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ESC-Pleite von Cascada: Merkel ist schuld!?

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Von: Stefanie Thyssen

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Natalie Horler ist mit Cascada am Samstag baden gegangen. © dpa

München - "Cascada", die deutsche Vertreterin beim Eurovision Song Contest in Malmö, ging völlig unter. Die ARD versucht das blamable Abschneiden mit der Politik der Bundeskanzlerin zu erklären.

Zart, zerbrechlich, geradezu elfenhaft und sehr bescheiden: So sang sich die 20-jährige Emmelie de Forest in die Herzen von Millionen Europäern und holte den Grand-Prix-Sieg nach Dänemark. Völlig zu Recht! Ihr Lied Only Teardrops war eines der besten des Abends, ihr Auftritt (barfuß!) supersympathisch. „Unsere“ Natalie Horler dagegen ging komplett unter. Gerade einmal 18 Punkte bekam der deutsche Beitrag ingesamt: sechs aus Österreich, fünf aus Israel, je drei aus Albanien und Spanien sowie einen aus der Schweiz. Das reichte am Ende für Platz 21. „Natürlich sind wir enttäuscht“, sagte Horler nach der Show in Malmö. Es sei „irgendwie ein bisschen blöd für Deutschland ausgegangen“.

Damit hat sie wohl recht. Und was sagt die ARD? Statt sich als fairer Verlierer zu erweisen, statt zu überlegen, warum Cascada nicht ankam (war es vielleicht das falsche Lied? Die falsche Band? Die zu protzige Performance in Pailletten?), sucht und findet man hier die Schuld woanders: Grand-Prix-Chef Thomas Schreiber vom NDR sinniert, dass auch die deutsche Bundeskanzlerin ein Stück Verantwortung für das ganze Schlamassel trägt. „Es gibt sicher auch eine politische Lage“, erklärte Schreiber, der innerhalb der ARD die Unterhaltung koordiniert, und meinte es wirklich ernst. „Ich will nicht sagen ,18 Punkte für Angela Merkel‘. Aber man muss eben auch sehen, da stand nicht nur Cascada, sondern da stand auch Deutschland auf der Bühne.“

Wie bitte? Die deutsche Europapolitik, das wollte uns Schreiber wohl mitteilen, soll die Ursache dafür sein, dass uns keiner mehr Punkte gibt beim Eurovision Song ­Contest? Lieber Herr Schreiber, es mag ja sein, dass die Griechen und vielleicht auch einige andere zurzeit nicht gut auf uns zu sprechen sind, aber diese Erklärung ist doch ein bisschen ­albern.

Das war der Eurovision Song Contest in Malmö

Sie ist natürlich praktisch, weil sich die ARD so nicht mit den wirklichen Gründen auseinandersetzen muss. Und der offensichtlichste ist: Natalie Horler war die falsche Kandidatin – falsch ausgewählt von einer Jury der ARD. Zur Erinnerung: Wenn es nach den deutschen Radiohörern und TV-Zuschauern gegangen wäre, hätte am Samstag die bayerische Kombo LaBrassBanda auf der Bühne gestanden. Die Jury beim deutschen Vorentscheid (Tim Bendzko, Roman Lob, Anna Loos, Mary Roos und Peter Urban) konnte den Jungs aus dem Chiemgau aber nichts abgewinnen – und ebnete Cascada so den Weg nach Malmö. Pikant schon damals: Das Trio mit Frontfrau Natalie Horler ist bei derselben Plattenfirma unter Vertrag wie Anna Loos’ Band Silly, Roman Lob und Mary Roos.

Alles in allem war der Samstag in Malmö also kein guter Tag – zumal sich Lena Meyer-Landrut auch noch einen peinlichen Patzer leistete: Die 21-Jährige durfte als Jurypräsidentin die deutsche Punktewertung verkünden, verhaspelte sich total und gab zehn Punkte zunächst nach Norwegen statt nach Dänemark, wo sie hin sollten. Werner Martin Doyé, der bei Frontal 21 im ZDF die Satire Toll macht, twitterte: „Nicht nur, dass wir offenbar keine Punkte kriegen, wir können auch keine Punkte vergeben.“ Es kann nur besser werden.

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