Durch Aufwand zum Erfolg?

Erste Eindrücke von "Der Baader Meinhof Komplex"

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Herb (Patrick von Blume; r), Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek; l) und Ingrid (Anna Thalbach; M) in einer Szene des Films "Der Baader Meinhof Komplex"

Wer die Produktionsmittel besitzt, hat die Macht. In Sachen Kino verfügen wohl in Deutschland derzeit niemandens Produktionen über größere Mittel als die Bernd Eichingers.

Nach dem Untergang will der nun über ein weiteres Kapitel deutscher Geschichte ein Stück Deutungshoheit gewinnen – getreu dem bewährten Prinzip: Über den Aufwand zum Erfolg. 74 Drehtage verkündet das Presseheft stolz, 123 Sprechrollen, 6300 Komparsen, 140 Motive. Eine Alexandra Maria Lara oder Jasmin Tabatabai bekommt da kaum eine Minute Leinwandzeit.

Und der angeleierte Medien-Hype fordert schon erste „Opfer“: Er muss beim Gespräch das Handy anlassen, erklärt Regisseur Uli Edel. Die Kriminalpolizei sucht ihn – kein Witz! Er hatte unlängst verlauten lassen, dass man ihm den wahren Mörder von Hanns Martin Schleyer verraten habe.

Radikal: Die besten Bilder aus dem Film "Der Baader Meinhof Komplex"

Radikal: Die besten Bilder aus dem Film "Der Baader Meinhof Komplex" © Constantin Film
Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) vor seiner Verhaftung. © Constantin Film
Herb (Patrick von Blume), Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) und Ingrid (Anna Thalbach). © Constantin Film
"2. Juni 1967" vor der Deutschen Oper in Berlin. © Constantin Film
Kommunarde (Christian Näthe) während der Schah-Demo. © Constantin Film
Der Schah-Besuch in Berlin, 1967. © Constantin Film
Die Entführung des Hanns Martin Schleyer (Bernd Stegemann). © Constantin Film
Entführung von Hanns Martin Schleyer. Vorne Peter-Jürgen Book (Vinzenz Kiefer), auf dem Auto Willy Peter Stoll (Hannes Wegener). © Constantin Film
Ruth (Sandra Bergmann) bei der Schleyer-Entführung. © Constantin Film
Astrid (Katharina Wackernagel) in der Haftanstalt Köln-Ossendorf. © Constantin Film
Petra Schelm (Alexandra Maria Lara). © Constantin Film
Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) in Stammheim. © Constantin Film
Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) in Stammheim. © Constantin Film
Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) in Stammheim. © Constantin Film
Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) und Horst Mahler (Simon Licht) im Palästinenser-Camp. © Constantin Film
Brigitte Mohnhaupt (Nadja Uhl) und Regisseur Uli Edel. © Constantin Film
Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) mit ihrem Ehemann Klaus (Hans-Werner Meyer). © Constantin Film
Die Verhaftung des Holger Meins (Stipe Erceg). © Constantin Film
Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek). © Constantin Film
Studentenunruhen beim Schah-Besuch in Berlin, 1967. © Constantin Film
Im Gerichtssaal von Stammhein: Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) und Andreas Baader (Moritz Bleibtreu). © Constantin Film
Das Filmplakat. © Constantin Film

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Die Weltpremiere im Mathäser

Oscar-Chance für "Der Baader Meinhof Komplex"

Nichts Neues, meint er. Aber jetzt plötzlich wären die Behörden hellhörig. „Von wegen ‚aufgearbeitet‘“, höhnt da Edel. Der Baader Meinhof Komplex ist Teil eines noch immer anhaltenden Prozesses.

Was liefert eine solche Fiktionalisierung Neues? Um die Bilder geht es, meint Stefan Aust, Autor des zugrundeliegenden Sachbuch-Dauerbrenners. Bei einem Buch, einer nur auf vorhandenem Material basierenden Doku entstehen die Bilder im Kopf. Beim Kinofilm aber „werden die Bilder 1:1 ins Gehirn eingebrannt“. So wie Aust das sagt, klingt es nach einer prima Sache.

Jeder Krieg ist auch ein Krieg um Bilder, nie war das bewusster als zur Vietnamzeit; die ungeschminkte TV-Berichterstattung über die Greuel war eine wichtige Zutat im gefährlichen Gemisch der Radikalisierung. Und auch die Terroristen sind gern ins Kino gegangen. Holger Meins war sogar Filmhochschüler – deshalb ist sein Tod Uli Edel damals auch besonders nahegegangen, deshalb ist sein Tod jetzt fragwürdigerweise der einzige im Film, der ausführlich und elegisch emotionalisiert wird.

Marlon Brando in The Wild One, mit Lederjacke, androgyn, eitel, komme durchaus als Vorbild für Baader in Frage, sagt Aust. Von Baader selbst allerdings gibt es überraschenderweise keinen Meter Film, auf dem er sprechend zu sehen wäre. „Man wollte ihm damals kein Forum bieten“, glaubt Moritz Bleibtreu, der ihn verkörpert. Ein Fehler, wie er findet: Hätte man Baader vor die Kamera gelassen, mit seiner seltsamen Diktion, seinem Lispeln, wäre viel von der Illusion kaputt gegangen. Die Abwesenheit von Bildern hat erst die Projektionsfläche zur Legendenbildung geliefert.

