tz blickt hinter die Kulissen

Silbereisen: "Die große Bühne brauche ich nicht"

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Florian Silber­eisen im Jahr 2014 – ein richtig guter Show­master.

München - Florian Silbereisen feiert sein 10-jähriges Bühnen-Jubiläum. Die tz traf den Entertainer zum Interview und durfte bei einer Live-Show einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Zehn Jahre ist es her, dass Florian ­Silbereisen zum ersten Mal "Das Winterfest der Volksmusik" moderierte. Der jüngste Star am Samstagabend titelte die tz im Februar 2004 über den Nachfolger von Carmen Nebel, der damals gerade mal 22 Jahre alt war. An diesem Samstag steigt nun "Das große Fest zum Jubiläum", um 20.15 Uhr, im Ersten. Mit welchen Gefühlen Florian Silbereisen an seine Premiere denkt und wie sich sein Leben verändert hat, erzählt er im Interview.

Florian, welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Show vor zehn Jahren?

Florian Silbereisen: Die Zeit war sehr emotional für mich. Damals haben nur ganz wenige Menschen an mich geglaubt. Plattenfirmen und Manager haben uns am Anfang boykottiert und gesagt: Wenn dieser junge Mann die Show übernimmt, kommen unsere Künstler nicht mehr. Das war eine enorme Drucksituation, für mich und für die Verantwortlichen.

Wie haben Sie die Show selbst dann erlebt?

Silbereisen: Es gab ein paar Szenen, an die ich mich genau erinnere. Nach etwa einer Stunde zeigte mir der Fernsehdirektor den „Daumen hoch“. Da war ich erst mal erleichtert. Der emotionalste Mo­ment war aber, als mir mein Manager Micha­el Jürgens erzählte, dass Rudi Carrell an­gerufen habe.

Florian Silbereisen: "Man muss mitlachen können. Und das kann ich"

Rudi Carrell? Was hat er gesagt?

Silbereisen: Er hat uns gratuliert. Sinnge­mäß hat er gesagt: „Ich dachte, mein Be­ruf ist ausgestorben, aber jetzt habe ich den Florian gesehen und weiß: Mein Beruf lebt weiter.“ Als ich das hörte, brachen bei mir alle Dämme. Das war ein Ritterschlag. Es hat mir Selbstvertrauen gegeben.

In den ersten Jahren mussten Sie trotzdem viel Kritik und Häme einstecken. Stefan Raab hat Sie mal als „Senioren-Stricher“ bezeichnet. 

Silbereisen: Jaja (lacht).

Wie viel Kraft haben Sie gebraucht, um das zu ertragen?

Silbereisen: Das Wichtigste ist, dass man selbst überzeugt ist von dem, was man macht. Man darf sich von äußeren Einwirkungen nicht abbringen lassen. Wir hatten von Anfang an Millionen Zuschau­er, die unsere Sendung gesehen haben. In erster Linie habe ich für diese Menschen die Sendung gemacht und nicht für die, die sie später verrissen haben. Wenn man in der Unterhaltung arbeitet, darf man nicht jedes Wort ernst nehmen. Man muss mitlachen können. Und das kann ich.

Inzwischen macht sich keiner mehr lustig. Selbst Kritiker, die mit Volksmusik nichts anfangen können, geben zu, dass Sie ein guter Entertainer sind. Was würden Sie sagen – wann war der Wendepunkt? 

Silbereisen: Ich kann da keinen konkre­ten Zeitpunkt nennen. Ich glaube, dass man Vorurteile und Vorbehalte nur durch Leistung wegbekommt. Man muss immer wieder aufs Neue überzeugen. Und: Wir haben die Show immer wieder verändert, weiterentwickelt und Trends gesetzt.

Silbereisen: "Weiß, dass ich aufpassen muss, was ich sage"

Zum Beispiel?

Silbereisen: Wir haben zum Beispiel schon vor Jahren unsere Stars mit Schlittschuhen auf Eis laufen lassen. Da hat das Privatfernsehen später eine ganze Showreihe draus gemacht. Und wir haben Grenzen niedergerissen. Künstler aus den unterschiedlichsten Genres treten nebeneinander und manchmal sogar miteinan­der bei uns auf: Wo sonst sehen Sie Nina Hagen, Chris de Burgh, Götz Alsmann mit Semino Rossi oder Andrea Berg auf der Bühne stehen?

Abgesehen von der Show – Sie selbst haben sich auch verändert. 

Silbereisen: Ich bin halt älter geworden (lacht).

