Multi-Talent auf der Bühne

Dirk Bach (†51): So verlief seine Karriere

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Dirk Bach galt als Multitalent. Er starb im Alter vno 51 Jahren.

Berlin - Schriller Läster-König und leidenschaftlicher Theater-Mime - Der Schauspieler und Comedian Dirk Bach ist im Alter von 51 Jahren gestorben. So verlief seine Karriere:

Schrille Auftritte waren seine Spezialität - in Sketchen an der Seite von Entertainerin Hella von Sinnen und als scharfzüngiger Moderator der RTL-Erfolgssendung „Dschungelcamp“ im australischen Regenwald brachte Dirk Bach tausende Fernsehzuschauer zum Lachen. Auf der Bühne des Schlosspark-Theaters in Berlin sollte es in wenigen Tagen Neues von dem Schauspieler und Entertainer geben - doch es kam anders: Am Montag starb er im Alter von 51 Jahren in Berlin, wie das Schlosspark-Theater mitteilte.

Dirk Bach - zwischen Dschungel und Sesamstraße

Dirk Bach hat als schriller Comedian ebenso Erfolge gefeiert wie als ernster Schauspieler. Stationen seiner Karriere: © dpa
1984: Als Showmaster Willi Wunder spielt er neben Barbara Valentin und Billie Zöckler in der Kino-Komödie „Im Himmel ist die Hölle los“. © dpa
1984-1986: Den Durchbruch als Schauspieler bringt seine Rolle in Wilhelmine von Hillerns „Geierwally“ im Kölner „Theater in der Filmdose“. Mit Gastspielen in ganz Deutschland gibt es mehr als 300 Vorstellungen. © dpa
1988: Als Puck in Benjamin Brittens „Sommernachtstraum“ steht Bach auf der Bühne der Kölner Oper. © dpa
1989-1992: Bach tritt mit seinem Soloprogramm „Edgar“ auf zahlreichen Kleinkunstbühnen der Bundesrepublik auf. © dpa
1992: Er wird festes Ensemble-Mitglied im Kölner Schauspielhaus; er spielt unter anderem in „Die Räuber“ von Friedrich von Schiller, „Bauerntheater“ von Franz-Xaver Kroetz oder „Was ihr wollt“ von William Shakespeare. © dapd
1992-1994: RTL erreicht mit 26 Folgen der „Dirk-Bach-Show“ ein Millionenpublikum. © dapd
1995-2001: Die Comedy-Serie „Lucas“ mit Bach in der Titelrolle eines kauzigen Schauspielers läuft erfolgreich im ZDF. © dpa
2000-2007: Dirk Bach hat zahlreiche Auftritte in der „Sesamstraße“. © dpa
2001-2003: In der Fernsehserie „Der kleine Mönch“ löst er als pfiffiger Klosterbruder für das ZDF zahlreiche Kriminalfälle. © ZDF/Max Kohr
2003: Der Kurzfilm „Karlchens Parade“ mit Bach als Titelheld wird unter anderem auf der Berlinale gezeigt. © dpa
2004: Dirk Bach und Sonja Zietlow moderieren die erste von sechs Staffeln der RTL-Dschungel-Show „Ich bin ein Star - holt mich hier raus“. © dapd
2005: Sat.1 sendet Max Kruses „Urmel aus dem Eis“ als Fernsehfilm mit Dirk Bach (Urmel) an der Seite von Ralf Schmitz, Mirja Boes, Barbara Schöneberger und Heinz Hoenig. © dpa
2006: Bach liest „Die Mumins - eine drollige Gesellschaft“ von Tove Jansson und „Die dreizehneinhalb Leben des Käpt'n Blaubär“ von Walter Moers als Hörbücher. © dpa
2010: Die Hörbücher von Max Kruses „Eine Schultüte von Geschichten“ erscheinen mit Dirk Bach als Sprecher. © dpa
2011: Die Premiere des Musicals „Kein Pardon“ von Hape Kerkeling mit Dirk Bach als Showmaster Heinz Wäscher wird in Düsseldorf gefeiert. © dpa

Viele kennen das 1961 in Köln geborene Multitalent mit dem markanten Doppelkinn und seiner rundlichen Figur vor allem als Komödiant, auf der Theaterbühne hat er sich aber auch als Charaktermime einen Namen gemacht - ohne jemals eine Schauspielschule absolviert zu haben. Für Bach war die Komödie nur eine Facette seines Berufs. „Aber man wird immer schnell festgelegt, wenn man irgendwann mal in einem Bereich im Fernsehen aufgetreten ist“, sagte er 2009 in einem Interview der Nachrichtenagentur ddp. Er würde sich freuen, wenn er für das Fernsehen auch mal jene Rollen angeboten bekäme, die er auf der Theaterbühne verkörpere: „Ich liebe die Vielfalt und nutze sie“, betonte er.