Der Baader-Terror folgte durchaus einer Art „Star-System“, mit Baader selbst als Superstar –  ein Tatmensch, der erst in Stammheim wirklich politisch geworden ist. Dort wurden die Vorbilder auch literarischer: Gudrun Ensslin wählte für die Gruppe Decknamen aus Melvilles Moby Dick – mit, klar, Baader als Kapitän Ahab. Dass sie ausgerechnet diese Geschichte wählte, so Edel, „heißt aber auch, dass sie da schon wusste, dass sie mit dem Tod aller enden muss. Sie haben diesen Mythos gelebt. Nur einer überlebt im Buch, Ishmael, der Erzähler. Irmgard Möller lebt diese Rolle bis heute.“

Ein hochinteressanter Gedanke, der im Film nicht zu finden ist. Das hätte man verbalisieren müssen, meint Edel, und das wollte er nicht. Der Film folgt dem „Primat der Praxis“ (Aust) und lässt fast nur die Gewalttaten sprechen.

Nur eine Kraft hält da dagegen – Martina Gedeck als Ulrike Meinhof, die durch das Liefern des ideologischen Unterbaus der Gruppe erst ihre Bedeutung gab. Von Meinhof gibt es ironischerweise eine Flut audiovisuellen Materials, in das sich Gedeck hineingewühlt hat, um sich ihre „ökonomische Gestik, Physis“ anzueignen, die „in Spannung steht zu dem Fanatismus, Radikalismus“.

Gedeck strahlt im Gespräch, im Suchen nach Formulierungen eine Intensität aus, als sei sie ihre Rolle noch immer nicht ganz los. Und sie sagt einen entscheidenden Satz, den der bildfixierte Film vielleicht hätte mehr bedenken können: „Sie hat im Grunde ihre Taten mit Worten getan, und ihre Worte sind zur Tat geworden.“Uli Edel kann unterdessen auf einen Oscar hoffen: Sein Film wird ins Rennen um den besten nichtenglischsprachigen Film nach Los Angeles gehen.

Thomas Willmann

Staraufgebot in München: Die Premiere von "Der Baader Meinhof Komplex"

Staraufgebot in München: Die Premiere von "Der Baader Meinhof Komplex" © 
Am Dienstagabend versammelte sich die nationale Filmelite in München. Im Mathäser Filmpalast feierte Bernd Eichingers "Der Baader Meinhof Komplex" Premiere. Wir zeigen Ihnen, wer sich auf dem roten Teppich die Ehre gab. Hier sehen Sie Heino Ferch und seine schwangere Frau Jeanette. © babirad
Regine Sixt mit Wolfgang Seyboldt © babirad
Ralph Weyler mit Frau Birgit und Sohn Stefan © babirad
Sunnyi Melles - Sunnyi Prinzessin zu Sayn - Wittgenstein - Sayn mit Mann Peter, Kinder Constantin, Leonille © babirad
Klaus Doldinger mit Frau Inge mit Sohn Nicolas © babirad
Max von Thun © babirad
Stefan Aust mit Familie © babirad
Heino Ferch mit seiner schwangeren Frau Marie Jeanette © babirad
Katharina Wackernagel © babirad
Sonya Kraus mit Florian Odendahl © babirad
Joseph Vilsmeier mit Tochter Josephine © babirad
Gottfried John mit Frau Brigitte © babirad
Florian Langenscheidt © babirad
John Friedmann mit Natascha Ochsenknecht © babirad
Andrea Sixt mit Cord Tröbst © babirad
Stipe Erceg mit Hannah Herzsprung © babirad
Moritz Bleibtreu mit Johanna Wokalek © babirad
Vinzenz Kiefer mit Josephine Preuss © babirad
Jan Josef Liefers mit Katharina Wackernagel und Heino Ferch © babirad
Martina Gedeck © babirad
Gunter Sachs mit Frau Mirja © babirad
Michaela May mit Mann Bernd Schadewald © babirad
Bernd Eichinger mit Regisseur Uli Edel © dpa
Sebastian Blomberg mit Franziska Schlattner © babirad
Sebastian Blomberg mit Jan Josef Liefers, Hanah Herzsprung, Stipe Erceg, Katharina Wackernagel und Vinzenz Kiefer © babirad
Bernd Eichinger, seine Frau Katja Hofmann und seine Ex Barbara Rudnik (r.) © babirad
Vinzenz Kiefer mit Eltern © babirad
Detlef Bothe © babirad
Bruno Ganz und Nadja Uhl © babirad
Fred Kogel und Freundin Rhea Geisler © babirad
Doris Dörrie und Mann Martin © babirad
Sandra Arabian © babirad
Alexander Held © babirad
Mehmet Scholl und Freundin Jessica © babirad
Götz Otto © babirad
Barbara Rudnik © babirad
Es war Rudniks erster großer öffentlicher Auftritt nach ihrer Krebserkrankung © babirad

Quelle: tz

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