Country- und Schlagersänger

Gunter Gabriel: Leben und Karriere des Sängers

 Gunter Gabriel, Kuenstler gegen AIDS , Gala 2011
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Gunter Gabriel war bei seinen Fans als der „deutsche Johnny Cash“ bekannt

Gunter Gabriel (†75) fasste in den 1970er Jahren als Schlagersänger in der Musikbranche Fuß. Nicht nur künstlerisch, sondern auch privat führte der „deutsche Johnny Cash“ ein bewegtes Leben. Alle Infos zum Werdegang, zur Karriere und das Privatleben des Musikers.

  • Gunter Gabriel (†75) begann seine Karriere in den 1970er Jahren als Schlagersänger im Country-Stil.
  • Wie sein großes Vorbild Johnny Cash war auch Gabriels Leben geprägt von zahlreichen Höhenflügen und schweren Schicksalsschlägen.
  • Die letzten 20 Jahre seines Lebens verbrachte er auf einem Hausboot in seiner Wahlheimat Hamburg.

Hamburg – Der deutsche Sänger Gunter Gabriel hatte sich seit den 1970er Jahren in der Musikbranche einen Namen gemacht. Seine Schlagersongs waren stark vom Country-Stil geprägt, weswegen er gerne mal als Trucker- oder Fernfahrer-Musiker bezeichnet wurde. Vor allem aber mit seiner Johnny-Cash-Interpretation erlangte er Kult-Status. Ebenso wie sein amerikanisches Vorbild war Gabriels eigene Reise bis zu seinem Tod 2017 von zahlreichen Höhen und Tiefen geprägt.

Gunter Gabriel, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Günter Caspelherr hieß, wurde am 11. Juni 1942 in Bünde/Westfalen geboren.

Er wuchs gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester in Bünde und Kirchlengern auf. Bereits seine Kindheit war von schweren Schicksalsschlägen überschattet. Als er gerade mal vier Jahre alt war, starb seine Mutter, nachdem sein Vater sie zu einer Abtreibung mit einer Stricknadel gedrängt hatte. Nur einem Jahr nach dem tragischen Tod heiratete sein Vater neu. Häusliche Gewalt stand häufig auf der Tagesordnung. Sein Vater soll ihn oft geschlagen haben. Schnell wollte Gabriel auf eigenen Beinen stehen und brach vorzeitig sogar die Volksschule ab, um Geld zu verdienen. Hierfür schlug er sich auch mit zahlreichen Jobs im Ausland durch. Trotzdem galt seine große Leidenschaft immer der Musik. Später brach er nach seinem Fachabitur sogar das Maschinenbau-Studium an der FH Hannover ab, um sich ganz der Musik zu widmen. Zunächst verdiente er sich als DJ und Promoter bei einer Plattenfirma seine Brötchen. Dadurch trat er allerdings auch in Kontakt mit diversen Künstlern, für die Lieder komponierte. So schrieb er 1970 seinen ersten Song für den deutschen Sänger Norman Ascot.

Gunter Gabriel – Erste Erfolge in den 1970er Jahren

1974 gelang ihm mit dem Trucker-Song „Er ist ein Kerl (der 30 Tonner Diesel)“ sein erster eigener Hit für den er auch die Goldene Europa erhielt. Damit reihte er sich auch ein in die Schlagerkollegen wie Truck Stop, Tom Astor oder auch Linda Feller, die mit ihrem Country-Stil bis heute erfolgreich sind. Im selben Jahr veröffentlichte er den Song „Hey Boss, ich brauch‘ mehr Geld“, der inzwischen Kult-Status hat. Gunter Gabriel bedienter sich immer wieder amerikanischer Originalsongs von Johnny Cash, wie „Wanted Man“ oder Shel Silversteins „The Winner“, die er ins Deutsche übertrug. Aber auch für seine deutschsprachigen Künstlerkollegen war er als Texter und Komponist rege im Einsatz. Er schrieb beispielsweise Songs für Juliane Werding („Wenn du denkst, du denkst“), Frank Zander (der im Jahr 2004 Gabriels Hit „Komm unter meine Decke“ von 1975 neu aufgelegt hat) oder Wencke Myhre („Das wär John nie passiert“, „Ein Sonntag im Bett“). Aber auch Kollegen aus der Schlager- und Volksmusik-Szene wie Peter Alexander oder die Zillertaler Schürzenjäger wurden von Gabriel künstlerisch unterstützt. Ein besonderes Highlight dürfte zu dieser Zeit auch die eigene Fernsehshow „Country-Musik mit Gunter Gabriel“ gewesen sein, für die er als Fernsehmoderator im Einsatz war.

Gunter Gabriel – Wirtschaftlicher Ruin in den 80ern

Sein erstes großes Tief durchlebte Gabriel Mitte der 1980er Jahre. Er hatte mit Immobilieninvestitionen ganze Millionen verloren. Der wirtschaftliche Ruin wirkte sich auch negativ auf sein Privatleben aus. Seine Ehen scheiterten. Auch beruflich ging es für den Sänger lange Zeit bergab. 1993 nahm in die German American Country Music Federatoin (GACMF) in die deutsche „Country Music Hall of Fame“ auf. Für den Song „Sturm und Drang“ hatte er zusammen mit Tom Astor noch den Award der GACMF erhalten. Obwohl er in den 1990er Jahren weitere Studioalben produzierte, blieb der große Erfolg aus. Das lag mitunter auch daran, dass der Sänger auch immer wieder mit schweren Alkoholproblemen zu kämpfen hatte und für Negativ-Schlagzeilen sorgte.

