Senta Berger, Michaela May, Bully & Co.

Servus, Helmut: Seine (Film-)Freunde nehmen Abschied

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OB Christian Ude und Helmut Dietl bei der Verleihung des Valentins Ordens im Jahr 2005.

München - Die Filmwelt und ganz München trauert um Helmut Dietl. Der Kult-Regisseur ist am Montag im Alter von 70 Jahren gestorben. Michaela May, Senta Berger, Michael Bully Herbig und viele weitere seiner Wegbegleiter nehmen in der tz Abschied.

A bissl was – und so viel mehr … Wenn wir ihn noch einmal sehen, wie er uns zuwinkt … Wenn wir uns fragen, ob dieses Lächeln milde ist oder zynisch … Und wenn wir spüren, was da alles in uns mitschwingt … Dann wissen wir: Dieser Helmut Dietl hat wie kaum ein Anderer die Münchner Seele verstanden. Und er hat sie als Regisseur in seinen Filmen weitergetragen. Jene Filme werden ihn überdauern: den Mann, der am Montag im Alter von 70 Jahren daheim in seiner Münchner Wohnung gestorben ist.

Natürlich: Dietl, der Kettenraucher, hat schon gewusst, was er seinem Körper antut mit (selbst geschätzt) einer Million Gitanes im Laufe seines Lebens. Über den Lungenkrebs, der jetzt seinen endgültigen Tribut gefodert hat, sagte er: „Wenn man bedenkt, wie viel ich geraucht habe, dann ist es geradezu ein Wunder, dass es so lange gut gegangen ist …“

Wobei das eigentliche Wunder um Helmut Dietl in seinem filmischen Schaffen liegt. Im Monaco Franze natürlich, der münchnerischsten aller Serien. In Kir Royal, dem Schicki-Micki-Rausch, der so viel Wahres enthält. In Schtonk und in Rossini, die Beweise für Dietls Meinung sind, dass zum Humor vor allem ganz viel Hirn gehört.

Helmut Dietl war vier Mal verheiratet, er hinterlässt drei Kinder und zwei Enkel. Und er hinterlässt ein großes Vermächtnis: dieses Gefühl, das unsere Stadt ausmacht. Diese Leichtigkeit, die man haben darf – und die nur stammen kann aus dem Bewusstsein dafür, wo man herkommt. Dietl, der genau dieses Gefühl gelebt hat, hat jetzt zu seiner letzten Leichtigkeit gefunden. Servus, Helmut!

Senta Berger & Co.: So nehmen seine Freunde Abschied

OB Christian Ude und Helmut Dietl bei der Verleihung des Valentins Ordens im Jahr 2005.

Die letzte Erinnerung ist gleichzeitig die wehmütigste: Ich habe ihn vor einigen Wochen noch am Kaiserplatz getroffen, wo er zuletzt wohnte und immer mit seinem Hund spazierenging. Wir sind natürlich bei jeder Begegnung ins Gespräch gekommen. Es war bemerkenswert, wie neugierig, aber auch ironisch und spöttisch er auf das Zeitgeschehen blickte. Er hat an allem Anteil genommen, war aber schon von seiner Krankheit gezeichnet – und auf alles gefasst. Die schönste Erinnerung ist, wenn unser Freund Helmut Fischer ins Schwärmen kam, wie grundlegend Dietl sein Leben verändert hatte. Sie hatten eine gemeinsame Wellenlänge

Alt-OB Christian Ude

Oh Gott, wie furchtbar! Als Regisseur war er großzügig, intensiv beobachtend. Ich fand, Helmut war ein Gott unter lauter Halblichtern. An meinem künstlerischen Firmament war er ein Fixstern. Leider hat er mich nach Monaco Franze nie mehr engagiert. Ich glaube, ich war ihm zu emanzipiert. Aber vielleicht im nächsten Leben. Ich glaube ja an die Reinkarnation – dann treffen wir uns wieder.

Christine Kaufmann

Vor gut einem Jahr durfte ich Helmut Dietl anrufen, um ihm mitzuteilen, dass er den Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises erhalten sollte. Damals wussten wir alle schon von seiner Krankheit. Ich habe die Nummer seines Büros gewählt – und ihn direkt erreicht. Das spricht Bände. Helmut Dietl hat für seine Arbeit gelebt und gebrannt. Er hat dem Kino in Deutschland große Filme und unvergessliche Momente geschenkt. Er war ein Kämpfer für seine Kunst und gegen seine Krankheit. Dass er sich im Kreis seiner Familie verabschiedet hat, ist sehr tröstlich. Dennoch fällt es schwer, sich die Welt ohne den Mann vorzustellen, der sie uns auf so unnachahmliche Weise zu erklären vermochte. Adieu, Helmut.

