Ein Promi tut sich besonders schwer

Experte: So führen Sie richtig Smalltalk

Alexander Graf von Schönburg
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Alexander Graf von Schönburg.

München - Alexander Graf von Schönburg (45) hat ein Buch namens "Smalltalk" geschrieben. Er erklärt, dass man auch über Intimes reden darf und wie man auch als kleiner Mann auf dem Weltparkett bestehen kann.

Facebook, Twitter & Co machen’s möglic

320 Seiten für den perfekten Auftritt auf gesellschaftlichem Parkett: "Smalltalk – die Kunst des stilvollen Mitredens", Alexander von Schönburg, Rowohlt Berlin, 16 Euro. Ab heute im Handel.

h: Nie zuvor in der Menschheitsgeschichte wurde so viel kommuniziert wie heute. Die Sache habe nur einen Haken, sagt Alexander Graf von Schönburg (45): „Wir verlieren die Fähigkeit, miteinander zu sprechen!“ Er beobachte das ja täglich in Bus und U-Bahn, jeder schaue nur noch in ein elektronisches Gerät. Schönburgs Gegenrezept: Er möchte die aussterbende Kunst des Smalltalks wiederbeleben – weil sie unser Leben um so vieles reicher macht und Konversation das ist, was uns ja von allen anderen Spezies dieser Erde unterscheidet.

In seinem Buch Smalltalk verrät der in Berlin (mit Frau und drei Kindern) lebende Bestsellerautor und Journalist jetzt, wie Smalltalk funktioniert, dass man auch über Sex reden darf und wie man auch als kleiner Mann auf dem Weltparkett bestehen kann.

Herr von Schönburg, wie haben Sie die Kunst der Konversation gelernt?

Von Schönburg: Ich hatte dank meiner Familie – aber auch dank meines Berufs – das Glück, viele großartige Menschen zu treffen. Ich durfte Lord Rothschild über das Kreditwesen, Franz Beckenbauer über Fußball und Allen ­Ginsberg über Drogen ausfragen. Und der alte Heini Thyssen war sich nicht zu schade, mir als Fünfzehnjährigem seine Sicht auf den Kunstmarkt zu erklären.

Sie geben ja ganz schön an …

Von Schönburg: Zugegeben! Sie würden das bei einer Konversation natürlich viel raffinierter machen. Aber ein bisschen rausgerutschtes Namedropping gehört dazu.

Wie bewegt man sich auf gesellschaftlichem Parkett elegant? 

Von Schönburg: Wir leben in den liberalsten Zeiten, die dieser Globus je erlebt hat. Ob Dame mit Bart, ob gepierct oder im gestärkten Hemd und Fliege, heutzutage darf jeder so sein, wie er ist. Man muss weder über große Weltkenntnis verfügen noch allzu gewandt im Umgang sein.

Will heißen …?

Von Schönburg: Jeder ist willkommen. Je bunter, desto besser. Es gibt Platz für ­Maschmeyer- und Klitschko-Figuren, für Diogenes- und Paris-Hilton-Typen, sogar Tölpel und Mauerblümchen erfüllen auf jeder Party einen wichtigen Zweck.

Also keine Angst vor Peinlichkeiten?

Von Schönburg: Peinlich wird es nur, wenn ein Maschmeyer einen auf Berthold Beitz macht oder ein Klitschko so tut, als sei er Henry Kissinger. Sei, wer du bist, dann hast du die Chance, der zu werden, der du sein kannst.

Jetzt wird’s philosophisch … Zur Praxis: Wie fang ich ein Gespräch an?

Von Schönburg: Wenn ich darüber vorher nachdenke, hab’ ich schon verloren. Mein Tipp: mehr zuhören, weniger quatschen. Geben Sie Ihrem Gegenüber das Gefühl, dass Sie ganz bei ihm sind. Bill Clinton beherrscht das perfekt. Selbst wenn er nur 30 Sekunden mit einem spricht.

Und wer kann’s gar nicht?

Von Schönburg: Joschka Fischer. Der interessiert sich nur für sich selbst.

Ein Einzel-Phänomen?

Von Schönburg: Leider nicht. Wir sind ja die Generation der Selfies …

Gibt’s irgendwelche Tabuthemen?

Von Schönburg: Religion, Verdauung …

… und Sex?

Von Schönburg: Darüber darf man natürlich reden. Es gilt aber die Faustregel: Je größer die Story, desto kleiner der Schwanz. Aber die Bedeutung von Sex im täglichen Leben wird generell überschätzt …

Kann man Smalltalk denn üben?

Von Schönburg: Natürlich. Überall. Im Supermarkt, am Kiosk, plaudern Sie doch mit den Menschen. Ich habe bisher nur positive Reaktionen darauf erlebt. Wenn Sie den Menschen das Gefühl geben, interessant zu sein, dann ist das sexier als Sex. Aber sie müssen sich natürlich wirklich für sie interessieren.

WdP

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