Die Metal-Queen im tz-Interview

Doro Pesch: "Bei Lemmy wurde immer geraucht und getrunken"

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Seit 30 Jahren auf den Bühnen der Welt: Metal-Queen Doro Pesch.

München - Sie ist eine der wenigen Frauen im Metal-Geschäft: Doro Pesch steht seit 30 Jahren auf Bühnen in der ganzen Welt. Am 2. April tritt sie beim Spektakel Rock Meets Classic in der Olympiahalle auf. Wir trafen die Musikerin im Hard Rock Café.

Sie präsentieren am 2. April das neue Stück „Love’s Gone To Hell“. 

Doro Pesch: Als ich den Song schrieb, dachte ich, „der hat magic“. Das letzte Mal, als ich das so gespürt habe, war beim Lied Für immer. Der Song muss auf jeden Fall bei Rock Meets Classic dabei sein. Ich gehe aber wahrscheinlich schon bei Ballroom Blitz mit The Sweet auf die Bühne. Meine alten Heroes. Are You ready, Steve? Doro? All right boys, let’s start!

Wie sind Ihre Erfahrungen als Frau im männerlastigen Metalgeschäft?

Pesch: Ich hatte das Glück, mit den größten und besten Bands touren zu können. Meine allererste Tour war mit Judas Priest. Die zweite Tour war mit Ronnie James Dio. Dann ging es weiter mit Motörhead, mit den Scorpions. Die haben mich alle gut behandelt.

Motörhead-Bassist und Sänger Lemmy Kilmister ist vor Kurzem gestorben. Sie waren befreundet mit ihm, oder?

Pesch: Ja, sehr. Ich habe ihn 1984 kennengelernt. Die Freundschaft hat sich immer mehr vertieft, nachdem wir 1986 die Monsters of Rock Tour in England gemeinsam gespielt haben. Dann waren wir 2000 zum ersten Mal gemeinsam im Studio, um den Motörhead-Klassiker Love Me Forever und einen gefühlvollen Song von Lemmy, Alone Again, aufzunehmen. Für die letzte Platte haben wir noch ein Duett aufgenommen: It Still Hurts.

Kam der Text nicht daher, dass ein Exfreund Sie bat, bei seinem Kind Taufpatin zu sein?

Pesch: Ja, ja. Wir haben telefoniert, und als ich wieder auflegte, tat es dann doch weh. Alte Liebe. Wir sind immer noch gut befreundet. Darüber geht der Song. Ich habe ihn Lemmy geschickt, und er meinte: Da kann ich mich gut reinversetzen. Lass uns den machen.

Lemmy war vielseitiger, als die meisten denken …

Pesch: Lemmy war einer der gefühlvollsten Sänger, die ich erlebt habe. Da standen mir die Tränen in den Augen, als er den Song Alone Again mit der Akustikgitarre gesungen hat.

Sie waren bei seiner Beerdigung?

Pesch: Das war sehr emotional. Da waren alle Leute dabei, die Lemmy etwas bedeutet haben. Sein Sohn, sein bester Freund, Ossy Osbourne, Rob Halford von Judas Priest, Kiss …

Sie haben einmal erzählt, dass Sie sonst eher wenig trinken, dass dies aber mit Lemmy nicht ging.

Pesch: Ja, bei Lemmy wurde immer eine Zigarette geraucht und getrunken. Aber zum Schluss auch nicht mehr.

Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll – nichts für Sie?

Pesch: Ich war nie der Typ dazu. Ich war immer diejenige, die alle nach Hause gefahren hat. Mein Vater war LKW-Fahrer, da war klar, dass man beim Fahren nicht trinkt. Drogen waren für mich irgendwie nie ein Thema.

Obwohl in Ihrer Umgebung bestimmt genug unterwegs waren …

Pesch: Ich war mal mit 15 ziemlich krank, das hat mich fast das Leben gekostet. Da merkt man, wie schnell es vorbei sein kann. Da macht man nicht mehr so einen Quatsch. Ich habe viele Musiker gekannt, die getrunken haben, da ist das bitter zu Ende gegangen.

Wie rekrutieren Sie Ihre Band, mit Auditions?

Pesch: Wir sind schon so lange zusammen. Den Nick habe ich bei einer Audition in New York kennengelernt. Das ist 26 Jahre her. Da hatten sich 120 Bassisten vorgestellt. Nick war der erste, der reinkam, und ich wusste, der ist es.

Es ist keine Frau in der Band. Ertragen Sie keine neben sich?

Pesch: Es hat sich nie eine vorgestellt. Und jetzt habe ich meine Band.

Sie leben in den USA?

Pesch: Ich wohne in Long Beach, New York. Davor war ich jahrelang in Manhattan. Das habe ich geliebt. Ich wohnte gleich neben dem World Trade Center. Als das Attentat war, durfte ich da nicht mehr rein, das Haus war einsturzgefährdet. Dann bin ich nach Long Beach gezogen. Dort haben mich zwei Hurricanes erwischt. Ich habe sehr viele Sachen verloren. Elektronisches Zeug ist mir egal, aber die Briefe und sowas, schöne Erinnerungen an Ronnie James Dio etwa oder von Lemmy. Das ist alles im Meer jetzt.

Warum sind Sie in die USA gezogen?

Pesch: Als junge Band wollte man damals immer nach Amerika, genauso wie junge Filmemacher. Irgendwann gaben sie uns eine Chance. Nach zwei Tagen in den Staaten war mir klar, dass ich da bleiben will. Ich habe mich sofort in New York verliebt. Ist immer noch meine Lieblingsstadt.

Es ist nicht einfach, sich dort durchzusetzen ...

Pesch: Unser erstes Video damals mit MTV hat gleich eingeschlagen, ging auf Heavy Rotation. Das war dann wie so ein Dominoeffekt. Es lief. Wir hatten viel Glück, waren zur rechten Zeit am richtigen Ort.

Rock-Veteranen mit Klassikorchester

Es ist wie ein Klassentreffen von Rock-Veteranen: Am 2. April kommen in der Olympiahalle Joey Tempest von Europe, Steve Walsh von Kansas, Scott Gorham und Ricky Warwick von Thin Lizzy, Midge Ure von Ultravox, Dan McCafferty von Nazareth, Andy Scott und Pete Lincoln von The Sweet mit Doro Pesch zu Rock Meets Classic zusammen. Begleitet werden die Rockinterpreten von der Mat Sinner Band sowie dem Prager Bohemian Symphony Orchestra. Karten zu dem Rockspektakel gibt es an allen Vorverkaufsstellen zum Preis von 46 bis 76 Euro.

Antonio Seidemann

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