Ihr „Styling“ ist doch auch anders als früher. Die Haare sind ab, die Anzüge lässiger. Das ist doch kein Zufall!

Silbereisen: Ach, das würde ich nicht so hochhängen. Das ist doch normal, dass man sich mal die Haare abschneidet. Ich bin einfach ein Stück erwachsener ge­worden.

Auch härter? 

Silbereisen: Nein, härter nicht. Ich weiß natürlich heute – und das ist vielleicht schon ein Unterschied zu vor zehn Jahren –, dass ich besser aufpassen muss, was ich sage und mache.

Weil Sie unter ständiger Beobachtung stehen?

Silbereisen: Ja klar. Wenn ich mich mal danebenbenehme, steht das am nächsten Tag in der Zeitung. Aber das passiert Gott sei Dank nicht mehr so oft (lacht).

Florian Silbereisen: "Die große Bühne brauche ich nicht"

Wie hat sich Ihr Leben sonst verändert?

Florian Silbereisen und Helene Fischer sind seit 2008 ein Paar. Wie gestaltet sich der Alltag? „Es ist alles eine Frage der Organisation“, sagt er.

Silbereisen: Jedenfalls nicht so stark wie viele glauben. Ich lebe immer noch in meinem Haus bei Passau, habe immer noch dieselben Freunde wie vor zehn, 15 Jahren. Das ist mir auch wichtig, dass ich ein privates Umfeld habe, das mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Abgesehen davon: Ich habe immer davon geträumt, auf einer großen Bühne und in der Öffentlichkeit zu stehen. Da kann ich mich jetzt nicht darüber beschweren, wenn mich die Menschen auf der Straße ansprechen.

Sie strahlen Gelassenheit aus. 

Silbereisen: Ja, ich bin gelassen, das trifft es ganz gut.

Haben Sie manchmal Angst, dass Ihnen die Kraft ausgeht?

Silbereisen: Nein, überhaupt nicht. Natürlich hänge ich auch mal durch. Aber wenn ich auf der Bühne stehe und sehe, dass so viele Leute sich Zeit genommen und Geld bezahlt haben und sich auf die Show freuen – wenn man da nicht motiviert ist, wann denn dann? Das ist für mich ein Glücksgefühl.

Könnten Sie sich ein Leben ohne die große Bühne noch vorstellen?

Silbereisen: Absolut. Ich brauche Musik in meinem Leben, aber die große Bühne brauche ich nicht. Ich habe jahrelang auf Hochzeiten und in Festzelten gespielt und war glücklich. Dass es irgendwann eine neue Dimension bekommen hat, darüber freue ich mich. Aber ich bin mir sicher, wenn das große Showgeschäft nicht mehr ist, komme ich auch klar. Definitiv.

Interview: Stefanie Thyssen

Ein Abend hinter den Kulissen mit Florian Silbereisen

So richtig nett, so richtig nett, so richtig nett ist’s nur im Bett …

Wenn Florian Silbereisen den schmissigen Hit von Peter Alexander anstimmt, hält es die rund 3500 Zuschauer in der Halle nicht mehr auf ihren Plätzen. Der 32-Jährige gibt alles auf der Bühne – er hat sich einen Pyjama angezogen, kuschelt sich in eine Decke und spielt wunderbar mit seinem Publikum. Es läuft gut für den Entertainer an diesem Abend. Dabei gehört „der Florian“, wie seine Fans ihn liebevoll nennen, eigentlich tatsächlich ins Bett. Eine Grippe macht ihm zu schaffen, er nimmt Antibiotika und fühlt sich schwach. Aber – die Show muss laufen. „Wenn man sich schont, wird’s nur schlimmer“, hat er vor dem Auftritt gemeint. „Ich weiß, dass auf der Bühne alles gut gehen wird. Ich kann mich durchbeißen.“

Silbereisen-Fan: "Der Florian ist so normal geblieben"

Wir sind in Oberhausen. Es ist Freitagabend, und "Das Fest der Feste" steigt in der König-Pilsener-Arena. Die Show zur TV-Sendung, wenn man so will. Wie im TV ist Silber­eisen auch hier der Gastgeber, er führt durch den Abend, der unter dem Motto steht: „Volksmusik macht Spaß, auch wenn es keiner zugibt.“ Mit dabei sind unter anderen DJ Ötzi, die sechs feschen Burschen von VoXXclub – und die tz, die exklusiv einen Blick hinter die Kulissen werfen darf.