Iris Berben, Präsidentin der Deutschen Film­akademie

Obwohl ich es glauben muss, will ich es nicht glauben. Ich werde mich erst an den Gedanken gewöhnen müssen, dass Helmut Dietl nicht mehr lebt – wenn man sich überhaupt je an so einen Gedanken gewöhnen kann. Wir alle verlieren einen unersetzbaren Künstler, und ich verliere einen Freund. Das ist ein großer Schmerz. In seinen Filmen lebt der Künstler Helmut Dietl weiter und wird immer wieder von jeder Generation neu entdeckt werden. Das ist ein Trost – auch wenn mich dieser Gedanke heute nicht tröstet. Wir werden ihn alle vermissen. Er fehlt.

Senta Berger

Mit Helmut Dietl verlieren wir einen Menschen, der als Regisseur und Autor enorm viel zur Bedeutung Münchens als einem der wichtigsten Film- und Medienstandorte beigetragen hat. Er war ein Meister darin, mit eigener künstlerischer Handschrift satirische Porträts des Münchner Society-Lebens zu zeichnen. Die Fernsehserien Monaco Franze oder Kir Royal genießen deshalb auch heute noch Kultstatus. Leider ist Helmut Dietl, dem ich noch im vergangenen Jahr zum 70. Geburtstag gratulieren konnte, nun von uns gegangen. Sein Tod macht mich traurig.

Oberbürgermeister Dieter Reiter

Ich bin so traurig, obwohl ich es schon geahnt hatte, nachdem ich am Wochenende mit seiner Frau telefoniert hatte und es ihm sehr viel schlechter ging. Letzte Woche schrieb er mir noch eine Mail, die alles andere als resignativ war. Er hat mir versprochen, dass wir uns auf einen Kaffee treffen. Diese besondere Beziehung zu unserer Familie und zum Bayerischen Hof ist schon lange vor meiner Zeit entstanden, als er hier die Münchner Geschichten drehte und natürlich Kir Royal. Mit seinen Serien hat er das Münchner Gesellschaftsleben auf den Punkt gebracht und auch geprägt. Mit ihm ist eine ganz starke Persönlichkeit gegangen, die unsere Stadt groß gemacht hat. Er mochte den Bayerischen Hof sehr und hat dort auch alle Interviews zu seinen Filmen geführt. Wir hatten eine ganz besondere freundschaftliche Beziehung.

Innnegrit Volkhardt, Inhaberin des Hotels Bayerischer Hof

Im vergangenen Jahr bekam Helmut Dietl von Laudator und Freund Michael "Bully" Herbig den Deutschen Filmpreis überreicht.

Lieber Helmut, das Telefon steht nicht mehr still. Ich denke aber gar nicht daran, Dir einen Nachruf zu schreiben … lieber schreibe ich Dir persönlich! Ich muss Dir ja wohl nicht sagen, wie unfassbar traurig ich bin. Du warst und bist mein Held. Als ich von Deinem Abschied erfahren habe, weinte auch der Himmel über Schwabing … Es hagelte sogar. Zu Recht, Regen alleine wäre ja auch nicht standesgemäß. Ich vermisse Dich jetzt schon unendlich … den Menschen, den Freund und den genialen Filmemacher Helmut Dietl! Dein Bully.

Michael Bully Herbig

Helmuts Tod erschüttert mich zutiefst. Meine Gedanken gelten seiner Frau und seinen Kindern, denen ich für die schwere Zeit der Trauer Kraft und liebe Menschen an ihrer Seite wünsche. Er war ein großes Vorbild für mich, vor allem wenn es darum ging, seine Träume zu leben und sich von niemandem darin beirren zu lassen. Dafür und für viele andere Dinge werde ich ihm auf ewig dankbar sein. Helmut wird in unserer Erinnerung, unseren Gedanken und in seinen grandiosen Filmen für immer weiterleben. Ruhe in Frieden, lieber Helmut.

Veronica Ferres

Helmut Dietl mit Veronica Ferres im Jahr 2000.

