Sänger. An seiner eigenen Musik habe kaum noch jemand Interesse gehabt. „Man hat mir nicht mehr zugestanden, Musik zu machen, weil es belanglos und unbedeutend war.“

Trotzdem veröffentlicht er als Solokünstler weiter in unregelmäßigen Abständen neue Musik, wenn auch mit mäßigem Erfolg. Der Titel seines 2010 erschienenen Albums wirkt da wie beißende Ironie: „How To Compose Popular Songs That Will Sell“ - auf Deutsch: „Wie man populäre Songs komponiert, die sich verkaufen werden“.

Kommerzielle Misserfolge treffen Geldof nicht so hart wie menschliche Verluste. Seine Ex-Frau Paula Yates, die 1996 von ihm geschieden wird, stirbt 2000 an einer Heroin-Überdosis. 2014 stirbt Peaches, die zweite seiner drei gemeinsamen Töchter mit Yates, ebenfalls an einer Überdosis. „Wenn so etwas Schlimmes passiert, ist es unmöglich, die Trauer zu beschreiben, in der man versinkt“, sagt er dem „Guardian“.

Neben den leiblichen Töchtern Fifi Trixibelle und Little Pixie adoptiert Bob Geldof Heavenly Hiraani Tiger Lily, Yates' Tochter aus deren Beziehung mit INXS-Sänger Michael Hutchence, der sich 1997 unter Alkohol- und Drogeneinfluss das Leben nimmt.

Mehr als 20 Jahre nach „Live Aid“ lässt sich Geldof 2005 noch einmal auf ein riesiges Charity-Event ein. Gemeinsam mit U2-Sänger Bono ruft er „Live 8“ ins Leben, acht Konzerte gegen weltweite Armut. Ein drittes Ereignis dieser Art wird es voraussichtlich nicht geben, das hätte laut Geldof keinen Zweck mehr. „Rock'n'Roll war 50 Jahre lang die zentrale Säule unserer Kultur“, sagt er im CBC-Interview. „Das funktioniert jetzt nicht mehr als Instrument für den Wandel.“

Und so konzentriert sich Bob Geldof, der seit 2015 mit seiner langjährigen Freundin Jeanne Marine verheiratet ist und mit der französischen Schauspielerin in London lebt, nun wieder auf seine Band von früher, die etwas aus der Mode gekommen ist. Dass sie aus einer anderen Zeit stamme, sei heute eine echte Herausforderung. „Bands wie die Boomtown Rats müssen heute um ihr Publikum kämpfen“, sagte Geldof der „WamS“, was ihn zu motivieren scheint. „Soll mir recht sein, so hat es schließlich auch mal angefangen.“ dpa

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