Künstlerin im tz-Interview

Schwarzmann: "Ich bin ausgeglichener, wenn ich auftrete"

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Martina Schwarzmann mit Matilda (2 Monate).

München - Martina Schwarzmann, Mutter, singende Kabarettistin und Lyrikerin, hat derzeit gleich zwei Babys: ihre neue CD und natürlich Matilda. Im tz-Interview spricht sie über Auftritte vor 500 Besoffenen, Einschlaflieder und das Mutter-Sein.

Martina Schwarzmann (36) strahlt gleich mehrfach. Soeben hat sie erfahren, dass sie den deutschen Kleinkunstpreis erhält und bringt zudem eine CD heraus: Lieder und Gedichte zum Einschlafen und vom Wachsen. Überraschung: keine Comedy-CD – die Künstlerin aus Fürstenfeldbruck hat eigene Gedichte vertont, mal nachdenklich, meistens heiter. Zum tz-Interview kommt sie – und das ist natürlich der Strahlgrund Nr. 1 – mit ihrer zwei Monate alten Tochter Matilda. Es wird viel gelacht, und manchmal meldet sich auch Matilda zu Wort.

Matthias Kellner hat auf seiner „Zeitmaschin‘“ Ihr Gedicht „Der seidne Fadn“ vertont. Hat das einen Kick gegeben, es selbst zu tun?

Martina Schwarzmann: Auf alle Fälle, weil ich viel mehr Texte geschrieben habe, als der Matthias brauchen konnte. Mir wäre es aber eigentlich lieber gewesen, wenn ich jemand gefunden hätte, der die Lieder spielt, weil ich mich gar nicht so wohl fühle mit dem Gesang. Aber jetzt ist es doch ganz gut geworden.

Wieso fühlen Sie sich unwohl beim Singen?

Schwarzmann: Es ist für mich immer ein bisschen komisch. Wenn alle lachen, dann fühle ich mich wohl, und wenn sie nur zuhören, dann bin ich ein wenig unsicher.

Werden Sie die Songs live spielen?

Schwarzmann: Nein, das waren Texte, die ich geschrieben habe, weil sie dahergekommen sind. Die haben raus müssen, damit sie weg sind, und jetzt kann ich wieder ein neues Kabarettprogramm schreiben.

Hätten Sie kein neues Programm schreiben können ohne diese CD?

Schwarzmann: Nein. Ich kann ja keine Noten aufschreiben. Ich habe das alles im Kopf. Und dann habe ich wie so eine kreative Verstopfung, bis alles festgehalten ist. Dann ist es abgehakt.

Viele Texte haben mit Ihrer Familie zu tun. Hat sich jetzt auch mit dem dritten Kind viel verändert in der Art, wie Sie arbeiten? 

Schwarzmann: Man kann natürlich mit drei Kindern nicht so auf Tour gehen wie früher. Momentan ist ja auch die Phase, in der ich das Baby noch stille. Aber irgendwie geht’s immer.

Hat sich als Mutter Ihr Humor geändert?

Schwarzmann: Nein, ich glaube nicht.

Bleiben die gemeinen Sachen gemein?

Schwarzmann: Ich habe nicht das Gefühl, dass ich da sanfter geworden bin.

Wie gehen die Kinder mit Ihrem Humor um?

Schwarzmann: Die wissen schon, wenn ich sie verarsche. Sie sind ja sehr früh mit Ironie in Berührung gekommen. Die verarschen mich auch und erzählen wilde Geschichten.

Früher haben Sie die Kinder mitgenommen auf Tour, teilweise mit Babysitter …

Schwarzmann: Im Moment ist es schwierig, aber wenn ich die Kleine nicht mehr stille, dann nehme ich sie schon wieder mit in den Ferien. Wir planen die Touren so, wie sie für die Kinder interessant sind. Etwa die Norddeutschland-Tour – die ist sehr begehrt.

Wieso?

Schwarzmann: Weil sie die Nordsee sonst nicht so haben. Wenn wir Urlaub machen, gehen wir also auf Tour.

Hatten Sie Befürchtungen, dass die Karriere mit Kindern eingeschränkt sein würde?

Schwarzmann: Nein. Und wenn es so gewesen wäre, wäre es mir auch wurscht gewesen. Ich hätte mit den Kindern ja eigentlich genug zu tun. Ich wäre vielleicht ein wenig unausgeglichen, aber langweilig wäre mir nicht. Ich bin schon ausgeglichener, wenn ich auftrete. Da erhole ich mich. Ich bin dann komplett bei mir und im Programm.

