Ex-Showmaster im tz-Interview

Frank Elstner verrät Methode im Kampf gegen Parkinson - seine Frau machte ihm dafür ein kurioses Geschenk

Moderator Frank Elstner
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Einer der bekanntesten Entertainer Deutschlands: Frank Elstner hat sich aus dem Showgeschäft zurückgezogen – das Foto entstand 2019.

Der beliebte Showmaster Frank Elstner („Wetten, dass...?“) spricht im Interview über seine Parkinson-Erkrankung und was ihm seine Frau geschenkt hat, damit er in Form bleibt.

München – Er hat mit „Wetten, dass…?“ die erfolgreichste Fernsehshow Europas erfunden und moderiert. Charmant führte er jahrelang durch „Jeopardy!“ und „Verstehen Sie Spaß?“: Frank Elstner, 79, einer der ganz großen Entertainer, dreht heute Tierreportagen, genießt das Familienleben mit seiner dritten Ehefrau Britta und seinen fünf Kindern.

Elstner geht offensiv mit seiner Gehirnerkrankung um

Doch bei allem Glück liegt ein Schatten über seinem Leben: 2016 erhielt der Showmaster die Diagnose Parkinson – und zählt damit zu den prominenten Parkinson-Patienten wie der bayerische Liedermacher Fredl Fesl, Schauspieler Ottfried Fischer oder Boxlegende Muhammad Ali. Elstner geht offensiv mit seiner Gehirnerkrankung um. Spekulationen über seinen Gesundheitszustand wollte er vermeiden, deshalb hat er sein Leiden 2019 in der Sendung von Markus Lanz* publik gemacht – und sich seither intensiv mit der Krankheit auseinandergesetzt. Insbesondere auch im Austausch mit Professor Dr. Jens Volkmann. Der Klinikdirektor der Neurologie am Würzburger Universitätsklinikum Würzburg ist einer der führenden Parkinson-Forscher und hat nun zusammen mit Elstner das Buch „Dann zitter ich halt – Leben trotz Parkinson“ geschrieben. Das bislang persönlichste Buch des bekannten Moderators erscheint heute. Im Interview gewährt Elstner ganz persönliche Einblicke in seine Parkinson-Geschichte.

Herr Elstner, wie geht es Ihnen heute, fünf Jahre nach Ihrer Diagnose?

Ziemlich gut, zum Glück. Ich bin noch nicht sehr eingeschränkt im Alltag – mein Krankheitsverlauf ist bisher relativ milde. Bislang bin ich von schlimmen Defiziten verschont, habe glücklicherweise keine Schwierigkeiten, mich zu artikulieren und auch keine außergewöhnlichen Gedächtnislücken. Mein Arzt spricht bei mir deshalb eher von einem „Parkinsöhnchen“. Damit motiviere ich mich selber und kämpfe gegen den Feind in mir.

Die Vorstellung, ein zitternder und schwerfälliger alter Mann zu werden, ist nicht gerade berauschend.

Frank Elstner über seine Parkinson-Diagnose

Wie lässt sich der „Gegner“ Parkinson am besten in Schach halten?

Mit ganz viel Bewegung. Ich schwimme viel, außerdem hat mir meine Frau einen Boxsack geschenkt, gegen den kämpfe ich fast täglich. Es ist wichtig, dass man so vernünftig wie möglich lebt. Kaum Alkohol. Und dazu bewegen, bewegen, bewegen. Eine gesunde Ernährung ist wichtig. Ich muss und will aktiv dagegenhalten und mich nicht gehen lassen, kein Weichei werden. Aber ich merke, dass ich beim Treppen hochlaufen mehr schnaufe als früher. Wenn ich einen Bordstein runtergehe, schaue ich inzwischen ganz genau, wie hoch er ist, damit ich nicht stolpere, falle und mir im schlimmsten Fall etwas breche.

Als die Symptome  auftraten, habe ich sie nicht als Vorboten einer heimtückischen Krankheit wahrgenommen, denn sie hatten sich gut getarnt.

Elstner über die erste Zeit mit der neuen Krankheit

Was ist Ihnen 2016 bei der Diagnose „Parkinson“ durch den Kopf gegangen?

Für mich war die endgültige Diagnose natürlich erst einmal ein Schock. Die Vorstellung, ein zitternder und schwerfälliger alter Mann zu werden, ist nicht gerade berauschend. Dann habe ich mich umfassend über die Krankheit informiert. Dabei erlebte ich ein extremes Wechselbad der Gefühle. Einerseits die beruhigende Erkenntnis, dass Parkinson die Lebensdauer nicht entscheidend verkürzt. Andererseits ist da natürlich das Wissen um die immense Menge an möglichen negativen Folgen – unkoordinierte Bewegungen, Sprachstörungen, Gedächtnisprobleme, Blasenstörungen, Verstopfungen, ein starrer Blick, eingeschränkte Mimik, sexuelle Störungen, Depressionen, Konzentrationsschwächen, Demenz, ja, sogar Wahnvorstellungen können auftreten.

„Dann zitter ich halt – Leben trotz Parkinson“ von Frank Elstner und Jens Volkmann. Piper. 240 Seiten. 20 Euro

Hatten Sie die Erkrankung vor der Diagnose auf dem Schirm?

Als die Symptome erstmals auftraten, habe ich sie nicht als Vorboten einer heimtückischen Krankheit wahrgenommen, denn sie hatten sich harmlos gegeben und sich gut getarnt. Ich habe sie deshalb als leidige Begleiterscheinungen des Älterwerdens abgetan, gelegentlich auch auf Stress zurückgeführt. Oder als eine individuelle Note toleriert beziehungsweise auf die lange Liste angeborener Eigenarten geschoben, die mich schon ein Leben lang mehr oder weniger heftig begleiten. Wie das Zittern. Dass meine Hände manchmal zitterten, war für mich nichts Ungewöhnliches, ebenso wenig, dass sie gelegentlich eiskalt waren – das war dem Lampenfieber geschuldet, das sich im Laufe der Jahrzehnte, trotz aller Erfahrung, vor jedem Auftritt, vor jeder Show und jeder Moderation einstellt. Stutzig wurde ich, als ich registrierte, dass ich mich bei meinen Fernsehsendungen zunehmend unwohler fühlte, wenn ich beispielsweise ein Glas hochheben sollte – weil unübersehbar war, dass es deutlich zitterte.

In welchen Momenten oder Situationen hadern Sie mit Ihrer Krankheit?

Die mentalen Defizite, die man bekommen kann – vor denen fürchte ich mich manchmal schon. Eines Tages nicht mehr selbstbestimmt leben zu können. Ich weiß nicht, ob ich meinen Humor und meine Lust zu leben dann noch behalten könnte. Jede Krankheit, die als „unheilbar“ klassifiziert ist, berührt den Menschen – auch die Familie, die Freunde, die Arbeitskollegen. Interview: Susanne Höppner *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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