„Ich habe mich von allen Dingen losgelöst“

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Thomas Stein mit seiner vierten Frau Cornelia

München - DSDS-Juror Thomas Stein veröffentlicht seine Autobiografie und zieht damit einen Schlussstrich. Im tz-Interview spricht der Manager auch über den Neuanfang mit seiner vierten Ehefrau. 

Jeder kennt Onkel Stein aus dem Fernsehen, als Juror bei Deutschland sucht den Superstar und Die ultimative Chartshow. Doch das war nur der letzte Höhepunkt in der Karriere von Topmanager Thomas M. Stein. Der gebürtige Schwabe machte als Chef von Teldec, BMG Ariola und Sony BMG, Bands wie N’Sync und Backstreet Boys groß, betreute Superstars wie Peter Maffay, Udo Lindenberg, Whitney Houston. Was kaum einer weiß: Auch privat ist Stein ein Kämpfer. Mit 19 wird er zum ersten Mal Vater und Ehemann, nach der Scheidung von Ehefrau Nummer zwei, ­Waltraud, ist er bankrott. Dann verliert er Waltraud und seine dritte Frau Margret an Krebs. Mit 60 hat er jetzt mit seiner Autobiografie einen Schlussstrich gezogen – und mit seiner vierten Ehefrau Conny einen Neuanfang gewagt.

Wie sieht der Neuanfang aus?

Thomas Stein: Ich habe alles verkauft, alle Autos, das Haus in Österreich am Pillersee abgerissen und neu gebaut. Ich habe mich von allen Dingen losgelöst. Das ist auch meiner Frau Conny gegenüber nur fair. Wenn man immer in das Haus geht und weiß, wo das Krankenbett stand, ist das eine große Belastung.

Eine Belastung war auch der Todeskampf von Waltraud und Margret für Sie...

Stein: Ich denke jeden Tag an die beiden Frauen, ich vergesse sie nicht, ich habe sie ja geliebt. Doch nicht jeder Tag ist von der Erinnerung geprägt. Ein Kapitel muss ein Ende haben, man muss auch mit den Dingen abschließen können.

Elf Jahre lang haben Sie an der Seite von Margret gegen den Krebs gekämpft. Durch welche Gefühlstäler geht man da?

Stein: Am schlimmsten war es, als der Arzt anrief und sagte, die Metastasen sind verschwunden. Wenig später rief er noch mal an und sagte, dafür gibt es jetzt welche in der Hüfte. Ein anderer teilte uns mit, dass meine Frau nach der Behandlung in zwei Jahren dement sein wird. Das sind unverantwortliche Wechselbäder, ausgelöst von den Ärzten. Und man ist so hilflos, man kann sich nicht wehren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Großteil der Ärzte nicht in der Lage ist, ihre Patienten auch psychologisch zu unterstützen.

Nach dieser langen und schmerzlichen Erfahrung – welchen Rat geben Sie Krebspatienten mit auf den Weg?

Stein: Dass die Selbstheilungskräfte des Körpers viel größer sind als angenommen. So habe ich Margret noch mal einen Heiratsantrag gemacht, obwohl ich eigentlich nach dem Scheidungskampf mit Waltraud nicht mehr heiraten wollte. Doch das hat Margret so überrascht und gefreut, das hat uns, denke ich, nochmal drei bis vier gute Jahre gebracht.

Aber Sie konnten bestimmt die besten Therapien bezahlen?

Stein: Das ist nicht das Entscheidende. Natürlich, sind wir durch ganz Deutschland gefahren, nach Miami, nach New York, haben alles versucht. Ein Scharlatan, an den Margret glaubte, kostete 100 000 Euro. Doch das Entscheidende ist, dass man Eigeninitiative zeigt. Man muss den Arzt finden, zu dem man am meisten Vertrauen hat. Von allein kommt nix. Tut was! Das ist mein Appell.

Wie reagierte Ihr Umfeld?

Stein: Menschen haben Angst vor dieser Krankheit. Sie macht sie sprachlos. Selbst gute Freunde haben sich nie wieder gemeldet. Dabei wäre es so wichtig, dem anderen das Gefühl zu geben: Du bist nicht vergessen. Äußerlich hat man bei Margret nichts bemerkt, auch nicht die Lähmung ihres Armes. Waren wir zum Essen eingeladen, habe ich das Fleisch kleingeschnitten und dann Teller getauscht. Wir waren ein eingespieltes Team.

Im Berufsleben waren Sie der knallharte Manager und zu Hause der fürsorgliche Ehemann. Wie passte das zusammen?

Stein: Natürlich, ich galt als knallharter Knochen. Bei vielen Entscheidungen sind Menschen links und rechts heruntergefallen. Doch das enthebt einen nicht einer gewissen Verantwortung. Ich habe mein Geschäftsleben nie auf mein Privatleben übertragen, sonst ist man ein Idiot, sonst wird die Ehefrau zur Sekretärin.

Ihrer vierten Ehefrau Conny haben Sie wenig Platz im Buch eingeräumt...

Stein: Eigentlich wollte sie, dass ich gar nicht über sie schreibe. Doch bei ihr bin ich angekommen, deshalb heißt das Kapitel auch so. Ich bin in meinem Leben 30 Mal umgezogen, habe wochenlang nur Flugzeugessen zu mir genommen. Jetzt, bei Conny, habe ich meine innere Mitte gefunden.

Die Uhren in Ihrem Leben gehen jetzt anders. Statt Party mit Whitney Houston, ruhige Abende in Tirol ?

Stein: Ich bin in meinem Leben so viel gereist, kenne Städte von New York bis Moskau, war in Japan, ­China, Russland. Ganz ehrlich, ich bin gottfroh, nicht mehr rumchecken zu müssen. Meine Zeit bestimmt jetzt unsere Tochter Amelie. Der Tag beginnt um halb sechs und endet, wenn die junge Dame beschließt, nicht ins Bett zu wollen. Sie zahnt gerade...

Für die Jugend sind Sie seit DSDS Onkel Stein. Stört Sie der Name?

Stein: Ach nein, wenn ich da jetzt sensibel wäre .. Das ist schon zu einer Marke geworden. Besser doch als wenn sie Opa Stein sagen, oder?

Aber Opa sind Sie ja wirklich...

Stein: Ja, schon seit sechs Jahren.

Haben Sie noch einen Koffer in München?

Stein: Gerade habe ich eine Wohnung in Baldham gekauft. Das ist unser Standbei in München. Hört sich ganz bescheiden an... Warum nicht? Ich bin oft in meinem Leben einen Schritt rückwärts gegangen, um den Boden nicht zu verlieren. Ich sage immer, auch ich kann nur ein Schnitzel am Tag essen.

Maria Zsolnay

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