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Großvater des Apple-Designs: Dieter Rams wird 90

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Designer Dieter Rams
Der Designer Dieter Rams steht im November 2019 in einem Raum im Frankfurter Museum Angewandte Kunst, in der von ihm entworfene Produkte gezeigt werden. Jetzt wird er 90. © Sabine Schirdewahn/Dieter und Ingeborg Rams Stiftung/dpa

Der gebürtige Wiesbadener war einer der einflussreichsten Designer der Nachkriegszeit. Am 20. Mai wird er in Kronberg 90 Jahre alt. Sein Leitspruch „weniger, aber besser“ ist aktueller denn je.

Frankfurt/Main - Seine Entwürfe kennt fast jeder: Jahrzehntelang prägte Dieter Rams die Produkte des Elektroherstellers Braun. Viele werden in Museumssammlungen in aller Welt gezeigt als Beispiele für zeitloses Design.

Seine Regeln für gute Gestaltung sind bis heute prägend und haben auch das Erscheinungsbild der Apple-Geräte beeinflusst. Heute (20. Mai) wird Dieter Rams in seiner Heimat Kronberg 90 Jahre alt. Nun redet er seiner Zunft ins Gewissen.

„Unkultur des Überflusses“

Gutes Design müsse „überzeugende neue Konzepte für ein richtiges und gutes Leben in einer geschädigten Welt entwickeln“, schrieb Rams kurz vor seinem Geburtstag. Mündliche Interviews geben will er in seinem Alter nicht mehr, aber zu sagen hat er viel: „Wir müssen von der Unkultur des Überflusses, der Verschwendung, der Billigkeit im Wortsinn, aber auch im übertragenen Sinne wegkommen.“ Der schöne Schein eines Designs dürfe nicht für überflüssige Kaufanreize sorgen.

Rams sei „ein Pionier der Nachhaltigkeit“, sagt Prof. Klaus Klemp, Vorstand der Dieter und Ingeborg Rams Stiftung und Kurator des Rams-Raums im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt. Schon in den 1970er Jahren habe Rams mit seinem Credo „Weniger, aber besser“ dafür plädiert, Dinge so zu gestalten, dass sie möglichst lange halten. Diese Grundeinstellung sei heute nötiger und aktueller denn je.

Rams wurde am 20. Mai 1932 in Wiesbaden geboren. Einer seiner Großväter war Schreiner, der andere Schlosser. Der Enkel lernte zunächst Tischler, studierte dann Architektur und Innenarchitektur. Ab 1955 arbeitete er bei Braun, 1961 wurde er dort Chefdesigner. Er blieb der Firma treu, bis er 1997 in Pension ging. Eine seiner frühesten Arbeiten für Braun war 1956 die Radio-Plattenspieler-Kombi „SK 4“, die bald den Spitznamen „Schneewittchensarg“ trug.

Nebenbei entwarf er für andere Firmen Möbel. Das Regal 606 aus dem Jahr 1960 mit Metallprofilen an der Wand, in die man Bretter und Schubladen einhängt, wurde ein Klassiker und wird von Vitsoe bis heute produziert. Wenn man heute Rams' - stets nur mit Nummern benannte - frühe Arbeiten betrachtet, erkennt man sofort die Spur, die ins Heute führt: Immer wieder haben Experten darauf hingewiesen, wie ähnlich die Rams-Entwürfe dem Design der Apple-Produkte sind.

Zehn Regeln für gutes Design

Das Transistorradio „T3“ von 1958 ähnelt verblüffend dem ersten iPod von 2001. Apple-Chefdesigner Jonathan Ive habe ihm damals ein Gerät geschickt, hatte Rams 2010 der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ verraten, „mit einem sehr lieben Brief“: Ive habe ihm mitgeteilt, dass er ein großer Bewunderer seiner Arbeit sei und Rams ihn stark beeinflusst habe. Apple-Gründer Steve Jobs habe Braun-Produkte gesammelt, berichtet Klemp.

1987 bis 1997 war Rams Präsident des Rats für Formgebung (German Design Council), von 1981 bis 1997 Dozent für Industriedesign in Hamburg. Er formulierte zehn Regeln für gutes Design, die bis heute von vielen Kollegen als zehn Gebote ihres Berufsstands betrachtet werden. „Gutes Design ist....“, postulierte Rams: innovativ, nützlich, ästhetisch, verständlich, unaufdringlich, ehrlich, langlebig, konsequent bis ins letzte Detail, umweltfreundlich - und „so wenig Design wie möglich“.

Ursprünglich wollte Rams gar nicht Designer werden, sondern Architekt, sagte er 2008 in der Reihe „Ich habe einen Traum“ in der „Zeit“. Als junger Mann habe ihn die sogenannte Ulmer Schule fasziniert. „Deren Leitgedanke war es, dass man den Menschen durch bessere Architektur und bessere Gestaltung zum besseren Menschen erziehen könne.“

2007 erhielt er den Lucky Strike Designer Award. „Walter Gropius hat die Moderne in Deutschland begründet. Dieter Rams hat sie im Nachkriegsdeutschland ausgestaltet“, sagte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder damals bei der Verleihung. 2011 folgte der Hessische Kulturpreis. „Sie haben uns klüger und weltoffener gemacht, sie haben uns das Leben leichter gemacht, sie haben uns glücklicher gemacht mit ihrer Arbeit“, sagte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

Dauerausstellung in Frankfurt

Das Museum Angewandte Kunst hatte 2010 eine große Retrospektive seines Schaffens organisiert, die auch in Osaka, London und Tokio gezeigt wurde. Seine Arbeiten seien geprägt von „Innovation, Nützlichkeit, Bedienfreundlichkeit, Langlebigkeit und einer klaren Ästhetik“, hieß es damals und das gilt bis heute.

Zu seinem 80. Geburtstag 2012 wünschte sich Rams ein Geschenk für andere: 243 Exponate aus der Sammlung seines früheren Arbeitgebers - der „Braun Collection“ - zogen ans Frankfurter Museumsufer um. In einem hellen Raum mit Blick auf den Garten wird als Teil der Dauerausstellung eine - jährlich wechselnde - Auswahl seiner Produkte gezeigt. Die neueste Version ist ab 20. Mai zu sehen.

Zu seinem 90. Geburtstag will er die Dieter und Ingeborg Rams Stiftung aus seinem Privatvermögen aufstocken und „deutlich handlungsfähiger“ machen. In den nächsten Monaten will der Jubilar „über neue Handlungsfelder zur Förderung für eine bessere Gestaltung nachdenken“. Gefeiert wird laut Klemp im kleinsten privaten Kreis. dpa

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