Tingeln durch Theaterszene

Bachs Eltern arbeiteten beim Westdeutschen Rundfunk und sorgten dafür, dass ihr Sohn früh mit Kultur in Verbindung kam. Prompt zog es ihn zur Bühne. Das Debüt hatte er 1978 unter dem Kölner Intendanten Hansgünther Heyme in Heiner Müllers „Prometheus“.

Seine Bühnenpräsenz und das Improvisationstalent entwickelte Bach aber in den folgenden Jahren beim Tingeln durch die Freie- und Off-Theaterszene. Als Meilenstein erwies sich dabei die Zusammenarbeit mit dem Kölner Regisseur Walter Bockmayer, in dessen schräger Volkstheater-Travestie „Geierwally“ er seit 1984 alleine mehr als 300 Mal auf der Bühne stand.

Beim Kölner Schauspielhaus ergatterte er 1992 einen Platz mit fester Gage und Jahresvertrag. Parallel zum Theater baute er sein großes zweites Standbein auf und probierte sich im Fernsehen aus.

Dirk Bach - Fotos aus dem Leben des Paradiesvogels

Dirk Bach verstarb völlig überraschend am 1. Oktober 2012 in Berlin. © dpa
Wir zeigen Ihnen einige Bilder aus dem Leben des Paradiesvogels. © dapd
Dirk Bach wurde am 23. April 1961 in Köln geboren. © dpa
Der Höhepunkt seiner Karriere: Zusammen mit Sonja Zietlow moderierte er von 2004 bis 2011 insgesamt sechs Staffeln des Dschungelcamps "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus". © RTL/Ruprecht Stempell/dpa
Er war als Moderator, Schauspieler und Synchronsprecher erfolgreich. © dapd
Seinen Durchbruch im Fernsehen schaffte er 1992 mit der Dirk Bach Show auf RTL. © dpa
Auch in der Sat.1-Show "Schillerstraße" stellte er sein komödiantisches Talent regelmäßig zur Schau und brachte seine Fans zum Lachen. © dapd
Die TV-Sendung Lukas brachte ihm 1996 den Telestar, 1999 den Deutschen Comedypreis und 2001 die Goldene Kamera. © dapd
Privat engagierte sich der bekennende Schwule für die Gleichberechtigung von Homosexuellen. © dapd
1999 gab er seinem langjährigen Lebensgefährten das Eheversprechen. Heiraten wollte er, sobald die homosexuelle Ehe der heterosexuellen gleichgestellt  ist. © dpa
Außerdem war er als bekennender Tierschützer bekannt und unterstützte die Organisation PETA. © dapd
2008 wurde er mit dem Reminders Day Award für sein Engagement im Kampf gegen HIV und AIDS ausgezeichnet. © dpa

Nach etlichen kleineren Fernsehrollen wurde Bach 1992 mit der „Dirk Bach Show“ auf RTL bundesweit bekannt. Zu einer Erfolgsserie wurde auch die ZDF-Produktion „Der kleine Mönch“ zwischen 2001 und 2003, in der Bach einen Klosterbruder spielte. Mit Hella von Sinnen trat er ein Jahr später in der RTL-Sketch-Show „Hella und Dirk“ auf.

Seine Präsenz in der Fernsehwelt wurde mit Preisen quittiert: Mit der ZDF-Sitcom „Lukas“ gewann er den Deutschen Comedy Preis und die Goldene Kamera. Gleichzeitig machte Bach weiter ernsthaftes Theater, war unter anderem in Schillers „Räuber“ zu sehen.

Im Fernsehen blieb Bach, der aus seiner Homosexualität kein Geheimnis machte und sich gegen die Diskriminierung von Menschen mit Aids und HIV einsetzte, mit Formaten wie „Frei Schnauze XXL“ oder „Power of 10“ weiter präsent; mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg - dafür immer wieder gerne mit Weggefährtin Hella von Sinnen. Mit ihr und dem späteren WDR-Late-Night-Talker Jürgen Domian hatte Bach eine Zeit lang in Köln zusammen gewohnt.

Lästern beim Insektenknabbern im Regenwald

Der endgültige Aufstieg zur TV-Ikone gelang Bach mit der RTL-Show „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“. Seit 2004 lästerte er sich an der Seite von Moderatorin Sonja Zietlow durch die Staffeln der RTL-Sendung im australischen Regenwald, in dem Prominente mehrere Tage zusammen leben und Prüfungen bestehen müssen. „Das Dschungelcamp ist harmlos und tut niemandem weh. Die Menschen, die da mitmachen, sind Profis und wissen, was sie tun“, betonte er einmal.

Sein Tod kommt überraschend. Am 6. Oktober hätte er seinen Auftritt in der Premiere am Schlosspark Theater in Berlin gehabt. In seiner Rolle als „Kleiner König Dezember“ hätte er dem Spielhaus zufolge in seiner Rolle sagen sollen: „Und wer tot ist, wird ein Stern!“

dapd

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