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Harry G endlich live on Tour! Die tz-Kritik

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Von: Christina Meyer

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Harry G
Kabarettist Harry G zog im Theatron im Westpark 90 Minuten lang mit seiner ersten Show vom Leder. © Oliver Bodmer

München - Internetstar Harry G hat in München den Auftakt seiner Tour "Leben mit dem Isarpreiß" gefeiert. 90 Minuten lang frotzelte er bissig, aber nie unter der Gürtellinie. Die tz-Kritik - inklusive Interview.

Willkommen in Schickeria City! Im Internet grantelt er über Möchtegern-Schickimickis und die feine Bussi-Bussi-Gesellschaft – jetzt trat Kabarettist Harry G das erste Mal live in München auf. Einen Hut und eine große Klappe: Mehr brauchte der 34-Jährige nicht, um das Theatron im Westpark vollzukriegen! Und das Publikum bekam’s gleich mal ab: „I kannt scho wieder schbeim. Da hocken ja die ersten Isarpreißn mittendrin! Du mit deim bestickten Polohemd: I geb dir an Zwanzger, wennst di schleichst.“

Auf seiner Tour „Leben mit dem Isarpreiß“ stoppte der gebürtige Regensburger (wuchs in Hausham am Schliersee auf und wohnt seit 2006 in München) auch in der Landeshauptstadt. Die große Frage, die sich vorab viele stellten: Kann ein Künstler, der mit Zwei-Minuten-Clips im Netz für Brüller sorgt, eine ganze Show auf die Beine stellen? Antwort: Ja, er kann! Und er klärte gleich mal auf: „Ein Preiß ist wie ein Joghurtfleck am Hemd – den kriegst mit einer normalen Behandlung wieder aussi. Ein Isarpreiß dagegen ist wie ein Rotweinfleck. Der versaut dir das Hemd und frisst sich richtig nei.“

Harry G: Bissig, aber nie unter der Gürtellinie

Das Gefährliche: Jeder könne sich anstecken, selbst Ur-Münchner blieben nicht verschont. „Letztens hat ein Freund, gebürtiger Sendlinger, im Isarpreißn-Rausch einen Boxster geleast und beim Bräustüberl am Tegernsee eine Halbe bestellt. Er kann sich bis heute nicht erklären, warum!“

90 Minuten lang frotzelte Harry G (heißt eigentlich Markus Stoll) über versnobte Porschefahrer, Yoga turnende Neu-Mamas aus dem Glockenbach und elitäre Hundebesitzer, die ihre Zamperl zweisprachig erziehen, baute galant die Inhalte seiner Clips in die Show ein und spannte den roten Faden über drei fiktive Freunde: Möchtegern-Bayer Arno aus Hannover („Mensch, ist das urig hier!“), Kettenraucher Alfons aus Minga und Immobiliensnob Günter. Bissig, aber nie unter der Gürtellinie. Gewollt – und auch gekonnt. Hut ab! Von diesem Künstler werden wir noch hören.

Weitere Tourdaten: harry-g.com

Christina Meyer

Profi-Grantler Harry G im tz-Interview

Glückwunsch zum ersten Auftritt in der Isarpreißn-Hochburg München! Wie war’s?

Harry G: Es ist witzig, hier zu spielen, ganz anders als am Land. Das ist das Schöne hier: Jeder weiß genau, von was du redest, kennt die Orte und Locations.

Los ging es mit Internetvideos – mittlerweile haben Sie mehr als 60.000 Fans bei Facebook, touren gerade durch Bayern. Haben Sie mit diesem Erfolg gerechnet?

Harry G: Ich habe zwar

Harry G
tz-Reporterin Christina Meyer im Gespräch mit Harry G. © Oliver Bodmer

gedacht, dass ich mit diesen Themen einen Nerv treffen kann, aber diese Resonanz hat mich überrascht. Mein Kumpel, der die Videos gefilmt hat, und ich hätten nie damit gerechnet, dass die Millionen Leute anschauen!

Können Sie denn noch unerkannt auf die Straße?

Harry G: Mit Hut werde ich ständig erkannt, ohne dauert’s. Und es kommt immer wieder zu lustigen Begegnungen. Einmal hat mich auf dem Weg zu einem Auftritt die Polizei aufgehalten und gesagt: „Aha, wann schimpfen’S denn mal über uns Polizisten?“ Ich meinte: „Wenn’S mich weiterfahren lassen, nie!“

Zumindest in Ihrem aktuellen Programm kriegen es ja auch vor allem die Isarpreißn ab. Woher holen Sie sich die Inspiration? 

Harry G: Direkt auf der Straße. Man braucht hier in München nur vor die Tür oder auf bestimmte Events zu gehen, da kriegt man die Vorlagen auf dem Silbertablett serviert. Mich nervt einfach alles, was mit Herdentrieb zu tun hat und nur funktioniert, weil es keiner hinterfragt. Warum steht man drei Stunden im Stau für eine Halbe am Tegernsee? Das werd ich nie verstehen.

Ein Blick in die Zukunft: Wie geht’s mit Harry G weiter?

Harry G: Ich würde gerne was in der Medienwelt machen, mich live weiterentwickeln und künftig mehr Themen als den Isarpreißn behandeln. Natürlich sind auch wieder neue Internetvideos geplant!

Interview: CMY

Die besten Harry-G-Clips

Harry G über die Schickeria Gschaftler: „Und im Segeloutfit und mit acht Kilo Wetgel im Haar fahrens dann jeden Abend zu einem anderen Schickeria-Highlight“, frotzelt der Kabarettist in diesem Clip.

Harry G über die Landhausmode: Wer lange Lederhosen oder im Landhausstiel bedruckte „Kartoffelsäcke in Hemdform“ trägt, kriegt in diesem Video sein Fett ab.

Harry G über der Maibaum: Preißn, die das Maibaumaufstellen „so idyllisch“ finden, empfiehlt Harry G hier Feldforschung auf eigene Gefahr.

Harry G über das Weißbier: Zuagroasten erklärt der Grantler auf seine Art, wie man Weißbier richtig einschenkt oder als Dusche benutzt.

if

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