Kunst statt Mode

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Sie arbeiten zum ersten Mal zusammen: die Halbgeschwister Karin Srb und Sven Ley, deren Eltern, Wolfgang und Margaretha Ley (rechts), das Modelabel Escada gegründet und zur Weltmarke gemacht haben.

München - Die ehemaligen „Escada-Erben“ überraschen mit einem ganz neuen Unternehmen. Karin Srb und Sven Ley führen jetzt eine Online-Galerie.

Als „Escada-Erben“ schmückten die Halbgeschwister Karin Srb und Sven Ley (37) die besten Partys von München über ­­St. Moritz bis St. Tropez – in jedem bunten Blatt wurden sie im Foto gezeigt.

Und die Hochzeit von Sven Ley mit der Londoner Investmentbankerin Zoe Appleyard vor acht Jahren in Salzburg entwickelte sich zu einem medialen Großereignis, allein der ­illustren Gästeschar wegen – Liz Hurley war Trauzeugin.

Damals war die Münchner Modefirma Escada mit mehreren tausend Mitarbeitern noch eine internationale Top­marke, die viele Stars bevorzugt über die roten Teppiche trugen – allen voran ­Bayerns damalige First Lady Karin ­Stoiber. Und ­Wolfgang Ley (74) war der Vorstandsvorsitzende der Aktiengesellschaft, die ihr Herz und ihre Seele nicht nur ihm als Verkaufsgenie, sondern der „Macherin“ Marga­retha Ley verdankte, die 1992 im Alter von 59 Jahren starb.

Managementfehler, plötzliche Kursänderungen von Großaktionären und zunehmende Verluste zwangen Escada schließlich vor drei Jahren dazu, Insolvenz anzumelden. Der Gründer Wolfgang Ley hatte sich da schon längst aus dem Geschäft zurückgezogen.

Eine Übernahme-Offerte von Sven Ley und seiner Frau Zoe, zusammen mit Karin Srb und neuen Großinvestoren im Rücken, um das Lebenswerk der Eltern zu retten, scheiterte schließlich am Angebot der indischen Großunternehmerin Megha Mittal (35) – ehemals Londoner Freundin der Familie.

Wolfgang Ley ist nur noch selten auf dem Societyparkett anzutreffen, und auch die Kinder, der Wirtschafts- und Marketingexperte Sven Ley, der in London lebt, und seine Halbschwester, die studierte Architektin, Designerin und Textilunternehmerin Karin Srb mit Wohnsitz in Bogenhausen, hatten sich die letzten Jahre – zumindest in München – eher rar gemacht, obwohl sie mit ihrem sonnigen Charme noch immer auf jeder Gästeliste äußerst gern gesehen sind.

Das Thema Escada sind sie leid. Doch jetzt realisieren sie das, was das Modehaus vor Jahren verschlafen hat: den Online-Handel. Die beiden überraschen mit einem neuen Unternehmen: der Internet-Kunsthandlung www.artsation.com, die Arbeiten berühmter und vor allem gefragter zeitgenössischer Künstler (neben einigen Newcomern) vertreibt – sogar solche von Gerhard Richter über Cindy Sherman und Anselm Kiefer bis Jeff Koons. Zwischen 1000 Euro und 100.000 Euro liegen die Preise im Online-Geschäft, alles, was darüber liegt, wird „offline“ in alle Welt verkauft.

Karin Srb hatte die Idee. Selbst passionierte Sammlerin moderner Kunst – über 90 Arbeiten schmücken ihr Zuhause in Bogenhausen – wollte sie international Gefragtes übersichtlich in ihrer Online-Galerie anbieten, um Kunstkäufern die eigene Suche auf einem schwer überschaubaren Markt zu erleichtern.

Sicherheit garantieren rund 150 namhafte Galerien weltweit, darunter Thomas Modern in München oder Thaddäus Ropac in Salzburg und Paris, oder David Zwirner in New York, über welche die Arbeiten bezogen werden. „Sie sind durch ihre jahrelange Erfahrung Echtheits- und Qualitätsgaranten“, erklärt Karin Srb.

Die Online-Kunsthandlung bietet aber auch jede Menge Information, die von einer Kunstjournalistin und einem Kurator zusammengetragen werden: Marktanalysen zu Künstlern und Sujets, Nachrichten aus der Kunstwelt, einen Ausstellungs- und Messekalender – und natürlich auch persönliche Beratung durch ­Sachverständige – via Telefon oder E-Mail. Mehrere Mitarbeiter arbeiten daran im Büro in der Infanteriestraße – neben einem externen Netzwerk.

Karin Srb kümmert sich um die kreative Seite der Firma, Sven Ley um die Zahlen – das hat er studiert. Das Marketing wird gemeinsam erarbeitet.

Dafür kommt Sven Ley jede Woche aus London nach München geflogen und lässt seine Frau mit den Kindern Balthazar (5 1/2) und ­Clementine (3 1/2) für ein paar Tage allein. Seine neueste Vermarktungsidee: Statt der klassischen Hochzeitsliste – das Online-Sammelgeschenk eines Kunstwerks. Dabei wird der ganze Freundeskreis über ein automatisches Infosystem auf dem Laufenden gehalten.

Die Halbgeschwister ergänzen sich, hatten aber noch nie längere Zeit miteinander gearbeitet: „Das einzige gemeinsame Projekt war, dass wir versucht haben, Escada zurückzukaufen.“ Das Familienunternehmen, das seinen Namen von einem Rennpferd hat.

Vor knapp einem Jahr ist Karin Srb mit ihrer Kunsthandlung online gegangen. Sven Ley kam erst im Frühjahr als Verstärkung hinzu. Er sieht im Kauf von Kunst einen dreifachen Mehrwert: als Lustobjekt, zur Dekora­tion und als Investment.

Manchmal auch als lebenslange Erinnerung. Karin Srb: „Mein erstes Kunstgeschenk von Mami und meinem Stiefvater Wolfgang war ein kleiner Chagall – der ist mit mir von Wohnung zu Wohnung gezogen und begleitet mich bis heute.“

Ulrike Schmidt

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