Kritik zum Philharmoniker-Konzert 

Gergievs Bruckner überzeugt, Jansens Brahms enttäuscht 

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Janine Jansen solierte bei Brahms Violinkonzert unter Maestro Gergiev.

München - Wenn Star-Violinistin Janine Jansen und der neue Chef der Münchner Philharmoniker, der vielumjubelte Valery Gergiev, zusammenkommen, muss Großes dabei herauskommen? Nur zum Teil.

Zwei der drei großen „B“ und damit zwei Drittel Kernkompetenz der Münchner Philharmoniker sind jetzt über die Bühne der Philharmonie gegangen: vor der Pause Brahms’ Violinkonzert, nach der Pause Bruckners Vierte (fehlt noch Beethoven). Und siehe da: Durfte man vor der Pause enttäuscht sein, obwohl die 37-jährige Ausnahme-Geigerin Janine Jansen als Solistin am Werk war, konnte man bei Bruckner zumindest klar und deutlich erkennen, wo es unter Valery Gergiev die nächsten fünf Jahre langgehen soll.

Nach der Pause wurde sozusagen das Spiel gedreht - zeitgleich zum FC Bayern gegen Wolfsburg im Münchner Norden. Und wie klingt Gergievs Bruckner? Mit Celis Himmelsklängen hat’s nix zu tun. Bei Gergiev (62) ist wenig Raum für Gottesdienst nach Noten. Aber: Der Maestro bietet immerhin eine kristallklare, entschlackte und überraschend unknallige Interpretation der Sinfonie mit dem unseligen Beinamen Romantische. Das klingt gut geprobt, die Balance zwischen den Instrumentengruppen mit betörendem Blech, homogenem Holz (Oboe, Klarinette!) und starken Streichern sitzt, und Gergiev legt viel Wert auf Nebenstimmen. So nie gehört: der Beginn des Finales mit hauchzartem Pochen im Kontrabass. Gewöhnungsbedürftig unbedrohlich-unfatalistisch, aber zwingt zum Ganz-genau-Hinhören.

Weniger differenziert klang’s vor der Pause. Doppelt schade, weil Janine Jansen eigentlich für Top-Qualität bürgt. Doch Gergiev konzentriert sich vorwiegend aufs Orchester, lässt die Solistin ziemlich alleine. Brahms bleibt stumpf, unorganisch. Buchstabieren statt Musizieren. Jansen leistet sich ungewohnte Schwächen in Intonation und Bogentechnik. Fast logisch, dass das feurige Finale am besten gelang. Da braucht’s am wenigsten Kommunikation zwischen Dirigent und Solistin.

Musik gemacht wurde vor der Pause allerdings schon noch: bei Jansens Bach-Sarabande aus der d-Moll-Partita als Zugabe mit hauchzart verklingendem Schlusston.

M.B.

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