Das Wochenend-Interview

Gerhard Polt im Gespräch: „Freibier ist eine großartige Erfindung“

Scharfsinniger Querdenker: Gerhard Polt ist immer für eine Überraschung gut – und sei es, dass ihm zum Thema Stadtgeburtstag ausgerechnet der Weißwurstsenf einfällt. Foto: Schlaf

Er ist gebürtiger Münchner und der wohl beliebteste Kabarettist Bayerns: Gerhard Polt (76). Seine Satire-Klassiker wie „Man spricht deutsh“ oder „Fast wia im richtigen Leben“ kennt und liebt jeder.

Im Telefon-Interview aus seiner Sommerresidenz in Terracina spricht der Urbayer und Wahl-Schlierseer über das 860. Jubiläum seiner Geburtsstadt, über süßen Senf und über die Erfindung des Freibiers.

- Grüß Gott, Herr Polt. Wie geht’s Ihnen?

Ich kann ned jammern.

-Am Wochenende feiert ihre Geburtsstadt München 860. Jubiläum. Kommen Sie zur Feier?

Na, ich kann ned.

-Warum nicht?

Weil ich grad in meinem Garten in Terracina häng und lese. Ein Buch über das italienische Adelsgeschlecht der Frangipane, das den Ort im Mittelalter 200 Jahre lang terrorisiert hat, und über den Papst Urban II., der hier gewählt wurde, weils ihn in Rom umbracht hätten.

-860 Jahre München – hat das die Stadt verdient?

Logisch hat sie das. Schon allein, weil sie richtig große Visionäre hervorgebracht hat.

-Zum Beispiel?

Den Johann Develey.

-Warum ausgerechnet der?

Weil dem was Phänomenales gelungen ist. Der hat – wenn man den Historikern glauben darf – im Jahre 1854 den süßen Weißwurstsenf erfunden. Die Weißwurst gab’s aber noch gar ned. Die wurd erst drei Jahre später geboren. Unglaublich weitsichtig von diesem Develey. Der hätte eigentlich auch ein Standbild verdient.

-Die Weißwurst wurde angeblich erst 1857 vom Joseph Moser erfunden, im Ewigen Licht…

Eben. Da müsste man weiter forschen. Das ist etwas, was mich bewegt. Man muss ja auch an die Münchner vor der Vision denken.

-Wie meinen S’ des?

Naja, 860 Jahre München heißt ja dann auch, dass die Münchner genau 696 Jahre ohne süßen Senf und 693 Jahre ohne Weißwurst leben mussten. Das stell ich mir hart vor.

-Mal ganz ehrlich: Waren Sie schon einmal auf einem Stadtgründungsfest?

Freilich – auf dem 810. Und da ist mir auch was Nettes passiert…

-Wir sind ganz Ohr.

Ich stand mit einer Menge Leut vor dem Rathaus, und dann kam ein Passant vorbei, der sich gewundert hat, was der Trubel soll. Er hat dann gefragt, was hier los ist – und bekam zur Antwort: ‚De do drin feiern heid ihr Stadtfest‘.

-De do drin. Also die Großkopferten.

Genau. Eigentlich sollt sich die Stadt mal überlegen, ob sie bei so einem großen Jubiläum ned auch mal den gemeinen Münchnern was ausgibt. Nicht nur sich selber. Freibier zum Beispiel. Freibier ist so eine großartige Erfindung. Es ist die humanste Art der Auszeichnung.

-Freibier ist auch so etwas, was vielleicht irgendwann mal ein Münchner erfunden hat. Oder?

Pfeilgrad. Das könnt ich mir gut vorstellen. Es hat ja so was Gönnerhaftes, Weltmännisches und auch Lebensfrohes. Dieser Frage sollte man auch unbedingt historisch nachgehen.

-Karl Valentin ist doch auch so ein Münchner, den Sie verehren…

Eh klar. Der war ja auch ein Vordenker. Kennen S’ dem seine Zeichnungen von der Stadt in der Zukunft?

-Ehrlich gesagt: Nein.

Da weiß der Valentin schon, dass die ganze Stadt mal ein Meer aus Würfeln wird. Das Zeitalter des rechten Winkels beginnt. Und wenn man sich jetzt umschaut, ist es genau so gekommen. Grandios. Also die Vision mein ich jetzt.

-München, Terracina, Schliersee – was ist jetzt ihre Heimat?

Mei, da ist es ja überall schön. Jedes auf seine eigene Art.

-Dem Eskimo gefällt’s halt in seinem Iglu am besten, haben Sie mir mal erzählt.

Genau! Aber wenn ich im Sommer in aller Hergottsfrüh mein Bad im Schliersee nehm und a Runde schwimm – das is schon herrlich. Da halten sogar die Enten noch den Schnabel und die Sonne geht grad auf. Eine wunderbare Ruhe. Die hab ich im Juni hier in Terracina auch – und zwar einen ganzen Monat lang.

-Wenn Sie mit dem Auto nach München reinfahren – was denken Sie dann? Oder fahren Sie mit dem Zug?

Nix denk ich dann. Und freilich fahr ich mit dem Auto in die Stadt – ich bin ja ned narrisch. Die BOB fährt mit Diesel (lacht)!

-Herr Polt, vielen Dank für das Gespräch und noch eine schöne Zeit in Italien

Merci. Vielleicht treff ma uns bald mal auf eine Halbe Bier. Irgendwo in der Stadt. Servus. 

Interview: Armin Geier

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