Gunter Gabriels Comeback mit Johnny Cash

Erst in den 2000ern zeichnete sich eine neue Linie im Werdegang des Künstlers ab. 2003 nahm er in Hendersonville (Tennessee) im Studio von Johnny Cash ein Album mit Cash-Songs auf Deutsch auf. Produzent war damals Cashs Sohn John Carter Cash. Mit dem Album „Gabriel singt Cash – Das Tennessee-Projekt“ schürte er wieder mehr Aufmerksamkeit. Nicht nur stimmlich, sondern auch durch die Ähnlichkeiten zu seinem amerikanischen Idol, der mit zahlreichen Tiefschlägen zu kämpfen hatte, avancierte Gunter Gabriel immer mehr zum deutschen Johnny Cash. Gabriels Album „Sohn aus dem Volk“, das 2009 veröffentlicht wurde, war eine Hommage an den großen US-Countrysänger, der 2003 verstarb. Auch der Untertitel „German Recordings“ ist ein Pendant zu Cashs „American Recordings“. Dieses Album wurde auch als finaler Wendepunkt im Schaffen Gabriels gesehen, der bis kurz davor noch mit seiner „Wohnzimmertour“ (seit 2007) unterwegs war, wo er gerade mal für 1.000 Euro jede Anfrage annahm.

Gunter Gabriel – Späte Erfolge auf der Bühne und im TV

Im Spätsommer 2010 zeigte er einmal mehr, wie nah er seinem großen Vorbild war, indem er die Titelrolle im Bühnenstück „Hello, I’m Johnny Cash“ am Berliner Renaissance-Theater unter der Regie von Volker Kühn verkörperte. Zwei Jahre später war Gabriel in einer Folge der Fernsehserie „Großstadtrevier“ zu sehen. Zudem war er auch als Sprecher tätig, wie für die Fernsehsendung „Asphalt Cowboys“ auf DMAX. Seinen letzten großen TV-Auftritt hatte er 2016 in der RTL-Reality-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. Er verließ jedoch bereits nach fünf Tagen auf eigenen Wunsch das Dschungelcamp.

Gunter Gabriel – Seine Studioalben in der Übersicht

Seit 1973 hat Gunter Gabriel in regelmäßigen Abständen immer wieder neue Studioalben produziert.

  • 1973: Gesucht
  • 1974: Das ist meine Art
  • 1975: Gunter Gabriel
  • 1977: Meine Helden und andere Pechvögel
  • 1978: Damen wollen Kerle
  • 1979: Die größten Country-Songs aller Zeiten
  • 1979: Rastlose Cowboys und ehrbare Mädchen
  • 1982: Waschecht
  • 1983: Die ewig wilden Western Lieder
  • 1989: Dieselknechte
  • 1995: Straßenhund
  • 1996: Ein Hallelujah für ein Truckerherz
  • 2002: Gunterwegs
  • 2003: Gabriel singt Cash – Das Tennessee-Projekt
  • 2009: Sohn aus dem Volk – German Recordings
  • 2011: Gabriel singt Cash
  • 2017: LickLab Akustik Session

Gunter Gabriel privat: Ehen, Kinder, Tod

Gunter Gabriel verbrachte die letzten 20 Jahre seines Lebens auf einem 400 Quadratmeter großen Hausboot, das er 1995 für 80.000 DM erworben hatte und zuletzt im Harburger Binnenhaften in Hamburg vor Anker lag. Auch sein Privatleben war ein Auf und Ab. Der Sänger war insgesamt viermal verheiratet. Vom Vornamen seiner ersten Frau leitet sich auch sein Künstlername „Gabriel“ ab. Leider gingen auch seine Ehen in die Brüche. Er soll seine Partnerinnen nicht nur geschlagen, sondern auch betrogen haben. Seine vier Kinder Yvonne, Patricia, Lisa Marie und Benjamin stammen alle von vier Frauen. Sie machten ihm später Vorwürfen, als Vater versagt zu haben. Ein später Versöhnungsversuch mit seiner ältesten Tochter Yvonne wurde auf VOX in einer TV-Dokumentation aufgearbeitet. Der Kontakt zu seinen drei Enkelkindern blieb ihm jedoch nicht verwehrt.

Tragisch war auch die Todesursache des Sängers. An seinem 75. Geburtstag hatte er sich in Herford bei einem Treppensturz einen dreifachen Bruch des Halswirbels zugezogen. Elf Tage später verstarb er am 22. Juni 2017 im Klinikum der Medizinischen Hochschule Hannover an den Folgen der Operation. Einen Monat später wurde am 22. Juli eine Trauerfeier in der Hamburger Flussschifferkirche abgehalten. Am Folgetag wurde er in einer Seebestattung in der Ostsee vor Travemünde im engen Kreis der Familie beigesetzt. Ein Grab gibt es nicht. In Berlin erinnert jedoch ein Gedenkstein auf dem Friedhof Heerstraße an Gunter Gabriel.

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