Brisanter Bericht über die HFPA

Golden Globes schon vorab heftig in der Kritik - Preisträger legt während Verleihung nach

Sacha Baron Cohen teilte einen Seitenhieb gegen die HFPA aus.
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Sacha Baron Cohen teilte einen Seitenhieb gegen die HFPA aus.

Bereits vor der Vergabe der Trophäen gab es nach einem brisanten Bericht mächtig Ärger um die Golden Globes. Ein Preisträger legte während der Verleihung einen Seitenhieb nach.

Beverly Hills/New York - „Nicht der passende Ort für politische Witze“, nannte Tina Fey in einem Podcast vor dem Online-Gala-Abend die 78. Verleihung der Golden Globes aus Beverly Hills und New York. Die Aussage war wohl auch als Seitenhieb gedacht. Denn letztes Jahr stand der langjährige Moderator der Veranstaltung, Ricky Gervais, wegen böser Sprüche in der Kritik. In diesem Jahr übernahmen vielleicht auch daher Fey und Comedienne-Kollegin Amy Poehler die Leitung des Abends. Es sollte also eine unpolitische Verleihung werden - die Ansage haben aber offensichtlich nicht alle Preisträger mitbekommen.

Dass die Veranstaltung nicht zum Politikum verkommt, war allerdings von vornherein schwierig. Denn kurz vor dem Start standen die Globes mächtig in der Kritik. Nach einem brisanten Bericht der Los Angeles Times wird den Veranstaltern Intransparenz und Rassismus vorgeworfen. Wie üblich entscheiden die 87 Mitglieder der Hollywood Foreign Press Association (HFPA) darüber, wer die begehrten Preise bekommt. Allerdings ist kaum bekannt, wie das Gremium zustande kommt und wie man überhaupt Mitglied werden kann.

Golden Globes: Brisanter Bericht sorgte schon vorab für mächtig Ärger

Wäre das nicht schon ärgerlich genug, deckte die LA Times noch ein anderes Problem auf, das zu viel Kritik führte. Die Zeitung will herausgefunden haben, dass sich unter den 87 Mitgliedern keine einzige schwarze Person befindet. Bereits zuvor hatte es Kritik gegeben, da in den Augen Vieler zu wenige Titel von schwarzen Filmemacher:innen oder mit schwarzen Hauptdarsteller:innen nominiert wurden. Auf Twitter meldete sich die HFPA daraufhin mit einem Statement, versprach, etwas gegen die mangelnde Diversität im Gremium zu tun. „Wir verstehen, dass wir schwarze Mitglieder sowie Mitglieder mit anderen unterrepräsentierten kulturellen Hintergründen einbeziehen müssen, und wir werden ab sofort daran arbeiten, dieses Vorhaben so schnell wie möglich auch umzusetzen,“ hieß es dort. Auch während der Verleihung wurde dieses Vorhaben immer wieder untermauert.

Das Thema war mit dem Statement allerdings bei der Preisverleihung wohl noch nicht gegessen. Trotz der Vorab-Ankündigung von Tina Fey, nicht politisch zu werden, konnte besonders Sacha Baron Cohen nicht umher, ein paar deutliche Statements abzulassen. Ausreichend Zeit zum Sprechen hatte der Schauspiel-Star. Sein Film „Borat Subsequent Movie“, der ja bekanntlich auch als Gesellschaftssatire bezeichnet werden kann und durchaus an sich schon ein politisches Statement vermittelt, gewann den Preis als beste Komödie, er selber sahnte den Titel als bester Hauptdarsteller in einer Komödie ab.

Golden Globes: Komitee der HFPA heftig kritisiert - Sacha Baron Cohen legt während Preisverleihung nach

In einer seiner Dankesreden konnte sich Cohen dann auch einen Seitenhieb gegen die HFPA nach dem Skandal, den die LA Times öffentlich gemacht hatte, nicht verkneifen. Er dankte in aller Ausdrücklichkeit der „komplett weißen Hollywood Foreign Press Association“. Damit aber noch nicht genug Politik von seiner Seite. Der erklärte Trump-Gegner witzelte auch gegen Donald Trumps* Vertrauten, Anwalt Rudy Giuliani, der in einer recht kompromittierenden Szene des „Borat“-Films vorkommt, bezeichnete ihn als „Comedy-Genie“. Außerdem erzählte Cohen, er habe den Film wegen der „Gefahren durch Donald Trump und der damals anstehenden Wahl“, gemacht. Es habe einige riskante Szenen beim Dreh gegeben, doch „das Risiko war es wert, denn unsere Demokratie war in Gefahr.“ So ganz ohne politisches Statement geht es eben also doch nicht.

Für den emotionalsten Moment der Verleihung sorgte allerdings Chadwick Bosemans Witwe Taylor Simone Ledward. Ihr verstorbener Mann wurde posthum ausgezeichnet - und sie sorgte mit bewegenden Worten für Tränen. Alle Gewinner:innen der Preisverleihung gibt es außerdem hier in der Übersicht. (han) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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