Ende der Kreativ-Krise

Das neue Sportfreunde-Stiller-Album im tz-Check

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Flo (v.l.), Rüde und Peter kicken wieder auf der Bühne

München - Endlich sporteln sie wieder! Sechs Jahre nach dem letzten Studioalbum und vier Jahre nach dem Platin-Projekt MTV Unplugged In New York, sind die Sportfreunde Stiller zurück.

Endlich sporteln sie wieder! Sechs Jahre nach dem letzten Studioalbum, der Nummer-1-Platte La Bum, und vier Jahre nach dem Platin-Projekt MTV Unplugged In New York, sind die Sportfreunde Stiller zurück. Das MTV-Hit-Monster, das Peter Brugger, Rüde Linhof und Flo Weber beinahe aufgefressen hätte, ist gezähmt, die Kreativ-Krise überwunden. Morgen erscheint das neue Album New York, Rio, Rosenheim. Die Single-Auskopplung Applaus, Applaus schaffte es auf Anhieb von 0 auf 1 der bayerischen Charts. Die tz hat die neue Scheibe bereits gehört. Nach erster Skepsis macht sie immer mehr Spaß.

Hier die zwölf neuen Songs im Schnelldurchlauf:

1 – Hymne auf Dich: Start mit dem Morsezeichen für „S-F-S“, die Gitarren scheppern. „Hey Hey, My My“, meldet sich Brugger mit legendärem Neil-Young-Zitat zurück, „Selbstkritik will never die“. Er bleibt der charmanteste Nichtsänger diesseits von Germering. „Sing doch mal gelegentlich eine Hymne auf Dich“, empfiehlt er allen Zweiflern und nicht zuletzt sich selbst. Kein so überragender Einstieg wie Der Titel vom nächsten Kapitel auf La Bum. Wäre auch verdammt viel verlangt. Aber ein druckvoller Start. Ohrwurm!

2 – Wenn Pferde schlafen: Nächster Rocker, Peter hormonell verwirrt im Liebesrausch. „Räum meine Schuhe in den Trockner und füll Zucker in mein Bier.“ Schwer hat’s den Ärmsten erwischt, denn: „Immer wenn ich denke, ich denke an nichts, denk ich immer nur an Dich.“ Absolutes Hit-Potenzial!

3 – Applaus, Applaus: Die neue Sporties-Hymne kennt man schon aus dem Radio. Als erste Single okay – doch wie Schmachten noch viel besser geht, zeigte Bassist Rüde Linhof mit dem sterbensschönen Dein Lächeln, das er für die Münchner Rapperin Fiva produzierte. Verhaltener Beifall.

4 – New York, Rio, Rosenheim: Hier wird’s textlich albern. Brugger legt los mit „Wir strahlen wie ein Reaktor nach ’nem Pilzrisotto.“ Hauptsache originell – in diesem Fall misslungen. Der „Zündet die Kerzen an“-Refrain ist routiniert, aber als Titelsong keine Offenbarung.

5 – Unter unten: Die Sporties nehmen sich in Sachen Niveau kraftvoll selbst auf die Schippe: „Unter uns und unter unten ist noch jede Menge Platz.“ Cooler „Dödödöpp“-Refrain, klasse Song. Vergleich mit dem unübertrefflichen 1. Wahl wäre unfair.

6 – Es muss was Wunderbares sein (von mir geliebt zu werden): Der Ringo-Song. Drummer Flo Weber darf ans Mikro, With A Little Help From His Friends, und singt mäßiger als Peter. Doch die ironische Macho-Nummer entfaltet viel Charme. Amüsanter Piano-Schunkler.

7 – Clowns & Helden: Gewaltiger Ohrenkleber mit NDW-Anleihen und druckvollen Gitarren. „Ich bin ein Clown, ich bin ein Held, und alles, was Dir gefällt“ – mitreißender Refrain, feine Reime. Sporties-Fans, singt Euch warm – das Teil geht live garantiert mächtig ab!

8 – Festungen und Burgen: „Wohin trägst Du Dein verletztes Herz?“, erkundigt sich Brugger. Feuerzeug-Ballade, die nicht recht zünden will. Pulver feucht.

9 – Wieder kein Hit: Akustik-Nummer übers Prokrastinieren – Peter chillt lieber als pflichtgemäß einen neuen Hit zu liefern. Blick zurück ohne Zorn auf schwierige letzte Jahre. Lässiger Easy-Listening-Sound mit Mädchenchor. Gelungen.

10 – Lederjacke: Endlich wieder Rumpeln! „Ich schenke Dir mein ganzes Leben, doch meine Lederjacke kriegst Du nicht.“ Das erinnert inhaltlich schwer an „Du kannst die Katze behalten, doch die Stadt gehört mir“ von Rüde und Fiva, ist aber nicht ganz so inspiriert.

11 – Let’s Did It: Elektro-Sound mit Gaga-Text, fast wie bei Peters skurrilem Solo-Abenteuer TipTop. „Stopp Deinen Hirnfick, und tanz mal hier mit.“ Sporties ganz anders, muss man nicht mögen, kann man aber. Auf keinen Fall fad.

12 – Wunder fragen nicht: Klassische Sportfreunde-Hymne als Rausschmeißer. Nicht schlecht, aber lieber zurück zu Wenn Pferde schlafen oder Clowns & Helden.

Jörg Heinrich

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