Antisemitismus-Vorwurf

Gil Ofarim kann wegen Davidstern nicht einchecken: Verheerende Folgen für Hotel

Der Sänger Gil Ofarim steht vor einem Leipziger Hotel, daneben ein Bild von Demonstranten vor dem Gebäude (Fotomontage)
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Wegen einer Kette mit Davidstern soll Gil Ofarim von einem Mitarbeiter in einem Leipziger Hotel angefeindet worden sein – vor dem Gebäude versammelten sich nun Demonstranten, um gegen Antisemitismus zu protestieren (Fotomontage)

Gil Ofarim ist offenbar Opfer eines antisemitischen Vorfalls geworden: Beim Check-in in einem Leipziger Nobelhotel wurde der 39-jährige Sänger eigenen Schilderungen zufolge gezielt diskriminiert. Der Grund: Er trug eine Kette mit Davidstern. Die Folgen für das Hotel sind verheerend: Massen-Proteste und ein PR-Gau.

Leipzig - Es ist eine Szene, wie sie in Deutschland – nein, auf der ganzen Welt – eigentlich nicht mehr vorfallen darf: Beim Check-in in ein Leipziger Nobelhotel, wird Gil Ofarim (39) angeblich von einem Mitarbeiter aufgefordert, seine Kette mit Davidstern einzupacken – erst dann könne er wie gewünscht einchecken. Extratipp.com von IPPEN.MEDIA berichtet.

Bereits zuvor habe der in München geborene Musiker rund eine Stunde warten müssen, wurde dabei offenbar gezielt nicht berücksichtigt. Die Folgen für das Hotel in Leipzig sind verheerend: Massen-Proteste vor der Haustüre und ein PR-Gau. Nach dem Video von Gil Ofarim strömten hunderte Unterstützer zu dem Nobelhotel in Leipzig, um dort gegen Antisemitismus zu demonstrieren und ihre Solidarität mit Ofarim zu bekunden.

In einem rund zweiminütigen Clip berichtet Gil Ofarim von einem antisemitischen Vorfall in einem Leipziger Hotel – kurz darauf bekundeten zahlreiche Menschen ihre Solidarität mit dem 39-jährigen Sänger

Gil Ofarim in Leipziger Hotel antisemitisch angefeindet – „Packen Sie Ihren Stern ein!“

„Ich bin gerade sprachlos. Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll“, beginnt Gil Ofarim zögerlich sein etwa zweiminütiges Instagram-Video, in welchem der „The Masked Singer“-Zweitplatzierte von 2019 mit enttäuschter Miene vor dem Eingangsbereich des Hotels sitzt. Was der Rockmusiker zu berichten hat, liegt schwer im Magen:

Aufgrund eines Computerfehlers habe sich am Montagabend (4. Oktober 2021) eine lange Schlange in der Hotel-Lobby gebildet, schildert er. „Kann passieren, alles gut“, erklärt Ofarim – dennoch wundert er sich: „Ich stehe hier mit meiner Kette. Steht mir zu, mache ich schon mein Leben lang. Und eine Person nach der anderen wird vorgezogen.“

Schließlich kommt es zum Eklat: Gil Ofarim konfrontiert einen Mitarbeiter – Herr W. – und möchte von ihm wissen, wieso er beim Check-in benachteiligt werde. „Und da ruft irgendeiner aus der Ecke: ‚Pack deinen Stern ein!‘“, erzählt der Sohn von Musik-Ikone Abi Ofarim (†80). Doch statt seinen prominenten Gästen vor der klar antisemitischen Anfeindung zu schätzen, drängt auch Herr W. den 39-Jährigen:

„Packen Sie Ihren Stern ein!“ Anschließend dürfe er auch einchecken, heißt es – unfassbar! Während Ofarim das Geschehene noch einmal Revue passieren lässt, kämpft er sichtlich mit den Tränen. „Deutschland 2021“, fügt er fassungslos am Ende hinzu.

Nach Antisemitismus-Skandal im Nobelhotel – Hunderte bekunden Solidarität mit Gil Ofarim

Doch wo Diskriminierung herrscht, erheben hierzulande glücklicherweise auch immer mehr Menschen ihre Stimme lautstark gegen das Unrecht; zeigen sich mit den Betroffenen – wie in diesem Fall Gil Ofarim – zunehmend solidarisch. Am Dienstag (5. Oktober 2021) strömten hunderte Demonstranten zu einer friedlichen Solidaritätskundgebung vor das Leipziger Hotel und machten dort ihrem Ärger Luft.

Auch die Polizei war vor Ort. Unterstützung gab es auch von Seiten der Hotel-Angestellten, die ein mit Israel-Flaggen und dem islamischen Halbmond bedrucktes Transparent hochhielten – eine merkwürdige Geste angesichts der Rahmenbedingungen, die weder etwas mit Israel noch dem Islam zu tun hatten.

Nach Ofarim-Vorwurf: Hotel-Mitarbeiter wehrt sich und erstatt Anzeige

Antisemitismus ist – trotz der einschlägigen Geschichte Deutschlands – hierzulande nach wie vor ein großes Problem: Verschiedenen Studien zufolge haben mindesten 15 Prozent aller Deutschen ein antisemitisches Weltbild, insbesondere durch Rechtsextremisten droht Gefahr. Viele Bürger stellen wohl nun erneut die Frage, mit der Gil Ofarim auch seinen Post versah: „Haben wir denn nichts aus der Vergangenheit gelernt?“

Der Hotelangestellte nahm inzwischen Stellung zu den Vorwürfen. Der Mitarbeiter hat Anzeige wegen Verleumdung erstattet, wie saechsische.de berichtet. „Der Mann schildere den Vorfall mit dem Künstler Gil Ofarim deutlich abweichend von den Auslassungen des Musikers, sagte Polizeisprecher Olaf Hoppe am Mittwoch.

Der Hotelangestellte habe zudem noch eine zweite Anzeige wegen Bedrohung gestellt, weil sich Menschen in den sozialen Netzwerken völlig entfesselt gegenüber dem Hotelpersonal geäußert hätten. Außerdem sei bei der Polizei eine Online-Anzeige eines unbeteiligten Dritten wegen Volksverhetzung eingegangen.“

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