Die Texte drücken mit wenigen Worten Schönheit aus. Ist es typisch für Bayern, dass man nicht so viele Worte vergeudet, wenn etwas Schönes berührt?

Schwarzmann: Schon, aber es muss dann auch genau das richtige Wort sein. Das steckt in einem drin und kommt dann raus. Beim Himmel zum Beispiel sage ich im Lied „saublau“. Das gibt es natürlich nicht, das ist diese Übertreibung aus der Kindheit wie sauschnell oder sauheiß. Da kann man auch den Himmel saublau lassen. Man könnte auch schee blau sagen, aber das ist langweilig und auch nicht ganz so blau.

Wieso gibt’s von Ihnen keinen Lyrikband?

Schwarzmann: Weil es sich nur in meinem Dialekt reimt und nur, weil ich es so ausspreche. Wenn ich das aufschreiben würde, wäre es ganz schlimm zu lesen.

Gibt es eine Kontrollinstanz für die Texte? Ihren Mann vielleicht?

Schwarzmann: Nein, mein Mann hat es erst zu hören bekommen, als alles fertig war. Es ist ohnehin so, dass ich bei Sachen, bei denen ich mir nicht so sicher bin, lieber heimlich arbeite. Erst wenn ich fertig und davon überzeugt bin, können es alle anderen hören. Der Florian Rein hat es aufgenommen, und nur der Flo und ich haben gewusst, was wir machen, sonst keiner.

„Lieder zum Einschlafen“ – singen Sie sie Ihren Kindern vor?

Schwarzmann: Das Schlaflied habe ich meinen Kindern als Erstes vorgesungen.

Hat’s gewirkt?

Schwarzmann: Schon. Aber jetzt ist ihnen das zu langweilig. Jetzt lesen sie lieber oder ich lese vor. Vom Singen schlafen sie am wenigsten ein. Vom Rumtragen schlafen sie ein. Und wenn ich zum Radio singe, meckern sie. Sie freuen sich also nicht, wenn ich singe. Aber sie denken sich gern Texte aus oder verändern welche und singen selbst. Wenn wir zusammen singen, dann meistens im Auto. Das Album ist ja auch nicht für Kinder. Das sind viele Sachen drin, die ich meine Kinder nicht hören lassen würde.

Wie viele Auftrittstermine nehmen Sie als dreifache Mutter wahr?

Schwarzmann: So um die hundert im Jahr. Das ist zwei Mal in der Woche, quasi ein Hausfrauen-Job. Ideal für mich.

Sie müssen Termine jetzt ablehnen – früher war es eher umgekehrt. Ab wann hat sich das Blatt gewendet?

Schwarzmann: Ich denke 2004, als ich bei Ottis Schlachthof im Fernsehen zu sehen war. Auf der anschließenden Kleinkunstbörse in Freiburg habe ich in drei Tagen über 100 Auftritte ausgemacht. Das war der Wahnsinn. Das Jahr darauf hatte ich 216 Termine. Da habe ich gemerkt, dass man nicht jeden Auftritt spielen muss. Das war zu viel.

Erinnern Sie sich eigentlich noch an Ihren schlimmsten Auftritt?

Schwarzmann: Starkbierfest, THW, Dachau. Vor 500 Besoffenen, und 40 Jugendliche haben gesungen: „Geh doch zu Hause, du alte Scheiße!“ Das war ganz schlimm. Ich habe in der Pause einer Blechblosn gespielt. Das war so übel, ich wäre lieber mit einer Grippe im Bett gelegen. Aber es sind komischerweise sehr viele Folgeauftritte herausgekommen bei Leuten, die mich da gesehen haben. Seitdem denke ich immer, wenn etwas Schlimmes passiert: Wer weiß, für was das gut ist?

Hören Sie mal

Geschichten über schokoladenverschmierte Kindergesichter, Pinguine, die am Bahnhof nach dem Winter suchen, aber auch eine Abrechnung mit einem ewig Unzufriedenen und eine Klage über Flüchtlingsleid und Kriegstreiberei – das unerwartete Album Lieder und Gedichte zum Einschlafen und vom Wachsen von Martina Schwarzmann schwankt zwischen verträumter ­Heiterkeit und ergreifender Nachdenklichkeit, atmosphärisch eingefangen im Bergbeat-Studio vom Bananafishbones-Schlagzeuger Florian Rein. Der hat gemeinsam mit Luke Cyrus Goetze (Gitarre) dem Gesang und dem Vortrag von Martina Schwarzmann einen einfühlenden Klang geschenkt, mal mehr in Richtung Singer-Songwriter, mal mehr in Richtung Liedermacher und oft mit einem leisen Hauch Country. (Südpolmusic)

Antonio Seidemann

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