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"Generation Hitparade": Was macht eigentlich Karel Gott?

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Der tschechische Sänger Karel Gott in jungen Jahren (links) und heute. © dpa/Weissfuss

München - Sie sind unsere größten Schlager-Stars. Zu Zeiten der legendären ZDF-"Hitparade" wurden sie berühmt. Aber was machen Sie heute? In Teil 1 der tz-Serie: Karel Gott.

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Der größte Hit von Karel Gott: "Einmal um die ganze Welt"

Wir erwischen Karel Gott übers Handy, im Autofonds, er ist auf der Fahrt nach Castelrotto (für die deutschen Schlagerfans natürlich Kastelruth) zum Open-Air-Konzert am Abend. Grade hat er die (ehemalige) Grenze nach Österreich überquert. Erist über den Berg. Wie geht’s, Karel Gott? „Stimme ist okay, aber der Rücken“ – krächzt er und lacht. Und dann zur Erklärung: „Das ist ein alter Tenorwitz, man muss dazu eine richtig heisere Stimme faken.“ Gott ist heute gut drauf.Wie immer eigentlich, sagen die, die ihn näher kennen. Mein Gott, Karel Gott. Als ich ein kleiner Bub war, hab ich am Fernseher die Biene Maja mitgeträllert, und gerne auch Einmal um die ganze Wälld – und natürlich dabei versucht, diesen unverkennbaren Gott-Knödel in der Kehle hinzukriegen.

Kaum 40 Jahre später hab ich ihn an der Strippe. Viel unterwegs? Stress? „Ach was“, meint der „Sinatra des Ostens“, die „Goldene Stimme aus Prag“. „Gestern München, heute Südtirol, morgen Abend bin ich wieder in Prag. Aber das ist kein Stress für mich. Ich liebe das.“ Man glaubt es ihm. „Singen und Reisen, meine Hobbys, sind zum Beruf geworden, besser geht’s doch nicht.“ Einmal um die ganze Welt also. „Und nicht nur einmal: Ich war schon mehrmals in New York“, persifliert er Udo Jürgens. „Und auch schon zwei Mal auf Hawaii“… Jetzt, im Auto, sitzt seine Sekretärin Jutta vor ihm, deren Mann chauffiert. Autobahn, Flugzeug, Zug. Seit über dreißig Jahren schweben sie so von Konzert zu Konzert. Karel Gott hat immer die gleichen Leute um sich, Stammbesetzung sozusagen. „Das ist wie Familie“, sagt Sekretärin Jutta dazu und Karel Gott nennt den Grund: „Never change a winnig team“ ...

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Aber Wandel muss dann doch sein. Mit der Zeit gehen, immer was Neues machen. So kommt es zum Beispiel dazu, dass 2010 für das Duett-Album „Leben“ so ungewöhnliche Paarungen wie Gott- Hartmut Engler, Gott-Udo Lindenberg, Gott-Xavier Naidoo, Gott-DJ Ötzi, oder Gott-André Rieu gesucht und gefunden werden. Oder dass er mit Skandal-Rapper Bushido 2008 „Für immer jung“ (ein Cover des 80er-Jahre-Alphaville- Hits „Forever Young“)schmettert. Für den 72-jährigen Gott war es ein „völlig ernst gemeinter Ausflug in eine andere Stilrichtung“. Keinesfalls ein Anbiedern bei der jungen Generation. Gott ist und war in seiner Heimat Tschechien seit jeher Grenzgänger zwischen Pop- und Schlager, Genregrenzen sind ihm sowieso ein Gräuel. „Blue Jeans in der Seele haben“ heißt das im Team Gott – eine Textzeile aus der besagten Kooperation mit Bushido.„ Der Satz gefällt mir tatsächlich sehr“, sagt Karel Gott. Aber ein Lebensmotto sei das nicht. „Weil als junger Mensch hatte ich dieses Blue-Jeans-Gefühl sowieso“, und jetzt, die letzten Jahre, sei „das Jungbleiben auch einfach so gekommen, ganz automatisch, dank des Berufes, und auch dank der Kinder …“ Karel Gott hat zwei kleine Mädchen, fünf und drei Jahre alt und zwei erwachsene Töchter. „Meine Älteste ist schon 38, fünf Jahre älter als meine junge Frau Ivana“, lacht er. Da muss man schon fit sein.

Als Gott vor wenigen Jahren die schöne Ivana überraschend in Las Vegas heiratete, überschlugen sich die tschechischen Medien. Nachrichtenagenturen und Internetportale legten Eilmeldungen auf, Radios spielten Gott-Songs, Zeitungen brachten Sonderseiten…

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Aber man solle es auch nicht übertreiben mit dem Jugendwahn. Alles habe seine zwei Seiten. „Ich mag es nicht, wenn jemand sein Alter so demonstrativ zeigt.“ Erst recht nicht auf der Bühne. Das Publikum müsse es selber merken, wie man drauf sei. Johannes Heesters mache ja auch keine Witze über sein Alter. „Zu mir hat er mal gesagt: ,Disziplin und weitermachen, Junge!’ – „Das hat mir gefallen, dass er ,Junge‘ zu mir gesagt hat. Er ist der Einzige, der das bisher gemacht hat. Das hat mir geschmeichelt.“

Absolut kein Gedanke ans Aufhören also. Man solle da gar nicht so viel überlegen. „Warum auch? Ich finde es auch Quatsch, zu sagen, wenn’ s am besten ist, soll man aufhören. Vielleicht ist es am nächsten Tag ja noch besser?“ In seiner Heimat Tschechien füllt Superstar Karel Gott immer noch problemlos die großen Hallen. 15.000, 20.000 Zuhörer, zwei, drei Mal hintereinander. Bei uns sind es noch Konzertsäle und viele Galas.

Apropos – gibt’s ein Lieblingslied unter seinen deutschen Songs? Nein, sagt er: „Ich orientiere mich immer an den Wünschen der Leute.“ Und auch nach tausend Mal Biene Maja dürfe man „bloß nicht sagen, das sei alter Schrott. Im Gegenteil, ich denk mir immer, wie schön wäre es, noch mal so einen Hit haben zu können.“

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Das aber wird heute zunehmend schwieriger. Die schöne Melodie allein zähle nicht mehr. „Heute muss man überraschen, vielleicht ein bisschen provozieren.“ Wohl dem, der wie Karel Gott da nach 40 Jahren Tausende Songs im Repertoire hat. „Wenn mir heute nichts mehr Neues einfällt, kann ich trotzdem zwei Wochen nonstop singen.“ Für einen richtigen Mega-Hit gebe es heute einfach „zu viel Konkurrenz, zu wenig deutsche Musik und auch zu viele TV-Sender.“Früher, zu ZDF-Hitparade-Zeiten, bei nur zwei Sendern, „da haben wir Hits über Nacht gemacht“, gerät Gott ins Schwärmen. Wie bei seinem deutschen Durchbruch 1967 mit dem Schiwago-Schmachtfetzen "Weißt du wohin?" – „Ich hab’ in der Pause des Europacup-Finales Deutschland gegen England gesungen. Das ganze Land hat zugeschaut. Die Straßen wie leer gefegt. Und nach einer Woche gab es Gold. Davon kann man heute nur noch träumen…“

Oliver Menner

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