1200 Gäste bei der Weltpremiere von Bernd Eichingers „Der Baader Meinhof Komplex“

Im Strudel exzessiver Gewalt

+
Mehmet Scholl und Freundin Jessica

München - Das Polizeiaufgebot war ordentlich und angeblich sollen auch Beamte in Zivil dagewesen sein – bei der Weltpremiere von Bernd Eichingers neuem Film Der Baader Meinhof Komplex am Dienstag im Mathäser Filmpalast.

Uniformierte sind ja oft da, wenn große Stars über den roten Teppich laufen, doch diesmal war mehr Munition in der Luft: Allein, weil Terroristen dem Regisseur Uli Edel angeblich verraten haben, wer am 18. Oktober 1977 an der Hinrichtung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer mit drei Kopfschüssen beteiligt war. Eine der letzten großen Fragen, die die Ermittlungsbehörden auch nach 31 Jahren noch gerne lösen würden.

Staraufgebot in München: Die Premiere von "Der Baader Meinhof Komplex"

Staraufgebot in München: Die Premiere von "Der Baader Meinhof Komplex" © 
Am Dienstagabend versammelte sich die nationale Filmelite in München. Im Mathäser Filmpalast feierte Bernd Eichingers "Der Baader Meinhof Komplex" Premiere. Wir zeigen Ihnen, wer sich auf dem roten Teppich die Ehre gab. Hier sehen Sie Heino Ferch und seine schwangere Frau Jeanette. © babirad
Regine Sixt mit Wolfgang Seyboldt © babirad
Ralph Weyler mit Frau Birgit und Sohn Stefan © babirad
Sunnyi Melles - Sunnyi Prinzessin zu Sayn - Wittgenstein - Sayn mit Mann Peter, Kinder Constantin, Leonille © babirad
Klaus Doldinger mit Frau Inge mit Sohn Nicolas © babirad
Max von Thun © babirad
Stefan Aust mit Familie © babirad
Heino Ferch mit seiner schwangeren Frau Marie Jeanette © babirad
Katharina Wackernagel © babirad
Sonya Kraus mit Florian Odendahl © babirad
Joseph Vilsmeier mit Tochter Josephine © babirad
Gottfried John mit Frau Brigitte © babirad
Florian Langenscheidt © babirad
John Friedmann mit Natascha Ochsenknecht © babirad
Andrea Sixt mit Cord Tröbst © babirad
Stipe Erceg mit Hannah Herzsprung © babirad
Moritz Bleibtreu mit Johanna Wokalek © babirad
Vinzenz Kiefer mit Josephine Preuss © babirad
Jan Josef Liefers mit Katharina Wackernagel und Heino Ferch © babirad
Martina Gedeck © babirad
Gunter Sachs mit Frau Mirja © babirad
Michaela May mit Mann Bernd Schadewald © babirad
Bernd Eichinger mit Regisseur Uli Edel © dpa
Sebastian Blomberg mit Franziska Schlattner © babirad
Sebastian Blomberg mit Jan Josef Liefers, Hanah Herzsprung, Stipe Erceg, Katharina Wackernagel und Vinzenz Kiefer © babirad
Bernd Eichinger, seine Frau Katja Hofmann und seine Ex Barbara Rudnik (r.) © babirad
Vinzenz Kiefer mit Eltern © babirad
Detlef Bothe © babirad
Bruno Ganz und Nadja Uhl © babirad
Fred Kogel und Freundin Rhea Geisler © babirad
Doris Dörrie und Mann Martin © babirad
Sandra Arabian © babirad
Alexander Held © babirad
Mehmet Scholl und Freundin Jessica © babirad
Götz Otto © babirad
Barbara Rudnik © babirad
Es war Rudniks erster großer öffentlicher Auftritt nach ihrer Krebserkrankung © babirad

Spekuliert wurde auch, wer von den damaligen Akteuren neugierig genug auf die filmische Umsetzung von Stefan Austs Standardwerk sein würde. Als Praktikant bei der Zeitschrift Konkret hatte Aust Ulrike Meinhof persönlich kennengelernt.

