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Wir trauern um unseren Traumfabrik-Helden: tz-Kultreporter aus Hollywood gestorben

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Hollywoodstar George Clooney bedankte sich bei Sindermann mit einem Brief
Hollywoodstar George Clooney bedankte sich bei Sindermann mit einem Brief. © FKN

Auslandsreporter Dierk Sindermann versorgte die tz exklusiv mit brandheißen Stories aus der Traumfabrik Hollywood. Nun ist der Kultreporter von uns gegangen.

Hollywood/München - Es war ein Ritual: Jedes Jahr kam unser Hollywood-Reporter Dierk Sindermann (76) ­einen Tag vor Wiesn-­Anstich aus L.A. eingeflogen, um erst die große weite Welt in unser tz-Büro zu tragen und dann mit mehreren Mass aufs Leben anzustoßen. Zum Besuch gehörte neben dem umwerfenden Lachen und seinen unglaublichen Berichten eine innige Umarmung – ganz so wie sich Dierk gern mit Hollywoodstars fotografieren ließ, Arm in Arm, was schon Kultstatus hatte. Immer aber standen zwei Fragen im Raum: Ist die gerade aktuelle Ehe noch intakt? Und wie schafft es Dierk, mit jedem Jahr jünger auszusehen? Das blieb sein Geheimnis, genauso wie am liebsten auch sein Alter; nur die ­Anzahl seiner Ehen nicht. Fünf.

Kultreporter Dierk Sundermann tot - Er war unser Traumfabrik-Held aus Hollywood

Dierk liebte das Leben. Und das führte er direkt am Hollywood Boulevard. So konnte ihm nichts entgehen, wie seine ­Interviews, Reportagen und Live-Berichte be­wiesen.

Und eigentlich wollten wir längst einmal für vier Wochen Leben tauschen – die tz-Kolumnistin in Dierks Domizil und Büro, der Hollywood-Reporter in Ullis Schwabinger Wohnung und in der tz-Redaktion. Es war versprochen! Doch dann kam Corona und Dierk nicht mehr zur Wiesn. In diesem seltsamen Vakuum an Kontaktarmut wurde unser USA-Korrespondent krank. Er hat es uns nicht wissen lassen, genauso wie seine anderen Malaisen zuvor – das hätte ja zu einem Traumfabrik-Helden nicht gepasst! Einem, der seit über 30 Jahren unser Mann in Hollywood war!

Lieferten sich einen Tanzwettbewerb: Kate Hudson, Quentin Tarantino und Dierk Sindermann (v. li.)
Lieferten sich einen Tanzwettbewerb: Kate Hudson, Quentin Tarantino und Dierk Sindermann (v. li.). © FKN

Dierk Sindermann: tz-Reporter mit 76 Jahren in Hollywood gestorben

Dierk Sindermann galt als der letzte -„echte Typ“ unter den Auslandsjournalisten in Hollywood. Als er Anfang der 80er-Jahre als Korrespondent nach Los Angeles kam, herrschte noch ein anderes Zeitalter in der Entertainmentmetropole. Er berichtete nicht als Außenstehender, er war selbst mittendrin - als Mann, den die Stars persönlich kannten und schätzten. Aufhören wollte er am liebsten nie, weil sein Beruf auch noch nach vier Jahrzehnten Berufung und Hobby zugleich für ihn waren. Als er im Frühjahr schwer krank wurde, hoffte er auf ein Hollywood-Happy-End - wie schon zwei Mal zuvor, als er dem Tod von der Schippe gesprungen war. Vergeblich. Der 76-Jährige starb in der Nacht zum Donnerstag, umgeben von seiner Familie und engsten Freunden, an einem Gehirntumor.

Dierk Sindermann war ein Mann, der sein Leben liebte. Er hatte das außergewöhnliche Talent, „den Hebel umzuwerfen“ - wie er es nannte. Er konnte auf einer Hollywood-Gala ausgelassen feiern („Connections pflegen“, wie er es nannte), um sich danach morgens um 4 Uhr hinzusetzen und seine Story über das Event gekonnt herunterzuschreiben.

Was er nicht gekonnt hätte - seinen eigenen Nachruf schreiben. Denn Selbstlob und sich ins Rampenlicht heben, war nie sein Ding.
Sindermann hinterlässt drei Söhne, einen Ziehsohn (der Autor dieses Nachrufs) und seine fünfte Ehefrau Patricia. (Ulrike Schmidt/Christian Thiele)

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