ARD versucht Scheitern zu erklären

ESC-Pleite von Cascada: Merkel ist schuld!?

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Natalie Horler ist mit Cascada am Samstag baden gegangen.

München - "Cascada", die deutsche Vertreterin beim Eurovision Song Contest in Malmö, ging völlig unter. Die ARD versucht das blamable Abschneiden mit der Politik der Bundeskanzlerin zu erklären.

Zart, zerbrechlich, geradezu elfenhaft und sehr bescheiden: So sang sich die 20-jährige Emmelie de Forest in die Herzen von Millionen Europäern und holte den Grand-Prix-Sieg nach Dänemark. Völlig zu Recht! Ihr Lied Only Teardrops war eines der besten des Abends, ihr Auftritt (barfuß!) supersympathisch. „Unsere“ Natalie Horler dagegen ging komplett unter. Gerade einmal 18 Punkte bekam der deutsche Beitrag ingesamt: sechs aus Österreich, fünf aus Israel, je drei aus Albanien und Spanien sowie einen aus der Schweiz. Das reichte am Ende für Platz 21. „Natürlich sind wir enttäuscht“, sagte Horler nach der Show in Malmö. Es sei „irgendwie ein bisschen blöd für Deutschland ausgegangen“.

Damit hat sie wohl recht. Und was sagt die ARD? Statt sich als fairer Verlierer zu erweisen, statt zu überlegen, warum Cascada nicht ankam (war es vielleicht das falsche Lied? Die falsche Band? Die zu protzige Performance in Pailletten?), sucht und findet man hier die Schuld woanders: Grand-Prix-Chef Thomas Schreiber vom NDR sinniert, dass auch die deutsche Bundeskanzlerin ein Stück Verantwortung für das ganze Schlamassel trägt. „Es gibt sicher auch eine politische Lage“, erklärte Schreiber, der innerhalb der ARD die Unterhaltung koordiniert, und meinte es wirklich ernst. „Ich will nicht sagen ,18 Punkte für Angela Merkel‘. Aber man muss eben auch sehen, da stand nicht nur Cascada, sondern da stand auch Deutschland auf der Bühne.“

Wie bitte? Die deutsche Europapolitik, das wollte uns Schreiber wohl mitteilen, soll die Ursache dafür sein, dass uns keiner mehr Punkte gibt beim Eurovision Song ­Contest? Lieber Herr Schreiber, es mag ja sein, dass die Griechen und vielleicht auch einige andere zurzeit nicht gut auf uns zu sprechen sind, aber diese Erklärung ist doch ein bisschen ­albern.

