Musik bringt uns auf 165

Stress-Befund: Dirigent & BR-Symphoniker im EKG-Test

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Daniel Harding wird für seinen Auftritt am Pult der BR-Symphoniker ans EKG angeschlossen.

München - Eine ebenso witzige wie lehrreiche Idee: Fürs Programmheft der kommenden Saison lassen sich die BR-Symphoniker sozusagen auf Herz und Nieren prüfen.

Während der Aufführung von Mahlers Sechster steigt der Puls des 38-Jährigen auf 165 – über eine Stunde lang.

Dort gibt es grafisch anschaulich nachzulesen, wie die Herzfrequenzkurve während eines Konzerts auf- und abgeht. Dazu hat Professor Gerhard Steinbeck vom Zentrum für Kardiologie am Klinikum Starnberg vier Musiker und den Dirigenten Daniel Harding ans EKG angeschlossen. Während der Aufführung von Mahlers psychisch und physisch höchst strapaziöser sechster Sinfonie!

Die Ergebnisse hat der Fachmann schon ausgewertet – Fazit: „Die Frequenzänderungen sind auffälliger, als ich erwartet habe. Man muss berücksichtigen, dass es sich ja um Vollprofis handelt, die diese Belastungen wöchentlich haben. Ich betone: Die Befunde haben nichts mit Krankheit zu tun!“

Steinbeck vergleicht die Stress-Situation eines Musikers mit der eines Formel-1-Piloten. Die vier Ins-trumental-„Piloten“ in der Philharmonie waren: Konzertmeister Radoslaw Szulc (Violine), Solo-Trompeter Hannes Läubin, Schlagzeuger Christian Pilz und Tubist Stefan Tischler. Dazu der Maestro des Konzerts, Dirigent Daniel Harding.

Christian Pilz lässt es im vierten Satz mit martialischen Hammerschlägen ­krachen

Wissen ist Macht – und Schmerz: Erst einmal muss man die Brust enthaaren, um die Anschlüsse zu platzieren. Während des Spiels, das bestätigen uns alle befragten Musiker, denkt keiner an das EKG. Dazu sind Konzentration und Rausch viel zu groß. Trompeter Läubin: „Das ist ähnlich wie bei Abfahrtsläufern, wenn sie eine Helmkamera tragen. Die denken auch nicht dran.“ Den Formel-1-Vergleich findet er gut. „Ich bin zum Glück noch nie Formel 1 gefahren, aber bei manchen Soli stehe ich ex­trem unter Stress. Allerdings werde ich 56 und bin seit 38 Jahren Berufsmusiker. Positive Spannung und Freude überwiegen. Ich spüre nur hinterher den Stress, wenn die Belastung von mir abfällt.“

Seine Kurven bestätigen das. Professor Steinbeck: „Die Solo-Trompete hat ziemlich kontinuierlich 100 Herzschläge pro Minute. Mal ist er etwas erhöht, aber die Zahlen sagen, dass den Mann wohl nichts erschüttern kann.“

Christian Pilz ist 31 und betreibt sechs Mal wöchentlich Sport. Das merkt man auch an seinem Puls: „Vor dem Anlegen ist er kurz aufgeregt, danach pendelt er sich auf 50 bis 60 ein.“ Bis zum vierten Satz, bis zu den harten Hammerschlägen: „Da steigt der Herzschlag kurz um 30 auf 80 pro Minute, danach geht er wieder runter.“ Pilz’ schlagkräftiges Ins-trument ist 1,07 Meter lang und 7,5 Kilo schwer.

Bei Tubaspieler Stefan Tischler stellt Steinbeck fest: „Während des Konzerts, vor allem in der zweiten Hälfte, gibt es erhebliche Frequenzspitzen bis zu 130 Schlägen.“ Und des Konzertmeisters Szulcs Puls wächst mit seinen Aufgaben: Da geht’s sprunghaft bis zu 110, 120 Schlägen hoch. Im für die ersten Geigen moderaten ersten Satz bleibt’s bei rund 80 Schlägen.

Der Dirigent Daniel Harding hat mit Abstand die höchsten Werte: in Ruhe 80, im Lauf des Konzerts dann ein „kontinuierlicher Anstieg“ auf 165 Schläge pro Minute. „Und das hält sich über eine Stunde lang“, so Steinbeck. Übrigens kann man sogar die Hammerschläge des Schlagwerkers Pilz am Pulsschlag des Dirigenten ablesen – und am Ende geht’s schlagartig runter. 

Matthias Bieber

Über Ruhepuls und Body-Mass-Index

Im Programm der nächsten BR-Symphoniker-Spielzeit steht auch der Body-Mass-Index der Musiker. Der beträgt bei den Damen atemberaubende 21,4, bei den Herren respektable 23,8. Warum so viel Unterschied? Weil die meisten Blechbläser Herren sind und jene Musiker eher mal zum kräftigen Körperbau neigen. Der Index sollte bei Menschen von 35 bis 44 Jahren zwischen 23 und 26 liegen.

Der „normale“ Ruhepuls liegt übrigens bei ca. 60/Min., bei Sportskanonen kann er bis 35 gehen.

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