Doch zumindest bei der Uraufführung des Baader Meinhof Komplex’ wollte man offenbar kein Risiko eingehen und hat „Betroffene“ lieber zur gestrigen Premiere nach Berlin eingeladen. Nebst Joschka Fischer. Eichinger ­hatte sich ja immer ausdrücklich gegen die Revoluzzer­Romantik gewandt. Einer der letzten gesprochenen Sätze im Film: „Ihr habt die Leute nie gekannt. Hört auf, sie so zu sehen, wie sie nicht waren.“

Sie waren Mörder. Sie planten unvorstellbare Gewaltexzesse. Und wenn es um Liebe und das eigene Ego ging, waren sie so spießig wie das Establishment auch. Das zeigen Eichinger, Edel und Deutschlands hochkarätigste Schauspieler auf Leinwand.

„Wir wollten nicht Geschichten erzählen, sondern Geschichte“, begrüßte denn Constantin-Boss Fred Kogel die Gäste. Und Stefan Aust war mit der Umsetzung sehr zufrieden. Martina Gedeck hatte nach Austs Meinung den schwersten Part im Film: „Weil so viele die Journalistin Ulrike Meinhof kannten, die öffentlich viel aufgetreten war. Martina Gedeck hat das sehr, sehr gut gespielt.“

Johanna Wokalek brilliert als Gudrun Ensslin. Die 33-Jährige sagte, deren „ungeheure Radikalität“ habe sie als Schauspielerin ganz verlangt - „diese Energie zum Vorschein zu bringen, das war eine große Herausforderung.“

Begeistert von dieser Arbeit, sprachlos von den Bildern ­waren 1200 Premierengäste: Riesen-Beifall, vereinzelt auch Kritik. Focus-Chef Helmut Markwort lobte die exzellenten schauspielerischen Leistungen, findet es aber problematisch, dass es „ein reiner Täterfilm“ ist. Lebens­gefährtin und ­Bunte-Chefin ­Patricia Riekel meinte gar: „Ich finde den Film gefährlich, weil er eine Art Bonnie-und-Clyde-Atmosphäre schafft.“

Andere wiederum sahen durch den Film keinerlei Sympathien für die Täter geweckt, waren erschlagen von ­deren Gewalt. Michaela May: „Der Film war hart genug, um nicht zu glorifizieren. Toll gemacht!“ Gottfried John: „Ein beeindruckender Parforce-Ritt durch die Zeit – ich bin sprachlos.“ Zehn Jahre RAF in zweieinhalb Stunden.

Die meisten der Hauptdarsteller sind so jung, dass sie die RAF damals allenfalls als Kinder erlebten. Moritz Bleibtreu etwa, der Andreas Baader spielt, wurde 1971 geboren. Nadja Uhl (im Film Brigitte Mohnhaupt), Jahrgang 1972, spricht aus, welche Erinnerungen die meisten Darsteller an die Baader-Meinhof-Zeit haben: „Die schaurigen Fahndungsplakate in den Tagesthemen. Mit meiner kindlichen Naivität habe ich die Bedrohung sehr wohl wahrgenommen.“

Radikal: Die besten Bilder aus dem Film "Der Baader Meinhof Komplex"

Radikal: Die besten Bilder aus dem Film "Der Baader Meinhof Komplex" © Constantin Film
Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) vor seiner Verhaftung. © Constantin Film
Herb (Patrick von Blume), Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) und Ingrid (Anna Thalbach). © Constantin Film
"2. Juni 1967" vor der Deutschen Oper in Berlin. © Constantin Film
Kommunarde (Christian Näthe) während der Schah-Demo. © Constantin Film
Der Schah-Besuch in Berlin, 1967. © Constantin Film
Die Entführung des Hanns Martin Schleyer (Bernd Stegemann). © Constantin Film
Entführung von Hanns Martin Schleyer. Vorne Peter-Jürgen Book (Vinzenz Kiefer), auf dem Auto Willy Peter Stoll (Hannes Wegener). © Constantin Film
Ruth (Sandra Bergmann) bei der Schleyer-Entführung. © Constantin Film
Astrid (Katharina Wackernagel) in der Haftanstalt Köln-Ossendorf. © Constantin Film
Petra Schelm (Alexandra Maria Lara). © Constantin Film
Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) in Stammheim. © Constantin Film
Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) in Stammheim. © Constantin Film
Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) in Stammheim. © Constantin Film
Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) und Horst Mahler (Simon Licht) im Palästinenser-Camp. © Constantin Film
Brigitte Mohnhaupt (Nadja Uhl) und Regisseur Uli Edel. © Constantin Film
Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) mit ihrem Ehemann Klaus (Hans-Werner Meyer). © Constantin Film
Die Verhaftung des Holger Meins (Stipe Erceg). © Constantin Film
Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek). © Constantin Film
Studentenunruhen beim Schah-Besuch in Berlin, 1967. © Constantin Film
Im Gerichtssaal von Stammhein: Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) und Andreas Baader (Moritz Bleibtreu). © Constantin Film
Das Filmplakat. © Constantin Film