Das war der Eurovision Song Contest in Malmö

Eurovision Song Contest 2013
Der Eurovision Song Contest war wieder eine pompöse Show: Die dänische Sängerin Emmelie de Forest gewinnt, Lena patzt bei der Punktevergabe und Deutschlands Cascada kommt nur auf Platz 21. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Der Eurovision Song Contest war wieder eine pompöse Show: Die dänische Sängerin Emmelie de Forest gewinnt, Lena patzt bei der Punktevergabe und Deutschlands Cascada kommt nur auf Platz 21. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Die 20 Jahre alte dänische Sängerin Emmelie de Forest hat erwartungsgemäß den Eurovision Song Contest 2013 gewonnen. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Überglücklich hält sie die Trophäe in den Händen. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Überglücklich hält sie die Trophäe in den Händen. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Barfuß und mit dem Charme der kleinen Meerjungfrau hat sie sich durchgesetzt. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Siegerin Emmelie de Forest im Goldregen. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Barbara Schöneberger (3.v.l.) interviewt die Deutsche Jury, Alina Süggeler (l) von der Band Frida Gold, die Sänger Tim Bendzko (2.v.l.), Lena Meyer-Landrut (3.v.r.), Florian Silbereisen und Carolin Niemczyk (r) von der Band Glasperlenspiel. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Für Deutschland ging Cascada an den Start. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Sängerin Natalie Horler landete mit dem Disco-Lied „Glorious“ abgeschlagen auf Rang 21. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Sängerin Natalie Horler landete mit dem Disco-Lied „Glorious“ abgeschlagen auf Rang 21. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Lena Meyer-Landrut durfte auch wieder singen. Diesmal bei der Party für den Eurovision Song Contest (ESC) in Hamburg. © dpa
Eurovision Song Contest Malmö 2013
Belgiens Roberto Bella Rosa versuchte sein Glück mit dem Song "Love Kills". © dpa
Eurovision Song Contest Malmö 2013
Ryan Dolan hat für Irland gesungen. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Ryan Dolan hat für Irland gesungen. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Die schwedische Sängerin Sarah Dawn Finer gab ABBA's "The winner takes it all" zum Besten. © dpa
Eurovision Song Contest Malmö 2013
El Sueno de Morfeo sind für Spanien angetreten. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Norwegen schickte Margaret Berger ins Rennen. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Auch die schwedische Sängerin und Vorjahresgwinnerin Loreen hatte einen Auftritt. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Für Italien stand Marco Mengoni auf der Bühne. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Auf dem Hamburger Spi elbudenplatz gab es eine Eurovision Song Contest Party. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Auf dem Hamburger Spielbudenplatz gab es eine Eurovision Song Contest Party. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Das Duo aus Georgien: Nodiko Tatisjvili (r.) und Sophie Gelovani mit dem Lied "Waterfall". © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Ukraine schickte Zlata Ognevich ins Rennen. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Koza Mostra & Agathonas Iakovidis waren Griechenlands Kandidaten. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Koza Mostra & Agathonas Iakovidis waren Griechenlands Kandidaten. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Farid Mammadov aus Aserbaidschan. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Farid Mammadov aus Aserbaidschan. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Der Eurovision Song Contest in Malmö war eine pompöse Show. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
ByeAlex versuchte sein Glück für Ungarn. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
ByeAlex versuchte sein Glück für Ungarn. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Für Großbritannien trat Bonnie Tyler auf. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Robin Stjernberg ging für Schweden an den Start. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Die Niederlande schickten Anouk ins Rennen. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Für Schmunzeln sorgte der kuriose Auftritt von Cezar aus Rumänien. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Als eine Art Graf Dracula verkleidet trällerte der Sänger teilweise im Opernstil. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Die Dorians waren für Armenien auf der Bühne. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Russland wurde durch Dina Garipova vertreten. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Die schwedische ESC-Moderatorin Petra Mede. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Gianluca Bezzina sang für Malta. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Gianluca Bezzina sang für Malta. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Belgien wurde durch Roberto Bellarosa vertreten. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Birgit Oigemeel für Estland. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Birgit Oigemeel für Estland. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Weißrussland schickte Alyona Lanskaya auf die Grand-Prix-Bühne. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Weißrussland schickte Alyona Lanskaya auf die Grand-Prix-Bühne. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Deutschland konnte mit Cascadas Lied "Glorious" nicht punkten. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Heiße Küsse gab es beim Auftritt von Krista Siegfrids für Finnland. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Krista Siegfrid war für Finnland angetreten. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Aliona Moon sang für Moldavien. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Andrius Pojavis für Litauen. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Amandine Bourgeois für Frankreich. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Die Fans waren begeistert. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Die Fans waren begeistert. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Die Fans waren begeistert. © dpa
Eurovision Song Contest 2013
Der Eurovision Song Contest war wieder eine pompöse Show: Die dänische Sängerin Emmelie de Forest gewinnt, Lena patzt bei der Punktevergabe und Deutschlands Cascada kommt nur auf Platz 21. © dpa

Sie ist natürlich praktisch, weil sich die ARD so nicht mit den wirklichen Gründen auseinandersetzen muss. Und der offensichtlichste ist: Natalie Horler war die falsche Kandidatin – falsch ausgewählt von einer Jury der ARD. Zur Erinnerung: Wenn es nach den deutschen Radiohörern und TV-Zuschauern gegangen wäre, hätte am Samstag die bayerische Kombo LaBrassBanda auf der Bühne gestanden. Die Jury beim deutschen Vorentscheid (Tim Bendzko, Roman Lob, Anna Loos, Mary Roos und Peter Urban ) konnte den Jungs aus dem Chiemgau aber nichts abgewinnen – und ebnete Cascada so den Weg nach Malmö. Pikant schon damals: Das Trio mit Frontfrau Natalie Horler ist bei derselben Plattenfirma unter Vertrag wie Anna Loos’ Band Silly, Roman Lob und Mary Roos.

Alles in allem war der Samstag in Malmö also kein guter Tag – zumal sich Lena Meyer-Landrut auch noch einen peinlichen Patzer leistete: Die 21-Jährige durfte als Jurypräsidentin die deutsche Punktewertung verkünden, verhaspelte sich total und gab zehn Punkte zunächst nach Norwegen statt nach Dänemark, wo sie hin sollten. Werner Martin Doyé, der bei Frontal 21 im ZDF die Satire Toll macht, twitterte: „Nicht nur, dass wir offenbar keine Punkte kriegen, wir können auch keine Punkte vergeben.“ Es kann nur besser werden.

thy

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