Als Florian pünktlich um 19.30 Uhr die Bühne betritt, klatschen die Fans frenetisch. Die meisten sind im besten Alter, unter 50-Jährige findet man kaum. Viele haben sich schick gemacht für den Abend und die Karten, die zwischen 40 und 70 Euro kosten, lang im voraus gekauft. „Der Florian ist so normal geblieben, das mag ich an ihm“, sagt eine Dame neben mir, die sich jede (!) Show mit ihrem Star im TV anschaut und ihn nun zum ersten Mal live erlebt.

Florian Silbereisen ist ein Vollprofi, einer mit viel Leidenschaft obendrein

Und in der Tat. Er ist ein sehr sympathischer Typ, freundlich, zuvorkommend und vor allem: hoch professionell und diszipliniert. Seit Februar ist er auf Tour, mehr als 30 Städte stehen auf dem Programm. Ein irres Pensum. „Es macht jeden Abend aufs neue Spaß“, erzählt er. „Die Leute sind gut drauf, die Show ist sehr kraftvoll, es läuft gut.“ In München wird er auch zu Gast sein, am 10. Mai im Circus Krone. Tickets gibt es keine mehr. Silbereisen ist gefragt. Ein Superstar.

Vor zehn Jahren hat er seine erste Samstagabend-Show präsentiert. Ein Riesentalent, das war vielen klar. Musikalisch, selbstbewusst und ohne Scheu vor der Kamera. „Ich werde meine Texte nicht ablesen“, hat er damals gesagt, kurz vor seiner Premiere im Ersten. „Entweder ich schaffe das so oder ich bin kein Samstagabend-Moderator.“ Bis heute hält er keine Kärtchen in der Hand, wenn er auf der Bühne steht. Während sich die Pilawas und Lanz’ dieser Fernsehwelt an ihren aufgeschriebenen Fragen regelrecht festhalten, moderiert Silbereisen komplett frei. Schon Tage vor der Sendung lernt er seine Texte auswendig, hängt sich rein, büffelt den Ablauf. Das ist bei den Live-Shows der Tournee nicht anders. Silbereisen funktioniert, kennt jede Zeile, jede Bewegung, jeden Tanzschritt wie aus dem Effeff. Er ist ein Vollprofi, einer mit viel Leidenschaft obendrein. Und das merken die Leute. Er meint es ernst mit ihnen. Er weiß, dass er seinen Fans seine Karriere verdankt.

Florian Silbereisen "ist er einer der wenigen wirklich guten Showmaster"

Sein Team, das mit ihm durchs Land reist, ist viele Jahre dasselbe: Ronny, der Fahrer, Christa, die sich um seine Garderobe kümmert, Charly, der fürs leibliche Wohl sorgt, und Sylvia, die Maskenbildnerin, die ihn „schon eine halbe Ewigkeit kennt“, wie sie nicht ohne Stolz erzählt. „Mir ist es wichtig, dass wir uns alle gut kennen im Team“, sagt er. „Wir wissen, wie der andere tickt, das verkürzt die Wege. Abgesehen davon, dass es viel mehr Spaß macht, wenn man mit Menschen zusammenarbeitet, die man mag.“

Spontan kommt an diesem Abend auch Peter Dreckmann vorbei, der Unterhaltungschef des MDR, der unter anderem die Silbereisen-Shows im Ersten verantwortet. „Florian ist ein wundervoller und unglaublich vielseitiger Entertainer“, sagt er. „Vor allem aber ist er einer der wenigen wirklich guten Showmaster, die wir in Deutschland haben. Er ist ein absoluter Profi und ein richtiger guter Typ.“ Das „Gesamtpaket“ Silber­eisen stimme einfach, und deswegen sei es ihm „eine große Freude und Ehre“, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Florian Silbereisen steigt erst kurz nach Mitternacht in sein Auto

Als sich die Show am vergangenen Freitag in Oberhausen dem Ende zuneigt, ist Florian ganz schön k. o. Das Publikum verlangt nach Zugaben. Es bekommt sie – natürlich. Nach einer kurzen Pause nimmt er sich noch Zeit für Autogramme, glückliche Fans machen Bilder fürs Familienalbum. Nach Mitternacht steigt der 32-Jährige dann ins Auto und fährt ins Hotel. Viel Zeit zum Schlafen ist nicht. Am nächsten Morgen geht es nach Magdeburg, wo am Samstag die große Jubiläumsshow steigt. Zehn Jahre Florian Silbereisen im Ersten werden dann gefeiert, live in der ARD. Es hätte schlechter laufen können für den einst jüngsten Star am Samstagabend.

Stefanie Thyssen

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