Sara Schätzl über den Weg zu sich selbst

Ex-Teppichluder: "Die Bulimie war meine Freundin"

+
Sara Schätzl: Bulimie-Beichte auf 275 Seiten .

München - Ein Gespräch mit Teppichludern ist erfahrungsgemäß wenig spannend. Eine Begegnung mit Sara Schätzl ist da überraschend anders. Noch immer redet sie viel, aber jetzt weiß sie auch was. Nämlich, wie sie den Kampf gegen die Bulimie gewonnen hat.

Sie war eines dieser Mädchen, die aus dem Nichts auf dem roten Teppich auftauchen und als Luder, Ex von oder bestenfalls niedliche Moderatorin im sogenannten Society-Karussell mitfahren. Ganz nach dem Motto: Hauptsache bekannt, egal wie. Sara Schätzl führte jahrelang so ein belangloses Leben – gestellte Paparazzifotos als Geliebte von Schauspieler Bernd Herzsprung oder Marc Terenzi brachten ihr zweifelhafte Berühmtheit ein.

Ein Gespräch mit solchen Teppichludern ist erfahrungsgemäß wenig spannend. Alles dreht sich ums Aussehen und Ausgehen.

Eine Begegnung mit Sara Schätzl ist da überraschend anders, tiefer, persönlicher. Noch immer redet sie viel, aber jetzt weiß sie auch was. Denn sie hat wirklich was zu sagen, nämlich, wie sie den Kampf gegen die Bulimie gewonnen hat. Oder besser gesagt – dabei ist, zu gewinnen. „Seit sieben Monaten habe ich mich nicht mehr übergeben“, sagt sie stolz im Gespräch mit der tz-Kolumnistin. Geheilt sei sie deshalb nicht. Aber: „Ich bin zum ersten Mal ich selbst“. Und um sich nie mehr zu verlieren, hat sie angefangen in den letzten Monaten der Therapie ein Buch zu schreiben. Hungriges Herz hat sie es getauft, weil diese Fress-Brech-Sucht ja nichts anderes sei, als Hunger nach Liebe. „Selbst­liebe kannte ich nicht. Ich war immer unsicher, mochte mich nie. Das Einzige, was ich an meinem Körper einigermaßen schön fand, waren meine Handgelenke!“

Zwölf Jahre ging das so. Weder ihr Elternhaus in Donauwörth noch ihr erster Freund oder später die diversen Nachtleben-Bekanntschaften haben irgendwas bemerkt. Sie beschreibt, wie sie im Supermarkt log, für ihre ganze Familie einkaufen zu müssen, wie ihr die Haare ausfielen, sie mit tubenweise Cremes gegen ihre trockene Haut ankämpfte.

Nur in der Schwangerschaft konnte sie kurz­zeitig den zerstörerischen Kreislauf unterbrechen, doch dann „klopfte sie an die Tür, die alte Bekannte. „Wann immer (...) zu wenig Liebe war, war sie da. Die Bulimie“, schreibt sie eindringlich. „Er war gegangen, und sie kam zurück.“

Mit er ist der Vater des kleinen Louis (2) gemeint, DJ Jerome Isma-Ae, der die kleine Familie nach der Geburt verlassen hatte. „Sechs Monate habe ich nur geheult“, so Schätzl. Dann fasste sie einen Entschluss: Weg, weg aus München, weg auch von dieser „schrillen, lauten, scheinbar mutigen Kunstfigur“, die sie bis dato immer so gern in den Clubs gespielt und die sie in ihrem ersten Buch Glamourgirl so schillernd beschrieben hat.

Gelandet ist sie vor zwei Jahren in Los Angeles („Englisch konnte ich einigermaßen, und das Wetter dort ist gut“), hat sich dort, erst mit Erspartem, dann mit Jobs, eine Existenz aufgebaut. Der Sender Vox verfilmte ihr Auslandstagebuch, sie bekam erste Filmrollen, ist sogar unter knapp 100 Bewerbern an einer der renommiertesten Schauspielschulen angenommen worden.

Doch noch immer war die Bulimie ihr ständiger Begleiter. „Ich hatte keinen Anreiz, damit aufzuhören.“ Erst, als sie zweimal ins Krankenhaus kam, einmal mit lebensgefährlichen Herz-Rhythmus-Störungen, wurde ihr unmissverständlich klar: Damit man ihr nicht ihren Sohn wegnimmt, muss sie aufhören. „Es war wie loslaufen im dunklen Tunnel, in der Hoffnung, am Ende ist Licht.“ Nach den ersten Monaten merkte sie, wie „der Körper wieder seinen normalen Betrieb aufnimmt“, wie es ihr körperlich und bald auch psychisch so viel besser geht. Sie macht wieder Sport, lernt jetzt sogar gesundes Kochen – „auch weil es doch vielleicht zu einer guten Ehefrau dazu gehört, oder?“ Denn das wäre ihr größter Wunsch: sich wieder zu verlieben.

„Und noch etwas: Ich würde gerne mal einen Tatort drehen und den mit meiner Oma und meiner Mama auf der Couch anschauen – und die beiden wären stolz auf mich.“

Maria Zsolnay

Auch interessant

Meistgelesen

Emily Ratajkowski besucht Basketball-Match - ihr „Shirt“ lässt kaum Raum für Fantasie
Emily Ratajkowski besucht Basketball-Match - ihr „Shirt“ lässt kaum Raum für Fantasie
Lena Meyer-Landruts heißeste Aufnahmen! Alte Oben-ohne-Fotos von Sängerin im Netz
Lena Meyer-Landruts heißeste Aufnahmen! Alte Oben-ohne-Fotos von Sängerin im Netz
Tiefschlag von Sarah Lombardi: Pietro muss diese offenen Sätze jetzt verkraften
Tiefschlag von Sarah Lombardi: Pietro muss diese offenen Sätze jetzt verkraften
Micaela Schäfer: Skandal-Auftritt bei Abiball - Schulbehörde völlig entsetzt 
Micaela Schäfer: Skandal-Auftritt bei Abiball - Schulbehörde völlig entsetzt 

Kommentare