Ein Gast erregte trotz des brisanten Themas besondere Aufmerksamkeit: Barbara Rudnik, die wegen ihrer Krebserkrankung lange nicht mehr auf dem Parkett der Öffentlichkeit war. Der Film hat sie interessiert und am Ende fasziniert. „Er hat mir wahnsinnig gut gefallen“, sagte sie und erinnerte sich daran, wie sie mit 18 Jahren nach München kam und sich über die verstärkten Polizeikontrollen geärgert hat. „Der Polizeistaat ging einem schon ganz schön auf die Nerven“, erklärte sie. Ob ihr das große Interesse an ihrer Person am Abend auch auf die Nerven ging? Sie lächelte die neugierigen Blicke einfach weg und sagte: „Mir geht’s gut.“

Einer, der das Bad in der Menge genoss: Sebastian Blomberg. Er spielt im Film Rudi Dutschke – dabei, so gibt er zu, ist er noch nie auf einer Demo gewesen und studiert hat er auch nicht. Wie er sich auf die Rolle des Studentenführers vorbereitet hat? „Ich habe zwei Wochen lang Reden von Dutschke angeschaut, und habe dann vor dem Dreh in der FU Berlin in ein Kissen reingeschrien, um heiser zu werden.“

Es wurde noch lange diskutiert auf dem Constantin-Film-Empfang im Haus der Kunst, und manch einer öffnete dabei die Seele seiner revolutionären Vergangenheit, wie Fanes-Film-Inhaber Norbert Preuss, der 1969 bei den Hausbesetzer-Unruhen in Amsterdam seinen ersten und einzigen Molotow-Cocktail geschmissen hat (gegen eine Hauswand) und Pflastersteine gegen die staatliche Gewalt. Oder Schauspielerin Elisabeth ­Wicki-Endriss, die im Schwabing von 1968 „unter Wasserwerfern geduscht“ hat, doch sagt: „Mord ist kein Mittel, um die Welt zu verändern.“

Mit dabei: das 250-Mann starke Filmteam, das von ­Audi standesgemäß zur ­Party chauffiert wurde, die Nebendarsteller Alexander Held, Vincent Kiefer, Niels Bruno Schmidt, Daniel Lommatzsch, Hannah Herzsprung, Stipe ­Erceg, Sunnyi Melles und ­Leonille von Sayn-Wittgenstein-Sayn (12); der neue Constantin-Verleih-Chef Torsten Koch; ZDF-­Unterhaltungs­chef Manfred Teubner, der ­besonders gut fand, dass man sich mit eigenen Wertungen sehr zurückgehalten hat; der damalige Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel, Medienmogul Werner E. Klatten, Mietwagenlady ­Regine Sixt, der neue Paramount-Geschäftsführer Sven Sturm, FFF-Boss Dr. Klaus Schaefer und Gabriele ­Pfennningsdorf, Regisseur Sepp ­Vilsmaier, SPIO-Boss Steffen Kuchenreuther, Regisseur ­Peter ­Schamoni und Schauspieler Götz Otto.

Ulrike Schmidt & Susanne Schormann

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Heidi Klum und Tom Kaulitz nach FC-Bayern-Debakel: Foto aus München zeigt pikantes Detail
Heidi Klum und Tom Kaulitz nach FC-Bayern-Debakel: Foto aus München zeigt pikantes Detail
Traumfrau mit Albtraum-Dates: Dieses Model gibt ihrer Schönheit die Schuld  
Traumfrau mit Albtraum-Dates: Dieses Model gibt ihrer Schönheit die Schuld  
Charlotte Würdig: Knallroter Anzug mit Mega-Dekolleté - Alle schauen nur in ihr Gesicht
Charlotte Würdig: Knallroter Anzug mit Mega-Dekolleté - Alle schauen nur in ihr Gesicht
„Eine schrecklich nette Familie“-Schauspieler tot - Fans trauern
„Eine schrecklich nette Familie“-Schauspieler tot - Fans trauern

Kommentare