Trauer um Kult-Regisseur

Helmut Dietl: Die Legende ganz privat

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Helmut Dietl, aufgenommen im Januar 2011.

München - Im vergangenen Jahr führte tz-Regisseurin Astrid Kistner ein Interview mit dem am Montag verstorbenen Kult-Regisseur Helmut Dietl. Ein sehr persönliches Gespräch, das sie nie vergessen wird.

"Ich mag keine Beerdigungen. Ich überleg’ sogar ernsthaft, ob ich auf meine eigene gehe.“ Es ist kein Jahr her, dass Helmut Dietl mir das sagte und sich spitzbübisch lächelnd darüber freute, dass die Pointe zündete. Wir saßen zum Interview in einem Schwabinger Café, keine hundert Meter von seiner Wohnung entfernt, und sprachen über seine Scheu vor großen Feiern, seine Leidenschaft fürs Filmemachen, über das Leben, die Liebe und den Tod. Nur wenige Monate zuvor hatte der Kultregisseur die niederschmetternde Krebsdiagnose bekommen. Chemotherapie und Bestrahlung lagen hinter ihm, und wir wollten nur ein halbes Stündchen über den anstehenden 70. Geburtstag plaudern. Es wurden zwei Stunden. Es wurde ein Gespräch, das ich nie vergessen werde.

Den Tod fürchte er nicht, hatte er damals gesagt – nur die Schmerzen. Seit der Beerdigung seiner Mutter war er zu keiner Trauerfeier mehr gegangen, auch nicht zu denen von Freunden und Weggefährten wie Bernd Eichinger. „All die schwarz gekleideten Menschen, wie sie hinter dem Sarg hertrotten. Dieses Bild hat mich ewig begleitet. Nach dem Begräbnis meiner Mutter habe ich lange nur noch helle Anzüge tragen können.“ Im cremefarbenen Leinenanzug erschien Dietl auch zu unserer Verabredung. Das graue Haar sorgfältig frisiert, den Bart gestutzt, die käferbraunen Augen mal blitzend vor Neugier, mal voller Melancholie.

Er war ein Stenz, ein Pessimist, ein Choleriker, ein Genie, ein Mensch voller Humor und Tiefe – und voller Selbstzweifel. Er spürte „diese komische Mischung aus Hybris und Versagensangst“, wenn er zum Filmset ging. „Jeder Drehtag war auch immer mit einer gewissen Angst besetzt. Kann ich das? Mach ich das richtig?“ Fragen, die Dietl quälten und gleichzeitig antrieben. In all den Figuren, die er fürs Fernsehen und das Kino schuf, lebte auch immer ein Teil von ihm selbst. „Ich weiß nicht warum, aber die Fiktion anderer Leute hat mich nie interessiert“, erklärte er. Also schrieb er seine Geschichten selbst, feilte an den Charakteren und drechselte Dialoge, die seine Fangemeinde bis heute auswendig hersagen kann.

Er liebte die Schauspieler, seine Schauspieler, die er motivierte, umschmeichelte und oft auch wie ein Raubtierbändiger domptierte. „Bei ,Rossini’ waren eine Menge Tiger im Käfig“, lachte Dietl. „Aber ich habe keinen Zweifel daran gelassen, wer die Peitsche in der Hand hält.“

Was bleibt, wenn einer geht? „Ein paar Filme und Serien, die sie wiederholen werden, bis sie keiner mehr sehen will“, mutmaßte Dietl. Ein Häufchen Asche, das er am liebsten im Kleinhesseloher See verstreut gewusst hätte. Und die Erinnerungen all jener, die ein Stück Leben mit diesem außergewöhnlichen Menschen teilen durften. Danke.

Astrid Kistner

Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben

Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Der Monaco Franze (Helmuth Fischer) mit seinem Spatzl (Ruth Maria Kubitschek). © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Der ewige Stenz - da war nicht nur der Monaco Franze, sondern auch sein Schöpfer. © dpa (Archivbild aus dem Jahr 2012)
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Auch Helmut Dietls Ehe mit Barbara Valentin scheiterte. © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Die Gesellschaftssatire "Kir Royal" mit Franz Xaver Kroetz (als Baby Schimmerlos) und Senta Berger als (Mona) wurde Kult. © dpa (Archivfoto vom November 1985)
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Dietls Hauptdarsteller in "Rossini": Heiner Lauterbach und Veronica Ferres. © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Mit Veronica Ferres war Helmut Dietl zwischen 1990 und 1999 liiert. © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Helmut Dietl mit Götz George ("Schtonk"). © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Helmut Dietl mit Uwe Ochsenknecht und Christiane Hörbiger. © dpa
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Olli Dittrich, Veronica Ferres, Jasmin Tabatabai und Harald Schmidt. © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Ohne eine Zigarette im Mundwinkel sah man Dietl über Jahrzehnte nie.   © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Helmut Dietl mit der Besetzung seines Films "Vom Suchen und Finden der Liebe": Uwe Ochsenknecht (l-r), Anke Engelke, Moritz Bleibtreu, Alexandra Maria Lara und Heino Ferch. © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
2005 wurde Helmut Dietl der Bayerische Verdienstorden verliehen. © dpa
Helmut Dietl: Szenen aus seinem Leben
Helmut Dietl mit Bully Herbig, dem Hautdarsteller aus "Zettl". © dpa
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Sein letzter öffentlicher Auftritt: 2014 erhielt Helmut Dietl den Bambi für sein Lebenswerk. © dpa

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