Helmut Dietl war ein großes Vorbild und ein großer Meister! Sein Tod ist sehr traurig für uns alle, die Filme machen und Filme lieben. Ich bewundere ihn für alles, was er inszeniert und geschrieben hat – wegen seines unvergleichlichen komischen Timings, das fast niemand sonst in Deutschland hat. Er hat in seinen Serien viele Figuren geschaffen, die uns seit Jahrzehnten begleiten, wie den Monaco Franze oder den Tscharlie aus den Münchner Geschichten, die ich besonders mag. Seine große Stärke war das lange Erzählen über viele Serienteile hinweg. Er war ein ganz Großer!

Doris Dörrie, Filmemacherin, Professorin an der Filmhochschule

Helmut war ein Wegbereiter für mich. Nachdem ich meine Kinder bekam, musste ich einige Zeit aussetzen. Helmut besetzte mich dann wieder in seinen Erfolgsserien Münchner Geschichten, Monaco Franze und Kir Royal und ebnete mir dadurch den Weg zurück in die Schauspielerei. Mit diesen Serien hat er einen Kult geschaffen. Seine genaue Beobachtung der Bayern zeigt ihre sensible Seite und nicht nur die krachlederne. Seine satirische und intensive Betrachtungsweise galt auch ihm selbst. Das machte ihn so sympathisch. Das letzte Mal sah ich ihn beim Bambi, den er 2014 für sein Lebenswerk erhielt. Damals wollte er nicht, dass wir ihm gratulieren. Dazu war er zu wehmütig. Den Verriss seines letzten großen Werks Zettl hatte er nicht verdient. Er hat sich durch so viele erfolgreiche Film- und Fernsehprojekte einen Namen gemacht. Er hat Geschichte geschrieben. Das behalten wir in Erinnerung.

Michaela May

Regisseur Helmut Dietl (r.) bekam im Jahr 2003 den Bayerischen Fernsehpreis von Michaela May und Udo Wachtveitl überreicht.

Zuletzt gesehen habe ich Helmut Dietl 2014 beim Deutschen Filmpreis, als er den Ehrenpreis für sein Lebenswerk erhielt. Doch in unauslöschlicher Erinnerung bleibt er durch die Zusammenarbeit für seinen Film Zettl. Es war mir eine Ehre, als er mir die Rolle der Jacky Timmendorf anbot, weil er bei seinen Rollen immer auch an den Menschen dahinter denkt. Er hat einen Anspruch, den man einhalten muss, um in die große Filmfamilie aufgenommen zu werden. Uns hat eine Art Seelenverwandschaft verbunden, die dazu führte, dass er mir beim Dreh nicht mehr viel erklären musste. Darüber hinaus habe ich ihn immer für seine Dialoge bewundert. Seine Drehbücher waren wie Partituren für Orchester. Es trifft mich, aber dann denke ich an sein Schaffen wie Monaco Franze und ich weiß, dass er dadurch unvergesen bleiben wird

Sunnyi Melles

Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben

Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Der Monaco Franze (Helmuth Fischer) mit seinem Spatzl (Ruth Maria Kubitschek). © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Der ewige Stenz - da war nicht nur der Monaco Franze, sondern auch sein Schöpfer. © dpa (Archivbild aus dem Jahr 2012)
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Auch Helmut Dietls Ehe mit Barbara Valentin scheiterte. © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Die Gesellschaftssatire "Kir Royal" mit Franz Xaver Kroetz (als Baby Schimmerlos) und Senta Berger als (Mona) wurde Kult. © dpa (Archivfoto vom November 1985)
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Dietls Hauptdarsteller in "Rossini": Heiner Lauterbach und Veronica Ferres. © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Mit Veronica Ferres war Helmut Dietl zwischen 1990 und 1999 liiert. © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Helmut Dietl mit Götz George ("Schtonk"). © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Helmut Dietl mit Uwe Ochsenknecht und Christiane Hörbiger. © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Olli Dittrich, Veronica Ferres, Jasmin Tabatabai und Harald Schmidt. © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Ohne eine Zigarette im Mundwinkel sah man Dietl über Jahrzehnte nie.   © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Helmut Dietl mit der Besetzung seines Films "Vom Suchen und Finden der Liebe": Uwe Ochsenknecht (l-r), Anke Engelke, Moritz Bleibtreu, Alexandra Maria Lara und Heino Ferch. © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
2005 wurde Helmut Dietl der Bayerische Verdienstorden verliehen. © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Helmut Dietl mit Bully Herbig, dem Hautdarsteller aus "Zettl". © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Sein letzter öffentlicher Auftritt: 2014 erhielt Helmut Dietl den Bambi für sein Lebenswerk. © dpa

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