Bitcoin-Fakes

Günther Jauch wehrt sich gegen infame Lügen - Sogar seine Freunde sprachen ihn deshalb an

Schon seit Monaten hat Günther Jauch mit gefährlichen Fakes im Internet zu kämpfen, sogar Freunde sprachen ihn darauf an. Jetzt spricht er öffentlich Klartext und warnt.

Potsdam - Dubiose E-Mails dieser Art haben viele Internet-Nutzer schon bekommen, manche massenhaft: Seriöse TV-Promis sollen durch Bitcoin-Investitionen reich geworden sein, ja sogar ihren Job gekündigt haben. Die Mails sollen zumindest den Anschein erwecken. Dieter Bohlen und Günther Jauch, Yvonne Catterfeld, Thomas Gottschalk oder Oliver Welke sind nur ein paar der Stars, deren Namen darin fallen. Auch die TV-Sendung „Höhle der Löwen“ wird immer wieder angeführt. Oft sind die Nachrichten auch im Stil großer News-Seiten aufgemacht oder wird ein TV-Sender ins Spiel gebracht (siehe Screenshot unten). Auch bei Facebook verbreitet sich das Phänomen. Doch es ist alles Fake! Noch dazu: eine Gefahr!

Wer draufklickt, landet Berichten zufolge auf Bitcoin- oder anderen Anlage-Seiten, auf denen er sein Geld investieren soll. Die Fake-News mit den Promis wirken als Zugpferde. Vor dieser Masche wird seit Monaten gewarnt, unter anderem von der Fachseite Mimikama.at, wo zu lesen ist: „Es wurden sogar gefälschte Promi-Zitate verwendet, die den Eindruck erwecken sollen, dass es sich auch um ein prominentes System handeln würde. Die Fälscher haben wirklich keinen Trick ausgelassen.“

Günther Jauch wehrt sich gegen Bitcoin-Lügen

Inzwischen hat Günther Jauch sich entschlossen, den Weg an die Öffentlichkeit zu gehen und sich gegen die üblen Lügen zu wehren. Der TV-Moderator hat der ARD ein Video-Interview gegeben, das im März im Magazin „Plusminus“ ausgestrahlt und jetzt im RBB-Verbrauchermagazin „Super.Markt“ (Sendung vom 19. April um 20.15 Uhr) erneut gesendet wurde. „Es ist eine ganz bittere Geschichte“, so Jauch. „Mir persönlich kann das ja vielleicht egal sein, aber ich weiß von vielen, vielen Menschen, die mir geschrieben haben, die hunderte, tausende, zum Teil zigtausende Euro verloren haben, ihre ganze Altersversorgung aufs Spiel gesetzt haben und auf diese Bitcoin-Anzeigen reingefallen sind. Das finde ich schon sehr, sehr bitter.“

Jauch warnt weiter: „Da wird glaubwürdig ein Märchen erzählt, wie ich mich jetzt zu Bitcoin bekannt hätte und dass ich mein ganzes Vermögen da reinsetze. Zum Teil, dass ich mit Fernsehen aufhören wollte, weil ich jetzt genügend Geld mit Bitcoin verdienen würde. Also das ist psychologisch schon relativ raffiniert gemacht.“

Ein Screenshot aus dem Günther-Jauch-Interview mit der ARD.

Günther Jauch: Sogar Freunde sprachen ihn auf Bitcoin-Fakes an

Sogar aus seinem Umfeld sei er darauf angesprochen worden, verrät der 64-Jährige weiter. „Freunde oder gute Bekannte schreiben mir, weil sie das für bare Münze nehmen und sagen: ‚Wie kannst du dich denn für Bitcoin hergeben? Was ist denn das für eine seltsame Werbung, mit der du da zu tun hast?‘“

Anonym kommt in den ARD-Verbrauchersendungen auch ein Betroffener zu Wort. Er habe kleine Beträge investiert, sein Kontostand sei immer wieder gewachsen. Am Telefon habe er sich überzeugen lassen und 40.000 Euro investiert. Als er sich seinen Gewinn auszahlen lassen wollte, habe der Anbieter gefordert, er solle zuerst Steuern oder Gebühren berappen. Von seinem investierten Geld oder gar dem Gewinn habe er dem Bericht vom März zufolge bisher nichts gesehen. Alles weg!

Günther Jauch spricht eindringliche Warnung aus

Und wie hält es Günther Jauch nun tatsächlich mit Bitcoins? Der „Wer wird Millionär?“-Moderator, der sich kürzlich über das Hobby einer Kandidatin lustig machte*, wie extratipp.com berichtet, gesteht: „Ich hab noch nie in meinem Leben einen Bitcoin besessen. Ich gebe auch zu, dass ich das System bis heute noch nicht ganz verstehe. Ich würde das auch nie anfassen. Kaufen Sie sich meinetwegen einen Schnaps oder ein Sofa, was Prominente empfehlen. Aber bitte nicht, was Geldanlage angeht.“

Bitcoin-Betrugsmasche mit Promis wie Günther Jauch: Auch Polizei warnt

Auch die Polizei warnt vor Bitcoin-Betrug. Die Hamburger Behörde etwa weist darauf hin, dass die Gauner nicht nur über E-Mails, sondern auch über Partnerbörsen wie Tinder Kontakt aufnehmen. „Spätestens wenn die Opfer eine Aus- oder Rückzahlung veranlassen wollen, bricht der Kontakt ab“, schreibt die Hamburger Polizei. Weiter heißt es: „Neben dieser neuen Form der Kontaktaufnahme versuchen die Betrüger auch, über unseriöse Spam-Mails, Anzeigen in Onlinemagazinen oder auffällige Werbebanner auf verschiedenen Internetseiten das Interesse ihrer Opfer zu wecken. Häufig werden hierbei Fotos und Namen von prominenten Personen, TV-Sendern usw. missbräuchlich verwendet, ohne dass diese etwas davon wissen.“

Die Polizei Hamburg gibt Internet-Nutzern deswegen folgende Tipps:

  • Personen, die Sie auf virtuellen Plattformen kennenlernen, sind nicht immer die, die sie vorgeben zu sein.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn ungewöhnlich hohe Gewinne versprochen werden.
  • Schließen Sie Investments nur bei Banken oder Sparkassen ab, bei denen eine europäische Einlagensicherung besteht.
  • Spekulationen mit Kryptowährungen unterliegen generell sehr großen Risiken.
  • Die Durchsetzung zivilrechtlicher Forderungen gegenüber ausländischen Vertragspartnern ist sehr schwer bis unmöglich.
  • Achten Sie bei Internetangeboten auf ein nachvollziehbares Impressum.
  • Seien Sie vorsichtig bei der Herausgabe persönlicher Daten. 
  • Die Verbraucherzentrale bietet zu diesen und anderen Themen Beratungsangebote an.

Ein Opfer aus Bayern hat laut Polizeipräsidium Oberbayern durch eine Bitcoin-Betrugsmasche tatsächlich 800.000 Euro verloren. (tz.de) *tz.de und extratipp.com sind Angebote von IPPEN.DIGITAL

Rubriklistenbild: © Screenshot RBB-“Super.Markt“

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